© Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kritik
12/19/2021

„Lady in the Dark“ an der Volksoper: Psychoanalyse mit Musik

Kurt Weills „Lady in the Dark“ in der Regie von Matthias Davids und mit einem sehr guten Ensemble an der Wiener Volksoper.

von Peter Jarolin

Um eines vorwegzunehmen: Wer sich bei dem 1941 in New York uraufgeführten „musical play“ von Kurt Weill (Musik), Moss Hart (Buch) und Ira Gershwin (Songtexte) „Lady in the Dark“ ein reines Musical erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Denn die Betonung bei diesem Werk liegt auch auf „play“, also Sprechtheater. Soll heißen: Es gibt großartige Musiknummern, aber auch sehr viele (teils langatmige) Textpassagen.

Zwitterstellung

Diese dramaturgische Zwitterstellung ist auch an der Wiener Volksoper zu erleben, obwohl das Haus am Gürtel szenisch und musikalisch alles richtig macht und auch dem „amerikanischen Weill“ zu einer Ehrenrettung verhilft.

Worum es geht? Um die erfolgreiche Liza Elliott, die Chefredakteurin des Modemagazins „Allure“, die sich in einer Art Burnout befindet und daher den Psychoanalytiker Alexander Brooks konsultiert. Privat steht Liza zwischen drei Männern, beruflich ist sie entscheidungsunfähig, ihre Kindheit war alles andere als schön, viele böse Traumata sind da im Laufe der Therapiestunden zu beheben. Ehe ganz am Ende vielleicht doch ein (etwas abruptes) Happy-End steht.

Selbstbespiegelung

Was man sieht: Einen überdimensionierten Spiegel in der Arzt-Praxis, ein Bett, diverse verschiebbare Utensilien in den (starken) Traumsequenzen, ein mondänes Büro und jede Menge hochklassige, an Sigmund Freud gemahnende Fantasy-Szenen. Regisseur Matthias Davids, sein Bühnenbildner Hans Kudlich, Kostümbildnerin Susanne Hubrich und Choreograf Florian Hurler haben ganze Arbeit geleistet, um diese Rarität zu einer großen Show zu machen. Diese theatralische Selbstbespiegelung gelingt perfekt. Kompliment!

Auch dank eines erstklassigen Ensembles. So gibt Julia Koci eine glaubhafte Liza Elliott, die nicht nur bei Hits wie „Die Saga von Jenny“ oder „Mein Schiff“ – im Haus am Gürtel wird auf Deutsch gesungen – glänzen kann. Koci ist auch darstellerisch überzeugend. Absoluter Star des Abends ist allerdings Jakob Semotan, der in diversen Rollen brilliert und seinen Song „Tschaikowsky“ wie ein echter Rockstar präsentiert.

Die „Herren der Schöpfung“ sind mit Axel Herrig als Lizas Geliebter Kendall Nesbitt, Ben Connor als ebenfalls kurzfristig geliebter Cowboy-Filmstar Randy Curtis sowie Christian Graf als anfänglich gar nicht geliebter Charley Johnson tadellos besetzt. Und Robert Meyer könnte im Zweitberuf tatsächlich noch Psychoanalytiker werden.

Dazu kommen Ursula Pfitzner, Johanna Arrouas, Marie-Christiane Nishimwe und Regula Rosin, die ihre Partien perfekt ausfüllen. Erfreulich auch der Chor und die Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts. Am Pult des (wenn möglich) groß aufspielenden Orchester waltet mit James Holmes ein Weill-Spezialist souverän seines Amtes.

 

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