Roadtrip zu einem Familienbegräbnis: Paul Bettany (Mitte) als „Uncle Frank“, mit Sophia Lillis und Peter Macdissi  

© Courtesy of Amazon Studios

Kritik
11/27/2020

Paul Bettany in Coming-out-Drama: Begräbnis mit Geheimnis

In „Uncle Frank“ kommt es zu einem bitteren Coming-out bei einem Familienbegräbnis. Abrufbar auf Amazon Prime

von Alexandra Seibel

Die junge Beth liebt ihren Onkel Frank. Leider kommt er nur selten nach South Carolina und stattet seiner Großfamilie einen Besuch ab. Dort beherrschen auch noch Anfang der 70er Jahre schwere Gottesfurcht und brüllende Väter („Shut up, goddamit!“) das häusliche Leben.

Onkel Frank hat sich nach New York geflüchtet, wo er Literatur unterrichtet. Wenn er zu Hause auftaucht, herrscht schweigende Missbilligung seitens der Restfamilie. Einzig Beth genießt seine Anwesenheit. Nach der High School geht auch sie zum Studium nach New York und stattet dort ihrem Onkel einen Überraschungsbesuch ab.

„Uncle Frank“ ist der zweite Spielfilm von Alan Ball, der für sein Drehbuch zu „American Beauty“ (2000) den Oscar gewann und sich ansonsten als Schöpfer von HBO-Serien wie „Six Feet Under – Gestorben wird immer“ und „True Blood“ profilierte. Selbst in den Südstaaten geboren, verarbeitete Ball für „Uncle Frank“ persönliche Erlebnisse und widmet sich mit Hingabe Franks Seelenqualen, sich als schwuler Mann vor seiner Familie outen zu müssen.

Der Anlass kommt früher, als ihm lieb ist: Ein Todesfall in der Familie ruft ihn nach Hause zurück. Gemeinsam mit Beth (Sophia Lillis), die endlich geschnallt hat, warum die Familie den Onkel als Außenseiter behandelt und aus deren Perspektive die Ereignisse aufgerollt werden, startet er einen bitteren Roadtrip in die Vergangenheit.

Paul Bettany, bekannt für seine Marvel-Film-Rollen als J.A.R.V.I.S. und Vision, spielt Onkel Frank mit feinsinniger Sensibilität und wachsender Verletzlichkeit. Regisseur Ball ist sichtlich bemüht, sein in herrlich honiggelben Farben fotografiertes, liebevolles Coming-out-Drama mit komischen Untertönen zu unterfüttern, um das melodramatische Potenzial in Zaum zu halten. Es gibt Schmunzel-Intermezzi, an denen meist Franks super-netter Liebhaber Wally (Peter Macdissi, Balls Lebenspartner) und sein saudi-arabischer Bart beteiligt sind. Gegen Ende hin jedoch beginnen alle Stricke der Zurückhaltung zu reißen, und die Geschichte kippt ungebremst in ein gigantisches Kitschbad der Gefühle.

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