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Literatur
04/28/2019

Kommissar Borowski sucht den Frieden

Axel Milberg ist, nach Tukur und Nemec, der dritte „Tatort“-Ermittler, der einen Roman geschrieben hat.

von Peter Pisa

Axel Milberg bzw. Borowski - Bild oben -  ist der dritte (aktuelle) „Tatort“-Kommissar, der ein Buch geschrieben hat ... in dem er zu einer Musik tanzt, die nur er hören konnte.
Er war damals drei, vier Jahre alt, und später hörte er  keine Musik, sondern eine Stimme: Weggehen muss er aus Düsternbrook, dem Villenviertel von  Kiel, endlich weggehen.

Nemec ist Nemec

Ulrich Tukur bzw.Felix Murot begann schon 2005  mit elf Kurzgeschichten über den Tod, auch über seinen eigenen („Die Seerose im Speisesaal“).
Danach begab er sich, recht manieriert, in einer Erzählung auf Zeitreise („Die Spieluhr“, 2013), und im Oktober wird sein erster Roman veröffentlicht.
 „Der Ursprung der Welt“ klingt etwas großspurig – ein junger Mann findet alte Fotos, die ihn zeigen, aber er erkennt sich nicht und begibt sich auf die Suche nach dem, der er vielleicht einmal gewesen ist.
2016 lernte man die literarische Seite von  Miroslav Nemec bzw. Hauptkommissar Ivo Batic kennen.
Sein erster Krimi „Die Toten von der Falkneralm“ war etwas gewöhnungsbedürftig: Nemec blieb  Miroslav Nemec = ein berühmter Schauspieler, der widerwillig ermittelt.
Einmal – Zitat – fühlte er sich von den Frotteeschläppchen im Hotel dazu inspiriert, dem Pool einen Besuch abzustatten.
In Krimi Nummer 2 „Kroatisches Roulette“ wird er erpresst und muss nach Rijeka, wo ihn bereits eine Tote erwartet. Naja. Najaaa.

Zu klein

Axel Milberg sucht  Frieden mit seiner Vergangenheit. Darum scheint es ihm im Episodenroman „Düsternbrook“ vor allem zu gehen.
Etwas Besonderes ist das Buch nicht. Aber das Angeberische, das Aufpolierte fehlt ihm völlig, und das macht es besonders sympathisch.
Manchmal träumt der heute 62-Jährige vom Elternhaus in Kiel. Er hat es schweren Herzens verkauft, weil er mit seiner Familie in München lebt (wo er 17 Jahre lang Ensemblemitglied der Kammerspiele war).
In „Düsternbrook“ holt er es zurück, er fängt seine behütete Kindheit ein (Vater Anwalt, Mutter Ärztin), er versöhnt sich mit jenem magischen Ort, der ihm damals zu klein erschien, ihm die Freiheit nahm und ihn an Abenteuern hinderte.
Milberg erzählt bis zum notwendigen Schnitt – bis zur gelungenen Aufnahmsprüfung in der Münchner Falckenberg-Schauspielschule.
(Dabei hatte ein Dozent an der Uni, er studierte Philosophie und Literatur, zu ihm gemeint: „Was, Schauspieler? Ihr kindliches Gesicht soll Angst und Schrecken ausdrücken? Wie wollen Sie das anstellen?“)
Die Herbeirufung des lange Zurückliegenden beginnt mit dem Tanz des Kindes und dem Wort, das er damals gelernt hat: schauspielern. Damit war früh alles klar. Axel Milberg erzählt auch von Außerirdischen, Badeurlauben – und dem Schnippedillerich. Piephahn sagen Norddeutsche auch „dazu“, und daran sieht man: Milberg musste wirklich ab in den Süden.

 

Axel Milberg:
Düsternbrook
Piper Verlag.
288 Seiten.
22,70 Euro.
Erscheint am kommenden
Donnerstag.

KURIER-Wertung: ****

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