© Kultursommer/Georg Krewenka

Kultur
03/09/2021

Kulturstadt in Wartestellung: Neuer Kultursommer, Festwochen setzen auf Mai

Das erfolgreiche Wiener „Kultursommer“-Konzept wird fortgesetzt, bis dahin bleibt es schwierig. Keine Festwochen-Verschiebung, aber einzelne Produktionen vielleicht später.

von Georg Leyrer

„Die Ungeduld ist groß“, sagt Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ). Für die Kulturfreunde in der Kulturstadt Wien heißt es aber dennoch: weiter geduldig sein. Eventuell bis zum Sommer.

Normalerweise begegnen in den heißen Ferienmonaten viele Tausende verwunderte Kulturtouristen einer Stadt fast ohne Bühnenaufführungen. Das war vergangenes Jahr, wie alles in der Kultur, anders. Während pandemiebedingt die reguläre Saison jäh abgebrochen wurde (und auch im Herbst nur kurz wieder aufflackerte), stampfte die Stadt einen „Kultursommer“ aus dem Boden. Der war jedenfalls in zwei Bereichen erfolgreich: Das Metier Liveauftritt nicht ganz vergessen sein zu lassen, und die beschäftigungs- und einkommenlosen Künstler und Kulturarbeiter mit Auftrittsmöglichkeiten zu versorgen. Mehr als 50.000 Besucher wurden gezählt.

Einschränkungen

Die Situation ist heuer, leider, für die Kulturschaffenden bisher nicht viel anders. Wann und in welchem Ausmaß der Livebetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist trotz Impfungen und Tests derzeit immer noch unklar.

Nicht zuletzt betreffen die anhaltenden Schließungen auch jene, die hinter den Kulissen oder im Umfeld der Kulturbranche arbeiten – und davon leben.

„Noch ist nicht absehbar, wann das kulturelle Leben, wie man es kennt, wieder in die Stadt zurückkehrt“, heißt es auch vonseiten der Stadtregierung.

Wiener Festwochen sehen Fragezeichen bei Reisemöglichkeiten

2020 mussten etwa die Wiener Festwochen  am regulären Termin (Mai, Juni) absagen und mit einigen Veranstaltungen in den Spätsommer ausweichen. Und heuer? Noch gibt es keinerlei fixen Fahrplan, wann und in welchem Ausmaß Indoor-Veranstaltungen wieder möglich sein werden. Zuletzt war Anfang April im Gespräch; das hat sich inzwischen zerschlagen.

Bei den Wiener Festwochen ist man jedoch „positiv“ gestimmt, im Mai mit Publikum starten zu können – auch wenn es keine konkreten Aussichten gibt, wie viele Besucher man einlassen  können wird. Man plane mit einem Konzept ähnlich  jener Ausgabe, die im  August und September gezeigt wurde – also mit verringerter Publikumsdichte, heißt es auf KURIER-Anfrage.  Auch wenn man hier die Maximalzahl vielleicht erneut reduzieren müsse. Ein großes Fragezeichen seien die Reisemöglichkeiten für die Künstler – Einschränkungen könnten für das internationale Festival eine Herausforderung werden.

Eine generelle Verschiebung der Festwochen wie 2020 steht jedenfalls „nicht im Raum“. Eventuell könnten einzelne Produktionen aber zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt werden.

Theater an der Wien hofft auf "Saul“

Im Theater an der Wien wiederum hofft man „noch immer“, dass „Saul“ in der Regie von Claus Guth Mitte oder Ende April in Vorstellungen mit Publikum gezeigt werden könnte. Sonst verlegen sich auch hier die Hoffnungen auf den Mai, an dessen Anfang ein Gastspiel mit dem Hamburg Ballett  und an dessen Ende das „Tristan Experiment“ in der Kammeroper geplant sind.
Fix aber ist das alles nicht.

Kultursommer geht in die zweite Runde

Der Wiener Kultursommer jedenfalls soll von Anfang Juli bis Mitte August in eine Neuauflage gehen – man geht „davon aus, dass wir auf Grund der Impfungen und Testungen gut unterwegs sind“, sagt Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bezüglich der Realisierung.

2.000 Kunstschaffende in 1.000 Auftritten auf 40 Bühnen und Locations über die Stadt verteilt sollen es werden; wieder Open Air, um das Virus in Schach zu halten. Das Budget wurde von vier auf sechs Mio. Euro aufgestockt. Die Acts können sich bis Ende März bewerben.

Es soll nun verstärkt Programm für sehr junge Menschen und jene, die in Pensionistenwohnhäusern leben, geben. Denn Erstere haben im vergangenen Jahr besonders gelitten, betont Ludwig. Und Zweitere waren „besonders limitiert im Ausgang“.

Geplant ist auch eine eigene Clubschiene. Die Orte der Nachtkultur sind nun schon seit mehr als einem Jahr geschlossen. Der Obmann des Verbandes Österreichischer Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger, sprach nun in einem Ö1-Interview davon, dass ohne Perspektiven und finanzielle Unterstützung 60 bis 70 Prozent der nachtgastronomischen Betriebe das Frühjahr 2021 nicht überleben würden.

Beim Kultursommer soll es eine Outdoor-Location geben, an der die Wiener Clubbetreiberinnen und -betreiber nach einem Jahr an stillen Nächten nun wieder aufdrehen können.

Okay, sorry für den Ohrwurm. Aber für die Kulturschaffenden und ihr Publikum verschiebt sich die Hoffnungsperspektive schon enervierend lange immer weiter nach hinten.  Dass im Sommer wieder so manches stattfinden wird können (Helga Rabl-Stadler  wird auch diesen Festspielsommer retten!), ist derzeit die belastbarste Perspektive. Gute Aussichten für Kulturschaffende ohne Engagement, für Bühnenarbeiter ohne Job, für Publikum ohne Vorfreude.

Die Sommer-Perspektive hat aber einen Unterton, den man mittlerweile noch weniger gerne hört als aufdringliche Schlager aus dem Jahre Schnee: dass bis dahin nämlich alle Planungen auf dem überall herumliegenden Virus ausrutschen können. Diese Stadt ist ohne Bühnen-, und auch ohne Clubkultur eine andere. Höchste Zeit, dass zumindest in dieser Hinsicht das alte Wien zurückkommt.

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