Lady Gaga mit ihrer „Artpop Ball“-Show: Etwas weniger Theater, mehr Fokus auf die Musik. Das funktionierte in Wien nur bei den Welt-Hits von früher.

© WireImage/Kevin Mazur

Wien-Konzert
11/03/2014

Lady Gaga brach erst im Solo-Teil das Eis

Lady Gaga zeigte ihre Poptheater-Show "Artpop Ball" in der Wiener Stadthalle.

von Brigitte Schokarth

Eiszapfen rund um das Piano auf der kleinen Bühne rechts vorne. Hütten und Kuppeln wie aus Eis als Standorte für die Musiker auf der Hauptbühne. Irgendwann später während ihres Konzertes in der Wiener Stadthalle wird Lady Gaga erklären, dass Eis von Mutter Natur geschaffen wird, deshalb Kunst ist und zum Thema passt.

Aber zu Beginn sind diese Kulissen der "Artrave: The Artpop Ball-Show" nur das, was sie sind: Künstlich und kalt in der Atmosphäre, die sie ausstrahlen. Daran ändert auch nichts, dass gleich zu Beginn der Show 14 Tänzer mit zuckerlbunten Luftballons herumhopsen und Lady Gaga mit goldenen Flügeln am Rücken aus dem Boden steigt. Beim ersten Akt des fünfteiligen Pop-Spektakels bleibt die Stimmung freundlich – aber auch etwas kühl.

Irgendwie war das schon vorher zu spüren: Während die Fans vor zwei Jahren in der Pause nach dem Support-Act jeden Roadie bejubelten, der die Bühne kehrte, blieb es dabei diesmal ruhig im Publikum. Nachdem das dritte Album "Artpop" keine Welthits mehr lieferte, scheint die Masseneuphorie um die Lady abgeebbt, die Vorfreude auf das Konzert nicht so brennend zu sein.

Viel Farbe

Anno 2014 ist auch ein etwas anderes Publikum in die Stadthalle gekommen. Weniger spitz kreischende Teenies sind da, dafür mehr Twens – wohl neugierig auf das Phänomen. Ein kleines bisschen hat sich Gaga auf die etwas ältere Zuhörerschaft eingestellt: Es gibt keine Schlösser, keine haushohen Monster und Pferde mehr auf der Bühne. Nur mehr viele Tänzer, viel Farbe, viele Kostüme.

Doch dieses "Weg vom Kindertheater, hin zur Illustration der Musik" funktioniert bei den neuen Songs, die Gaga zu Beginn spielt, nicht so ganz – obwohl bei "Donatella" und "G.U.Y." die Disco-Beats auch nicht langsamer stampfen als früher, die Melodien nicht so viel schlechter sind als bei Gagas Welthits. Zum Glück gibt es bei "Venus" mit aufblasbaren Bäumen doch wieder einiges zu schauen. Denn zu spüren ist – noch – recht wenig.

Und das, obwohl Lady Gaga einmal mehr sehr um die Fans bemüht ist: Sie kreischt "Vienna, hands up in the air", singt auch während sie mit ihrem Ensemble Choreografien tanzt viele Passagen live. Und sie rutscht auf den Knien, um die Hände der Fans zu schütteln, schiebt wie immer kurze Reden über die Wichtigkeit der Individualität, der Toleranz und der Liebe ein.

Auch wenn "Paparazzi" so zum ersten Höhepunkt wird, ist es doch erst der Akustik-Teil, der in der Stadthalle das Eis bricht. Lady Gaga stimmt solo und ungeplant eine Coverversion von "What’s Up" (von den 4 Non Blondes von 1992) an.

Passioniert

Wow, das überrascht. Und überzeugt. Denn einmal mehr zeigt sie so, was für eine passionierte, talentierte Performerin sie ist: Ihr Klavier, ihre kraftvolle Stimme, ein paar Bandmitglieder und Songs wie "Born This Way" und "Dope" – das ist eine Gleichung, die jedes Mal Gänsehaut ergibt! Dazu liest Gaga einen Fanbrief vor, holt den Schreiber und seinen Freund auf die Bühne. Das lässt keinen kalt.

So steigt die Stimmung doch noch auf ausgelassene Party, als das Treiben danach wieder zu den Disco-Beats zurückkehrt und Gaga sich zu "Sexxx Dreams" auf einem roten Sofa wälzt. Ab "Bad Romance" ist der Rest der übliche Triumphzug.

Trotzdem bleibt wie nach jedem Lady-Gaga-Konzert die Frage: Warum versteckt sie ihre Songs so oft hinter steriler, herkömmlicher Pop-Produktion? Warum versteckt sie sich hinter Kostümen, die wie Ritterrüstungen wirken? Denn erst ohne all das entwickelt sie eine individuelle Strahlkraft, die unter die Haut geht.

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