Legen alles in Schutt und Asche: Sylvester Stallone (li.) als Anführer Barney Ross, an seiner Seite Jason Statham als Lee Christmas

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Klassentreffen mit "Rocky"
08/20/2014

Klassentreffen mit "Rocky"

Sylvester Stallone fadisiert mit vielen Stars und Action-Geballer. Weiters: "Storm Hunters" und Interview mit "Suzanne" Sara Forestier, "Hectors Reise"

von Alexandra Seibel

Arnold Schwarzenegger liegt völlig richtig. Er sagt zu Sylvester Stallone: "Ich hör’ auf mit diesem Geschäft. Und das solltest du auch tun."

Aber was nützt der beste Rat, wenn keiner darauf hört? Nicht einmal Schwarzenegger selbst. Irgendwann legt auch er seine unvermeidliche Zigarre beiseite und greift zur Pumpgun.

" The Expendables 3", zu deutsch: "Die Überflüssigen" oder "Die Entbehrlichen", machen ihrem Namen alle Ehre. Was 2010 mit einem großen Boxoffice-Erfolg begann und in der Fortsetzung ebenfalls noch rechtschaffen Geld einspielte, floppte diesmal an den US-Kassen erbärmlich.

Ein Grund dafür könnte natürlich sein, dass der Film bereits vor seinem Start im Internet als Raubkopie kursierte. Ein Grund dafür könnte aber auch sein, dass das Publikum einfach genug hat von einer (Alt-)Herren-Parade, die mit harten Macho-Sprüchen und klebrigem Freundschafts-Pathos 126 Minuten (gähn) unkoordiniert durch die Gegend ballert.

Sylvester Stallone, der Drahtzieher des "Expendables"-Franchise und als Barney Ross der Anführer einer paramilitärischen Einsatztruppe, spricht ohnehin dauernd so, als hätte ein Schlag seine Zunge teilgelähmt. Gut, dass er meist nur Drei-Wort-Sätze von sich gibt ("Fahr rechts ran"). Irgendwann sieht sogar er ein, dass er sein altes Kampf-Team – inklusive Wesley Snipes, Jason Statham und Dolph Lundgren – mal auslüften muss. An seiner Stelle schnürt er eine neue Generation an jungen Muskelpaketen. (Darunter die typische Alibi-Frau, die so emanzipiert ist, dass sie genauso gut killen kann wie in Stöckelschuhen gehen.)

Unter Stallones wortkargem Oberkommando soll die neue Söldnertruppe im Geheimauftrag der Regierung Mel Gibson zur Strecke bringen. Gibson wiederum ist eine Klasse für sich. Immerhin. Als Unsympathler vom Dienst macht er in seiner Rolle als Kriegsverbrecher geradezu charismatisch miese Figur. Deswegen bekommt Stallone auch den Auftrag, ihn lebendig zu schnappen: Er soll in Den Haag vor Gericht gestellt werden.

Ein kleines Detail, das zu einem wahrhaft witzigen Dialog-Duell zwischen Stallone und Gibson führt und mit der genialen Pointe "Den Haag bin ich" endet. Mehr soll nicht verraten werden.

Unterbelichtet

Der Aufstand der Actionhelden aus dem Kino der 80er- und 90er-Jahre: Ein Klassentreffen mit "Rocky" (Stallone), "Indiana Jones" (Harrison Ford), "Terminator" (Schwarzenegger), "Mad Max" (Gibson), "Blade" (Snipes) und "Desperado"(Antonio Banderas) versandet in unterbelichteten Star-Auftritten und konfuser Old-School-Action.

Den bizarrsten Auftritt in dieser Liga liefert zweifellos Antonio Banderas als Fassadenkletterer mit Sprechzwang. Sein Schauspiel ist derartig outriert, dass es beinahe schon wieder lustig ist. Aber nur beinahe.

In einem verlassenen Gebäudekomplex, irgendwo im Nahen Osten, kommt es zum finalen Shoot-out. Es regnet Soldaten, Handgranaten, Panzer, Motorräder und Hubschrauber – ehe sich über die konfusen Actionschnipsel eine barmherzige Staubwolke senkt. Entbehrlich.

INFO: "The Expendables 3". Action. USA/F 2014. 126 Min. Von Patrick Hughes. Mit Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jason Statham, Mel Gibson, Antonio Banderas, Wesley Snipes, Harrison Ford.

KURIER-Wertung:

Unsympathisch sein ist gut

Außer Atem und mit noch feuchten Haaren stürmt Sara Forestier ins Zimmer im Pariser Grand Hotel. Mit Schwung wirft sie die dunkle Lederjacke über den Stuhl, lässt sich aufs Sofa fallen und legt los. Eine Rebellin wie Suzanne, die Sara Forestier in Katell Quillévérés Coming-of-Age-Drama verkörpert. "Ziemlich fordernd und intensiv" sei die Arbeit an dieser schwierigen Figur gewesen, "aber das ist genau das, was mich reizt: Ich mag Figuren, die immer anecken und aufbegehren. Unsympathisch sein ist gut."

Beim Tod ihrer Mutter ist Suzanne 11, und obwohl Vater und Schwester sich rührend um sie kümmern, bleibt sie ein Problemkind: Wird mit 17 schwanger und schmeißt die Schule. Als sie sich in einen Kleinkriminellen verliebt, lässt sie alles – auch ihr Kind – zurück und entscheidet sich für die Liebe. "Bei Suzanne gibt es keine halben Sachen, sondern nur hundertprozentige Entscheidungen. Absolute Leidenschaft und absolute Sturheit bis zum bitteren Ende. Diese Konsequenz kann ich sehr gut nachvollziehen. Da steckt viel von mir selber drin."

Romantik sei eine Vision, die auf die Dauer nicht halte, das mache der Film ganz klar: "Suzanne weiß, dass sie eine Entscheidung für diesen windigen Typen trifft, deren Ausgang völlig offen ist. Sie folgt ihm trotzdem." Verlassen kann sie sich ja immer noch auf ihre geliebte Schwester (dargestellt von der ebenfalls großartigen Adèle Haenel) – aber auch der spielt das Schicksal bald übel mit.

Forestier liebt es zu kämpfen, sich nicht unterkriegen zu lassen, egal, wie sehr man ihr in die Suppe spuckt – in ihren Rollen wie im Leben. "Widerstände überwinden, das gehört doch dazu". Eine Herausforderung für sie war auch die Arbeit mit dem als kompromisslos geltenden Regisseur Abdellatif Kechiche bei "L’Esquive": "Abdellatif reißt dir die Maske herunter und legt deine Seele bloß. Er zwingt dich, kreativ zu sein und dein Intimstes zu geben. Ich habe viel gelernt von ihm und möchte die Erfahrung nicht missen. Wer nicht lernt, hart zu sich selbst zu sein, wird nie richtig gut werden".

INFO: "Suzanne". F 2013. 94 Min. Von Katell Quillévéré. Mit Sara Forestier, Adèle Haenel, François Damiens.

KURIER-Wertung:

Mit der Wackelkamera ins Auge des Tornados

Der Tornado ist ein wahres Wunderwerk an Spezialeffekten. Er rollt sich zur bedrohlichen Windsäule zusammen und tobt durch die Ebenen von Oklahoma. Menschen, Tiere und Autos saugt er wie ein gieriger Schlauch in sich auf, nur um sie dann auf der Erde zu zerschmettern. In seinem Windsog fangen Flugzeuge an zu tanzen und schweben Menschen wie im Weltall von "Gravity". Er schlägt glühende Flammen und röstet unvorsichtige Journalisten in seinem Feuerstrahl.

Während Meteorologen, professionelle "Tornado"-Watcher und weniger professionelle YouTuber mit ihren Wackelkameras dem Sturm des Jahrhunderts folgen, flüchten die Bewohner einer Kleinstadt in Schulbussen vor dem Wirbelwind. Neben dem Schauwert des Tornados verblassen allerdings die Menschen: Ihr Schicksal wird allzu formelhaft und vorhersehbar erzählt.

INFO: "Storm Hunters". Katastrophenfilm. USA 2014. 89 Min. Von Steven Quale. Mit Richard Armitage, Sarah Wayne Callies.

KURIER-Wertung:

Inmitten der Nacht aus der Unschuld erwacht

Ein trostloses Fischerdorf an der dänischen Nordküste. Dort wohnhaft: Marie, ihre pflegebedürftige Mutter und ihr Vater. Zwischen Beklemmung und skandinavischer Melancholie verliert das Mädchen seine Unschuld zweifach: Während ihrem ersten Mal verwandelt es sich in eine Werwölfin. Damit schlägt Regisseur Jonas Arnby eine feministische Richtung ein. Vampire, Psychopathen, Vergewaltiger – das Böse ist meist in männlicher Hand. Durch die schauspielerische Leistung der Laien-Protagonistin und den wundervoll düsteren Bildern ist dieser Film etwas Besonderes. Aufgrund fehlender Spannung und seiner Vorhersehbarkeit kann der Fantasy-Horror aber nicht überzeugen.(Lydia Sprinzl)

INFO: "When Animals Dream". Horror. DK 2014. 84 Min. Von Jonas Arnby. Mit Sonia Suhl, Lars Mikkelsen, Sonja Richter.

KURIER-Wertung:

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

Tragikomödie. Ein junger Psychiater (Simon Pegg) tritt eine Weltreise an, um das Glück zu suchen. Jede seiner kleinen Reiseepisoden (Begegnungen mit Drogendealern in Afrika, Flirt mit Prostituierten in China, etc.) lässt sich flugs in eine (triviale) Weltweisheit umwandeln ("Glück ist, wenn man mehr als zwei Frauen gleichzeitig lieben kann.") Das Glück, das lernen wir am Ende, befindet sich zu Hause, genauer gesagt: Vor dem Traualtar. Nach dem gleichnamigen Bestseller.

KURIER-Wertung:

Madame Mallory und der Duft von Curry

Tragikomödie.Biederer Ethno-Kitsch von Lasse Hallström, produziert (u. a.) von Steven Spielberg und geadelt durch die Mitarbeit von Helen Mirren: Letztere spielt eine versnobte Restaurantbesitzerin in der französischen Provinz, die Konkurrenz von einem indischen Jung-Koch bekommt. Von ihm lässt sie sich einkochen. Gefälliges Gourmet-Kino.

KURIER-Wertung:

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