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Kultur
03/30/2020

Krzysztof Penderecki: Einer, der Menschlichkeit auch in Musik verwandelte

Annäherung an einen Giganten der Musik des 20. Jahrhunderts (1933–2020).

von Peter Jarolin

Gearbeitet hat er fast bis zuletzt. Denn, so Krzysztof Penderecki anlässlich eines seiner runden Geburtstage im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen: „Ich bin noch lange nicht fertig, es gibt noch so viel zu tun.“ Und: „Ich liebe alle meine Werke. Sie sind ja meine Kinder“, so der 1933 im polnischen Debica geborene Komponist, der stets an mehreren Werken gleichzeitig tüftelte.

Viele Kinder

Ja: Krzysztof Penderecki hat bis zu seinem Tod am vergangenen Sonntag in Krakau sehr vielen „Kindern“ das musikalische Leben geschenkt und ist sich dabei immer treu geblieben. Anfangs mit Stücken wie etwa „Anaklasis für 42 Streichinstrumente“ (1960, Donaueschinger Musiktage) noch der damaligen Avantgarde verpflichtet, fand der Humanist und Mahner bald zu seinem ganz eigenen Stil. Penderecki fühlte sich keiner „Schule“ und keiner Ideologie verpflichtet – nur der Musik und den Menschen. Um die ging es Krzysztof Penderecki nämlich immer.

So ist zum Beispiel „Threnos für 52 Streichinstrumente“ den Toten von Hiroshima gewidmet, so setzt das Klavierkonzert „Resurrection“ den vielen Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 ein Denkmal, so bezieht sich das „Polnische Requiem“ auf die Ermordeten in Auschwitz, den Aufstand im Warschauer Getto, auf den Holocaust. Widmungsträger dieses humanistischen Manifests sind Lech Walesa oder Papst Johannes Paul II. Und die siebente (von insgesamt acht) Symphonien „Seven Gates of Jerusalem“ entstand anlässlich der 3.000-Jahr-Feier Jerusalems. Oder die „Lukas-Passion“ – ein absolutes Schlüsselwerk der Moderne.

Viele Freunde

Doch Penderecki konnte auch anders. So schrieb er vielen Künstlern Werke auf den Leib. Geigerin Anne-Sophie Mutter („Metamorphosen“) gehörte dazu. Oder Cellist Mstislaw Rostropowitsch. Auch der unvergessene Mariss Jansons war einer der Adressaten von Pendereckis Botschaften. Sowie Stargeiger, Bratschist und Dirigent Julian Rachlin.

„Es war eine Ehre, mit diesem einzigartigen Menschen arbeiten zu dürfen“, sagt Rachlin im KURIER-Gespräch. „Wir Interpreten sind nur die Ausführenden. Krzysztof aber war ein Schöpfender“, so Rachlin, der 2000 Pendereckis „Sextett“ und 2012 das „Konzert für Violine, Viola und Orchester“ im Wiener Musikverein (mit Jansons, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Janine Jansen) zur Uraufführung brachte. „Ich sehe mich daher als Botschafter von Krzysztofs Musik – in all meinen Aktivitäten.“

Aktiv wurde übrigens auch Hollywood, das Pendereckis Klänge so höchst effektvoll in Klassikern wie „Der Exorzist“, „Shining“, „Fearless“ oder „Shutter Island“ einsetze. Und die Oper? Auch auf diesem Gebiet war Penderecki erfolgreich. Doch das letzte Projekt – „Phaedra“ für die Wiener Staatsoper – ließ sich nicht mehr realisieren. Dafür durfte Penderecki noch eines erleben: Erst Anfang März dieses Jahres konnte er seine zweite Frau Elzbieta nach 55 gemeinsamen Jahren in einer kleinen Zeremonie kirchlich ehelichen. Der letzte Triumph eines Giganten.

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