Kultur
15.11.2018

Kylie Minogue in Wien: Ein goldenes Pop-Musical

Die kleine große Popqueen präsentierte sich im Wiener Gasometer als frisch verliebtes Show-Cowgirl. Ein Musical in mehreren Akten.

Die gute Nachricht zuerst: Kylie Minogue ist wieder glücklich. Die Liebe hat sie wieder. Sie ist zwar noch frisch, wie die Freunde von „Brigitte“ und Follower diverser Tratschseiten im Internet bereits wissen, aber es schaut gut aus. Denn der 50-Jährigen Sängerin gehe es an der Seite ihres neuen Lovers fabelhaft. Sie sei überglücklich, wird sie zitiert. Ja, wer hätte das vor eineinhalb Jahren gedacht, als sie am Ende war, im Regen stand - verlassen von ihrem 30-Jährigen Schönling alias Verlobten.

Aber was hat das alles mit ihrer Musik zu tun, mit ihrem Konzert, das sie am Mittwochabend im Wiener  Gasometer gespielt hat? Na, so einiges. Denn ihr neues Album „Golden“, das sie gerade auf Tour bewirbt, ist mehr oder weniger das Ergebnis dieser Trennung. Es markiert zugleich ihren Imagewechsel: Kylie Minogue als frisch gereifte Country- und Western-Sängerin von nebenan mit der man Pferde stehlen kann. Soll sein.

Fake
Die 152 Zentimeter kleine große Popsängerin verkauft ihre glitzernden Popsongs also neuerdings unter dem Deckmantel "Country". Nun ja. Das ist zwar Etikettenschwindel, also "Fake-Musik", wie Donald Trump twittern würde, aber auch nicht weiter schlimm. Denn im Pop geht es um Entertainment, um Show, ums Täuschen und Tarnen. Realität interessiert da keinen. 

Und so betritt Kyle Minogue im Gasometer auch über den aufgebauten Heustall inklusive Glitzertür die Bühne. Dort warten schon die Rhythmuskapelle und die als Cowboys und Cowgirls verkleideten Tänzer und Tänzerinnen, die ihre Chefin bei aufgehender Sonne gut gelaunt begrüßen. Was fehlt sind die Kühe und die Heuballen. Dafür gibt es Songs.

Der Anfang macht der Titelsong des neuen Albums: „Golden“. Eine  gefällige Nummer, mit der man gut in den Abend reinkommt, der Tontechniker den Sound noch mal checken kann.  Auf der Videowand im Hintergrund fährt ein Auto durch die endlosen Weiten zwischen New Mexico und Kentucky. Die Telefonzellen sind verlassen, in den Bars hängen harte Typen mit fiesen Schnauzern ab. Und mittendrin: Kylie Minogue, die gut gelaunt dem Publikum zuprostet: Prost!

Nach drei Songs gibt den ersten Kostümwechsel. Eine Videoeinspielung, eine paar Tanzeinlagen der mehrköpfigen Tanzcrew, ein paar Solos der umsichtig agierenden Live-Band und schon ist Kylie Minogue umgezogen. Zweieinhalb Minuten, mehr Zeit braucht sie nicht, um noch besser auszusehen als zuvor. Und das mit – ähm – heißen 50.

Dance with me
Im weißen Jumpsuit beschenkt sie einen Besucher mit einer Rose, dazu stimmt sie "Where The Wild Roses Grow" kurz an, um anschließend „Shelby 68“, den Ford Mustang ihres Vaters, zu besingen. Nach dem Hit „Can't Get You Out of My Head“ geht’s erneut via Stalltür in die Umkleidekabine, wo schon das Lederoutfit auf sie wartet. Zu den neu arrangierten Tönen von „Slow“ (Die Band arbeitet „Being Boiled" von The Human League in den Song ein) betritt sie die Bühne: „Slow down and dance with me, yeah!“ wird ins Mikro gehaucht. Sex liegt in der Luft. Huch! Dazu trägt sie ein passendes T-Shirt mit dem Schriftzug „The Lovers United“.

Das Konzert ist eigentlich ein Musical über Kylie Minogue, im dem Kylie Minogue sich selber spielt.

Studio 54
Das Repertoire der australischen Wahl-Londonerin und Grammy-Gewinnerin umfasst mittlerweile 14 Alben. Da ist für alle etwas dabei. Etwa Robbie Williams' "Kids" oder Jason Donovans "Especially For You". Zwei herrlich schmusige Balladen: Die herzen schlagen höher. Kylie singt jetzt especially für uns. Es wird gekuschelt - auf der Bühne, im Publikum. Zu „Stop Me From Falling“ regnet es Blätter, der Winter naht – dazu trägt sie einen karierten Rock, den sie danach gegen ein natürlich goldenes Glitzerkleid tauscht.

Ab nach New York – ins berühmt-berüchtigte Studio 54: Discotime, Baby! Die Konfettidichte erhöht sich, der Bass schiebt nach vorne und die Gitarre funkt sich den Weg durch die aufgeheizte Menge, die beim Hit „Loco-Motion“ selbst die Hüften schwingt. Eine Ü30-Party im Gasometer. Yeah!

Im Zugabe-Block geht es mit „Dancing“ weiter - und zu Ende. Kylie Minogue würde locker weitertanzen können. Sie ist topfit. Es fällt auch kein Vorhang, so etwas gibt es im Gasometer nicht. Egal. Nach zwei Stunden ist die Zeitreise durch Kylie Minogues Karriere beendet. Ein besseres Pop-Musical wird man heuer, länger nicht mehr sehen. Erstaunlich, dass sich das nicht mehr, also nur 2500 Menschen ansehen wollten.