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Kultur
04/23/2020

Kultur-Neustart: Kleine Sommerfestivals wollen leere Räume flexibel füllen

Der Kultur fehlen klare Direktiven, klagen Künstler und Veranstalter kleiner Sommerfestivals. Was sie anbieten.

von Georg Leyrer, Werner Rosenberger

Die Politik hat bisher auf Experten aus der Praxis verzichtet. Aber die Zeit drängt. Eine Branche in Not ruft Hilfe: Kunst und Kultur brauchen rasch klare Regelungen.

So richteten am Mittwoch hunderte heimische Kulturschaffende einen Appell an die Kulturpolitik: Diese möge „endlich definitive Zeitpunkte und klare Kriterien und Zielsetzungen für die Wiederzulassung der Kunst- und Kulturaktivitäten bekannt zu geben“, forderten Unterzeichner wie Radek Knapp, Karl Markovics, Cornelius Obonya oder Chris Lohner.

„Vielfalt“

Aber auch abseits dieses Appells gibt es Wortmeldungen, die zwischen Kritik und Hilferuf liegen. Stellvertretend für viele Veranstalter fordert Florian Krumpöck, Intendant des Kultursommer-Semmering-Festivals, Sonderregeln von der Politik und kritisiert das Kulturkrisen-Management der Bundesregierung: „Die gesamte Vielfalt der Sommerfestivals, von denen durch die Corona-Krise wohl einige – wirtschaftlich bedingt – in ihrer Existenz bedroht sind, steht auf dem Spiel. Aber die Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek hat bisher keine adäquaten Ideen- oder Lösungsansätze geboten.“

Es gehe jetzt darum, dass die Veranstalter und Theaterleute „konkrete Vorschläge machen, weil von der Politik keine konkreten Vorschläge kommen“. Denn die Politik habe wie es scheint ohne ein Expertenteam, das aus der Praxis kommt, zwar theoretisch „unter Verwendung völlig falscher und geradezu peinlicher Fach-Termini“ Ensemble-Proben ab 1. Juli zugelassen. Aber „solange 20 Quadratmeter pro Person und die Ein-Meter-Abstandsregel für die Kultur weiter bestehen“, so Krumpöck zum KURIER, „sind Proben in einem Ensemble absolut unmöglich. So geht’s bitte nicht. Ohne Proben gibt es auch im Herbst keine Bundestheater.“

Akuter Entscheidungs- und Handlungsbedarf für den Sommer besteht auch noch für die kleineren Kulturfestivals mit bis zu 250 Besuchern: „Es kann ja nicht sein, dass man die Grenzen für den Tourismus aus Deutschland öffnen will, und dadurch natürlich ein höheres Risiko eingeht, und gleichzeitig die komplette heimische Kultur sterben lässt. Der Tourismus hat in Elisabeth Köstinger offensichtlich eine starke Interessensvertreterin, die Kultur würde sich das von Ulrike Lunacek ebenfalls wünschen.“

Und die Verhältnismäßigkeit des Risikos sei neu einzuschätzen: „Wenn einer, der ansteckend ist, im Saal bei Konzert und Theater neben einem sitzt“, so Krumpöck, „dann kann der auch in der U-Bahn neben einem sitzen, im Supermarkt zum Apfel greifen oder als schwitzender Jogger an einem vorbeirennen. Aber das Infektionsrisiko ist sicher bei einer Kleinveranstaltung geringer als beim Donauinselfest.“

„In allen Krisen der Geschichte haben sich die Menschen durch Kunst und Kultur artikuliert und mitgeteilt.“ Und einige Festivals wie Schubertiade, Kittsee oder Semmering sind trotz teilweisen Verschiebungen noch hoffnungsfroh.

Mundschutz sei kein Problem. Das Pausenmanagement sicher neu zu überdenken. Aber auch sonst ließe sich vieles organisatorisch den Erfordernissen und Bedürfnissen anpassen.

Die „,Kleinen’ können „flexibel reagieren, weil sie organisatorisch schlank aufgebaut und daher wendig sind“, betont auch Robert Lehrbaumer, Leiter u.a. der Halbturner Schlosskonzerte in einem Schreiben an die Regierung. „Die kleinen Veranstalter sind prädestiniert dazu Vorreiter zu sein, und als Gradmesser dafür zu dienen, wie man die Öffnung des Kulturlebens behutsam Schritt für Schritt voranbringen kann.“

Dies werde auch für die psychische Gesundheit und die Lebensfreude der Menschen immer mehr Thema.

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