© Werner Kmetitsch

Kultur
01/21/2020

Kritiken: Unruhige See bei "Lohengrin", ein Beethoven-Triumph

Und ein Musical-Klassiker über das Glücksspiel in Graz: Die KURIER-Kritiken.

„Lohengrin“-Spielserie  in Wien: Beczala-Triumph trotz Schwierigkeiten

Leicht hatte es Piotr Beczala bei seinem ersten Auftritt als Richard Wagners Lohengrin an der Wiener Staatsoper nicht: die erste Vorstellung musste er wegen einer Erkältung absagen, bei der zweiten ließ er sich noch ansagen, jedoch ohne Grund, bei der dritten kam der Dirigent Valery Gergiev zu spät (siehe links) und in der letzten konfrontierte ihn, dessen Einspringer, Christian Güttler, am Pult mit einer gänzlich anderen Lesart.

Nichts konnte Beczala etwas anhaben.

Auch nicht Andreas Homokis Inszenierung, die das Geschehen in ein Wirtshaus, Plastikschwan inklusive, verlegt. Auch in der Lederhose war er, was er sang, ein Ritter.

Christian Thielemann hatte den polnischen Tenor als Schwanenritter nach Dresden und Bayreuth geholt. Warum, konnte man nun Wien erleben.

Makellos, virtuos führte er seine edle Stimme, phänomenal sein metallenes Timbre in den Höhen. Atemberaubend gestaltete er die Gralserzählung. Unfassbar, dass da noch eine Steigerung möglich war, aber sie war es, wie er in der letzten Aufführung der Spielserie demonstrierte.

Die schwedische Sopranistin Cornelia Beskow war ihm eine spielfreudige, stimmlich aber sehr ausbaufähige Elsa. Linda Watson, die zur Kammersängerin ernannt wurde, war eine eher zahme Ortrud. Egils Sillins ein solider Telramund. Ain Anger und Boaz Daniel komplettieren als König Heinrich und Heerrufer achtbar. Der Staatsopernchor agierte bewährt. Gergiev sorgte in den ersten Aufführungen mit Ausdruck für flirrenden Zauber und Rasanz, Güttler legte seinen Akzent auf Lyrik und Transparenz. Das Staatsopernorchester konnte unter beiden seine Qualitäten ausspielen. 

Susanne Zobl

 

Musical-Klassiker über das  Glücksspiel


Für Führungskräfte und Mitarbeiter von Glücksspielfirmen wäre ein Betriebsausflug zur Oper Graz zu empfehlen.

Gegeben wird „Guys And Dolls“, ein amerikanisches Musical über das Glücksspiel. Besser gesagt, wie Liebe die Spielsucht besiegen kann – ja, wenn die Realität nicht ganz anders wäre!

Vor siebzig Jahren komponierte Frank Loesser sein Werk „Guys And Dolls“, das auf Anhieb in die Annalen der populärsten und erfolgreichsten Musicals aufgenommen wurde. Die literarische Vorlage waren die Kurzgeschichten von Damon Runyon über den Broadway der Fünfzigerjahre und sein zwielichtiges Personal.

Songs wie „I Have Never Been In Love Before“, „Guys And Dolls“, „Luck Be A Lady“,“ „Sit Down, You’re Rockin’ The Boat“ sind längst in den klassischen Kanon ihres Genres avanciert.
Be-SwingtUnd nicht nur dort. Frank Sinatra, Bing Crosby, Dean Martin und Sammy Davies jr. haben ein exzellentes Swing Album eingesungen. Die Verfilmung 1955 von Joseph L. Mankiewicz mit Frank Sinatra, Marlon Brando und Joan Simmons war weniger erfolgreich.

Für Sammler sei die Einspielung einer „Wiener Fassung“ aus dem Metropol 1997 mit Hansi Lang, Hanno Pöschl und Karlheinz Hackl empfohlen, ist aber sehr rar.

Zurück nach Graz.

Dem Opernhaus gelingt es immer wieder, hochwertige Musicalinszenierungen zu produzieren. „Guys And Dolls“ ist so ein Fall. Ein Abend, den man so bald nicht vergessen wird.
 Henry Mason führte eine umsichtige, präzise Regie und kann mit Schauspielern gut arbeiten, jedenfalls große Spielfreude initiieren. Das Bühnenbild von Hans Kudlich ist praktikabel, das Lichtdesign von Guido Petzold ideenreich. Besonders beeindruckend ist jedoch die dynamische, facettenreiche  Choreografie von Francesc Abós.

Mit dem Engagement von Bettina Mönch (Miss Adalaide) hat das Opernhaus Graz einen Volltreffer gelandet. Diese junge Dame ist bereits jetzt in der ersten Liga des musikalischen Unterhaltungstheaters. Im Ronacher spielte sie in „The Producers“ und in der Volksoper „Axel an der Himmelstür“ und „Cabaret“. Und sie wird besser und besser … Wer weiß, was da noch kommt?

Auf Christof Messmer (Sky Masterson) kann man sich immer verlassen.

Die Entdeckung des Abends heißt Christoph Scheeben (Nicely-Nicely), mit jeder Geste ein Vollblutkomiker.

Ein sehr vergnüglicher, amüsanter Abend. Markus Spiegel

 

Hommage an den Meister: Jewegnij Kissin feierte Beethoven

Atemberaubende Läufe, brillante Rasanz, tiefste Innigkeit – Jewegnij Kissin widmete sein Rezital im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins dem Jahresregenten Ludwig van Beethoven. Ein Abend virtuoser Superlative!

Von der „Pathétique“ bis zu „Waldstein-Sonate“ hielt er den Bogen gespannt. Beethoven und Kissin – das ist ein vielschichtiges Kapitel im erst 47-jährigen Leben des russischen Pianisten. Zu Ende geschrieben ist es noch lange nicht, wie er aufregend hören ließ, als er immer wieder Neues aus diesen Kompositionen hervorkehrte. 

Kraftvoll hob er das Grave der Sonate in c-Moll, op. 13, an, spielte die Gegensätze deutlich heraus und ließ die Musik atmen. Im zweiten Satz brachte er den Steinway zum Singen und das finale Rondo zum Schweben.

Waghalsig intonierte er die fünfzehn „Eroica-Variationen“ in Es-Dur, op. 35. Fulminant gab er sich den tänzerischen Elementen hin, machte den Schalk und den Konventionen aufbrechenden Revolutionär emphatisch hörbar.

Das war Beethoven pur.

Ein vollkommenes Klangtheater im besten Wortsinn – Beethoven ließ sich bekanntlich von Shakespeares „Sturm“ inspirieren – entfesselte Kissin mit der Sonate in d-Moll, op. 31, Nr. 2. Wie feiner Regen klang der Beginn, träumerisch, verinnerlicht, unfassbar schön der langsame Mittelsatz vor dem dramatischen Finale.

Präzise und aufwühlend lotete er das, dem Grafen Waldstein gewidmete, Opus 53 in C-Dur aus. Stakkati, die fein wie Nadelstiche gesetzt waren, schwindelerregende Tempi und phänomenale Tiefsinnigkeit machten die Sonate Nr. 21 zum Ereignis.

Fast eine halbe Stunde Zugaben und nicht enden wollender Jubel. Susanne Zobl

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