Kultur
03.01.2012

Klassik-Höhepunkte für 2012

Das Wichtigste im Bereich der klassischen Musik 2011 waren die Salzburger Festspiele. Das Wichtigste 2012? Wieder Salzburg. Mit einer Neuorientierung.

Alexander Pereira, der neue Chef der Salzburger Festspiele, wird es künstlerisch schwer haben nach der phänomenalen Kurzzeit-Intendanz von Markus Hinterhäuser. Aber Pereira ist ja niemand, der sich an anderen orientiert. Er zieht seine Sache konsequent durch. Ihm geht es in Salzburg – darum ist es ihm auch an der Zürcher Oper gegangen – zweifellos ums Große. Um eine selbst an der Salzach lange nicht mehr erlebte Starparade. Und auch ums Geld, mit dem er diese zu finanzieren gedenkt. In seinem Vorwort zur Programmvorschau 2012 verwendet er die Hälfte des vielen Platzes für die Themen Kartenerlöse, Subventionen, Sponsoren.

Ballspiele

Pereiras Festspiele dauern länger als die vorherigen – sie beginnen mit einer Woche sakraler Musik und dauern auch am ersten September-Wochenende an. Da gibt es einen Festspiel-Ball in der Felsenreitschule, für dessen Programmierung er schon viel Spott hinnehmen musste. Er holt Giganten der Vergangenheit wie Carreras und Domingo wieder nach Salzburg, Stars der Gegenwart wie Anna Netrebko und Jonas Kaufmann, dazu Allzeit-Größen wie Harnoncourt, der gleich die erste Premiere dirigiert: Mozarts „Zauberflöte“, erstmals in Salzburg vom Concentus Musicus in Originalklang zu erleben. An Opern gibt noch „La Bohème“ mit Netrebko und Piotr Beczala und die Osterproduktion von „Carmen“, also zwei allseits beliebte Werke. „Ariadne auf Naxos“ wird vom Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf inszeniert und, wie historisch konzipiert, mit Molières „Bürger als Edelmann“ kombiniert. An Raritäten kommen Peter von Winters „Zauberflöten“-Fortsetzung „Das Labyrinth“ und Zimmermanns „Die Soldaten“ szenisch dazu. In konzertanten Aufführungen sind Cecilia Bartoli, die neue Chefin der Pfingstfestspiele, und Rolando Villazón zu erleben.Noch Wünsche offen? Besuchermäßig werden diese Festspiele bestimmt ein Erfolg. Hoffentlich werden sie es auch künstlerisch.

Wiener Premieren

Die wichtigsten Premieren in Wien sind Brecht/Weills „Mahagonny“ und Verdis „Don Carlo“ an der Staatsoper sowie Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ im Theater an der Wien. Von letzterem Werk gibt es gleich zwei Premieren (siehe: Hintergrund). Die Intendanz für dieses Theater wird 2012 neu ausgeschrieben, weil Roland Geyer in drei Jahren die Bregenzer Festspiele übernimmt. Schon im Frühjahr wird entschieden, wer bei den Vereinigten Bühnen die Leitung der Musicalsparte übernimmt. Gesucht wird jemand, der international gut vernetzt ist, der Promi-Faktor spielt aller Voraussicht nach keine Rolle. Dass es eine Intendanz für beide Bereiche gibt, ist unwahrscheinlich, obwohl das Sinn machen könnte.

Die Volksoper, die zuletzt primär auf leichtes Unterhaltungstheater setzte, geht ebenso wie die Staatsoper auf Japan-Tournee. Topqualität in Wien wird man garantiert im Musikverein erleben können. Dort hat Intendant Thomas Angyan ein grandioses Programm zum 200-Jahr-Jubiläum der Gesellschaft der Musikfreunde zusammengestellt.

Das Programm für Wien und die Bundesländer finden Sie im Kasten unten.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund