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Kultur
06/26/2019

Künstliche Intelligenz: Alexa, beschimpfe den Kundendienst!

Die Schau „Uncanny Values“ stellt Ethikfragen an intelligente Maschinen: Dürfen sie fluchen oder Landstriche umpflügen?

An der kleinen, blau umrandeten Box lassen sich Parameter wie „Humor“ und „Höflichkeit“ mit Drehknöpfen einstellen. Was passiert, wenn man sie zurückschraubt, zeigt ein Kurzfilm: Der Apparat führt dann ein Reklamationsgespräch mit einem Telefon-Kundendienst und beginnt, die Person am anderen Ende der Leitung wüst zu beschimpfen.

Der „Prototyp“ des intelligenten Assistenten, den die Gruppe Superflux in der Schau „Uncanny Values – Künstliche Intelligenz & Du“ (bis 6.10.) im Wiener MAK zeigt, ist eine Fiktion. Doch führt das witzige Ding an Fragen heran, die in der Durchsetzung unseres Lebens mit künstlicher Intelligenz (AI) relevant sind: Wie weit lässt sich menschliches Verhalten delegieren, welche Fehler sind möglich, welche Regeln muss es geben?

Um diese Debatte kreist die „Vienna Biennale 2019“, in deren Rahmen die von Marlies Wirth und Paul Feigelfeld kuratierte Schau stattfindet. „Uncanny Values“ ist dabei jener Beitrag, der explizit auf den Input der Kunst baut, um technische Entwicklungen weiterzudenken oder auf den Kopf zu stellen.

Da ist etwa die Installation „Asunder“, die auf einem Videoscreen vorführt, wie eine künstliche Intelligenz die Umwelt „optimieren“ könnte – allerdings ohne Rücksicht auf den Verlust ganzer Stadtteile oder Landstriche.

Computer-Imagination

Die Porträtmasken, vor denen die meisten Besucher Selfies machen, sind das Ergebnis des Versuchs, aus DNA-Proben der Whistleblowerin Chelsea Manning eine Art 3-D-Phantombild zu extrahieren. Der stets hautnah an den Themen der Zeit agierende Trevor Paglen zeigt ein Video, auf dem Fotos in einem Raster rasant ablaufen: Es ist eine Tour de Force durch eine Datenbank von Referenz-Bildern, mit denen Computern das Sehen beigebracht werden soll.

Wie viele Präsentationen im Spannungsfeld von Kunst, Medien und Technik – Hallo, Ars Electronica! – schrammt auch „Uncanny Values“ mit solchen Werken an das Problem, dass komplexe Prozesse in Künstlerhand nicht automatisch anschaulich werden. Eine zweite Schiene der Schau vermittelt daher Basiswissen zur künstlichen Intelligenz, mit Posters und Exponaten wie dem frühen Sprachcomputer „ELIZA“: All jene, denen die Kunst zu steil ist, können noch immer hier andocken.