"La Boum"-Regisseur Pinoteau im Interview

Die Teenies von heute sind von Vic (Sophie Marceau) noch so fasziniert wie die Kids der 80er. Die leiden heute mehr mit Papa Claude Brasseur mit.

Was haben "La Boum" und Jean Cocteau gemeinsam? Claude Pinoteau. Er lernte das Filmemachen beim großen Surrealisten.


Dieses Gefühl. Es fühlt sich nicht an, als wäre es gestern gewesen. Es ist, als wäre es heute Früh gewesen." Der heute 86-jährige "La Boum"-Regisseur Claude Pinoteau spricht von der ersten Liebe. Warum die Geschichte von Vic und Mathieu nicht nur die heute Vierzigjährigen geprägt hat. Anfang der Achtzigerjahre hat man mit ihnen mitgefiebert. "La Boum" ist auch dreißig Jahre später noch gültig, die Entdeckung der ersten Liebe fasziniert auch die Teenies von heute. Weil die Herzen 13-Jähriger 2011 genauso ungestüm schlagen wie 1980.

Und wie 1939. "Ich war 14, ich war verliebt in Christiane. Wenn ich sie besuchte, lief ich die Treppen zu ihrer Wohnung so schnell hinauf, dass ich vor der Tür warten musste, bis mein Herzschlag sich beruhigt hatte." Claude Pinoteau erzählte dem KURIER, warum es ihm nicht auf die Nerven geht, wenn er immer wieder auf die Clique rund um "Vic" angesprochen wird: "Besser, man ist für einen Film bekannt als gar nicht."

Die Teenies von heute sind von Vic (Sophie Marceau) noch so fasziniert wie die Kids der 80er. Die leiden heute mehr mit Papa Claude Brasseur mit. Die Teenies von heute sind von Vic (Sophie Marceau) noch so fasziniert wie die Kids der 80er. Die leiden heute mehr mit Papa Claude Brasseur mit.

Obwohl er einiges mehr zu berichten hat: Anlässlich einer großen Jean-Cocteau-Schau im französischen Kulturinstitut (sie dauert noch bis 25. Juni) war Pinoteau zu Gast in Wien, um über seine Anfänge im Filmgeschäft beim Großmeister des Surrealismus zu sprechen.
Zunächst als "Mädchen für alles" - "ich musste Katzen, Pistolen und Spinnweben besorgen" , unter anderem für den Film "La Belle et la Bête", avancierte er 1949 zum Regieassistenten Jean Cocteaus und arbeitete maßgeblich am Orpheus-Drama "Orphée" mit Jean Marais in der Hauptrolle mit. "Wissen Sie noch, diese Handschuhe, die sich scheinbar ganz von alleine bewegen? Ich habe dafür literweise Quecksilber besorgt!" Pinoteau, umsichtiger Erzähler großer Gefühle, spricht gerne von technischen Details, er nennt sich selbst bescheiden einen "einfachen Techniker".

So viele Erinnerungen, nach so langer Zeit? "Wissen Sie, mit dem Alter erinnert man sich besser an Dinge, die vor sechzig Jahren passiert sind, als an die von vorgestern."
Unlängst hat er "La Boum" wieder gesehen. "Es passt noch." Er war in Moskau, um über Cocteau zu sprechen - "da kamen die Teenies, um Autogramme zu ,La Boum` zu holen. Ich habe so viele andere Filme gemacht und dafür Preise bekommen, ,Die Ohrfeige` mit Annie Girardot etwa. Aber ,La Boum` ist wohl mein Schicksal. Wir haben damals auch viel Herz in den Film gesteckt."

Was Cocteau dazu gesagt hätte? "Ach, es hätte ihn amüsiert. Obwohl das natürlich ganz und gar nicht sein Stil war. Ich habe ja manchmal Lust, eine gewisse Naivität zu preisen. Ich war oft und heftig verliebt in meinem Leben."

Pinoteau ist im Filmgeschäft aufgewachsen, sein Vater Lucien Pinoteau war einer der berühmtesten Filmemacher seiner Zeit. Was er vom heutigen Filmgeschäft hält? "Es freut mich nicht mehr. Es gibt zu viele Filme. Man hat keine Zeit mehr. Es gibt leider auch nicht mehr die Filmduos von früher, wie jenes von Regisseur Marcel Carné und dem Dichter Jacques Prévert."
"Ich habe heute andere Dinge zu tun. Ich warte, dass mein Leben mich in aller Ruhe verlässt. Aber ich liebe mein Leben so sehr, dass es zögert, mich zu verlassen."

Filmlegenden:
Claude Pinoteau (geb. 25. 5. 1925) assistierte Regisseuren wie Jean Cocteau, René Clément, Jean-Pierre Melville, Max Ophüls. 1973 inszenierte Pinoteau den ersten eigenen Film, "Ich - Die Nummer eins" mit Lino Ventura. 1980 inszenierte er "La Boum", 1982 "La Boum 2". Zuletzt drehte Pinoteau 2000 den TV-Mehrteiler "Das blaue Fahrrad" mit Laetitia Casta.

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