Kultur
06.07.2017

Kulturwahlkampf unterm Himmelszelt

Trenklers Tratsch.Thomas Drozda lud zum Open House. Gerüchteweise ist ein neuer Staatspreis geplant.

War es bereits das Abschiedsfest? Oder eher eine Wahlveranstaltung? Nicht im Bierzelt, aber unterm Himmelszelt: Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) lud am Dienstag zum Open House in den Innenhof des Palais Dietrichstein ein, der, wäre er aus Stoff, aus allen Nähten geplatzt wäre. Sein Team würde, sagte Drozda, sehr gern weitermachen. Als Programm kündigte er alte Dauerbrenner an: Vierjahresverträge und die automatisierte Inflationsabgeltung – über die sich besonders die Gewerkschaft freuen dürfte, da damit die Position der kaufmännischen Geschäftsführer in den Lohnverhandlungen geschwächt würde.

Zur Überraschung mancher verzichtete Drozda auf die anstehende Bekanntgabe eines neuen Staatspreises – explizit für Kunstkritik. Das Modell wäre durchaus ausbaufähig: Ihr Tratsch-Partner regt auch Staatspreise für Theaterkritik, Filmkritik und Populärkulturkritik an.

Jürgen Meindl, zuletzt Botschafter in Brüssel, stellte sich (an seinem zweiten Arbeitstag) als neuer Leiter der Kunst- und Kultursektion vor: Er war Drozdas Wunschkandidat – und nun droht eine unerquickliche Situation wie im Jahr 2000, als Franz Morak (ÖVP) für die Kunst zuständig wurde: Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der damalige Sektionsleiter, hatte es nicht gerade leicht mit dem Ex-Psycho-Punker und Burgtheater-Schauspieler.

Eifrig diskutiertes Small-Talk-Thema war das Fotomuseum, das sich Kanzler Christian Kern (SPÖ) wünscht: Vor der Nationalratswahl am 15. Oktober soll das erst noch zu verfassende Konzept beschlossen sein. Zudem fragte man sich, warum die Gewerkschaft öffentlicher Dienst das Bildnis Heinz Fischer von Eva Schlegel für die Bundespräsidentengalerie in der Hofburg bezahlt hat. Und man lobte die Bestellung von Martin Kušej zum Burgtheaterdirektor ab 2019.

Auch Wolfgang Zinggl war da. Er hat nach der Abhalfterung der grünen Zugpferde keine Chancen mehr, Kultursprecher zu bleiben. Ob er sich der Bewegung anschließt, die Peter Pilz zu gründen gedenkt? Zinggl zögert. Er habe, sagt er, diverse Jobangebote erhalten.