Burgtheater Wien

© Burgtheater/Georg Soulek

Kultur
11/01/2020

Kusej: "Wir müssen die Rechnung für einige Dummköpfe begleichen"

Die Direktoren der Bundestheater zeigen Verständnis für die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung - oder auch nicht.

von Thomas Trenkler

Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheaterholding, meinte am Samstag gegenüber dem KURIER und auch gegenüber der APA, dass der von der Bundesregierung verhängte Lockdown „aus Sicht der Bundestheater nachvollziehbar“ sei. Denn, so Kircher: „Die Verbreitung der Pandemie ist nicht kontrollierbar - das müssen wir zur Kenntnis nehmen.“ Angesichts der steigenden Infektionszahlen wäre es nur eine Frage der Zeit, „wann es auch im Theaterbereich vermehrt zu Fällen kommen würde. Wir müssen uns der Realität stellen, dass es ein übergeordnetes Interesse gibt: die Gesundheit der Bevölkerung.“

Die Direktoren der Bundestheater sehen die Situation weniger entspannt. Burg-Chef Martin Kušej meinte in einer Stellungnahme an die Abonnenten, dass „bei allem Verständnis für gewisse Regelungen“ die erneuten Schließungen „für die Kultur eine echte Katastrophe“ seien. Zum Schutz des Publikums habe man ein strenges Präventionskonzept umgesetzt. „Uns ist keine Ansteckung in unserem Publikum bekannt.“ Der Schließung der Theater scheine daher, so Kušejs Schlußfolgerung, „eine rein symbolische Bedeutung zuzukommen“. Denn auf einem erhöhten Ansteckungsrisiko könne sie nicht beruhen. „Es ist ärgerlich, dass wir alle die Rechnung begleichen müssen, die einige Dummköpfe, Corona-Leugner und Maskenverweigerer für uns und die ganze übrige Gesellschaft aufgemacht haben.“

 

Staatsoperndirektor Bogdan Roščić wollte sich gegenüber der APA nicht dazu äußern, ob er den Lockdown im Kulturbereich für gerechtfertigt halte: „Wir sind weit entfernt von einem Zustand, in dem man sich über diese oder jene Maßnahme ereifern könnte. Fiele mir auch schwer in einem Land, wo manche Theaterkritiker es für ihre Aufgabe halten, eine Schließung der Theater herbeizuschreiben.“

Seit Saisonbeginn Anfang September seien jeden Abend über 1.000 Menschen in der Staatsoper gewesen: „Trotz der Nachrichtenlage waren wir oft ausverkauft“, die durchschnittliche Auslastung hätte – bei eingeschränkter Sitzplatzkapazität – 95 Prozent betragen: „Ohne Abonnenten, ohne Touristen... Das hat es nirgendwo sonst gegeben, und es zeigt die Liebe dieser Stadt zu ihrer Oper. Die Sicherheit des Publikums war gewahrt, das haben wir über zwei Monate mit fast 50.000 Besuchern einfach ganz klar demonstriert.“

Für Kušej wie für Roščić gilt: „Wir werden im November weiterproben und zum ehestmöglichen Zeitpunkt wieder zu spielen beginnen.“

 

Beide sprechen auch die Situation der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler an: Laut Kušej sei diese „äußerst existenzgefährdend“, denn „eine umfassende konkrete Hilfe“ seit dem ersten Lockdown „massiv vermisst“ worden. „Umso drängender die Frage danach unmittelbar jetzt. Diese Hilfe ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern vor allem eine Frage der Wertschätzung.“

Roščić rief in Erinnerung, dass die Wiener Staatsoper für abgesagte Vorstellungen im Frühjahr Abschlagszahlungen an freischaffende Künstler geleistet hat. „Das war nur möglich, weil unser Eigentümer, die Republik Österreich, uns dazu autorisiert hat. Ich fand diese Maßnahme damals fair und angemessen und finde das auch jetzt. Ohne die Freien, und das inkludiert nicht nur sogenannte Stars, gibt es keine Staatsoper. Wir werden daher mit dem Eigentümer auch diesmal das Gespräch suchen.“

Franz Patay ist enttäuscht

Franz Patay, Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und Präsident des Wiener Bühnenvereins, zeigte sich am Sonntag von der Entscheidung enttäuscht. Er argumentiert wie Kušej und Roščić: „Mir ist im Kulturbereich kein Cluster im Publikum bekannt.“

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