Der Sänger sagte dem wilden Rocker-Lebensstil ade.

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Interview
10/17/2016

Kings Of Leon: Macho-Charme abgelegt

Frontmann Caleb Followill im KURIER-Interview.

von Brigitte Schokarth

Zwar behauptet keiner der vier Bandmitglieder von Kings Of Leon, vollkommen abstinent zu sein. Dass sich aber viel geändert hat, seit die Followill-Brüder Caleb, Nathan und Jared und ihr Cousin Matthew mit dem im Alkohol- und Tabletten-Rausch geschriebenen Album "Only By The Night" weltweit zu Stars wurden, wird beim KURIER-Interview in Berlin schnell klar. Ihr gelungenes siebentes Album "Walls" ist zwar nicht die angekündigte totale Neuerfindung des Kings-Of-Leon-Sounds, aber voll mit tollen Songs und Texten, die die innere Wandlung von Songwriter Caleb nachzeichnen.

KURIER: Was symbolisiert die Mauer im Album-Titel "Walls"?

Caleb Followill: Das steht für Mauern, die ich in meiner Entwicklung niedergerissen habe. In dem Song "Walls" geht es darum, dass man zu einem Punkt der Reife kommt, an dem man denkt, wen willst du eigentlich mit deinem Macho-Gehabe an der Nase herumführen? Was machst du, wenn du dauernd versuchst, cool zu sein und dich auf eine bestimmte Art zu verhalten, weil du das Gefühl hast, dass du permanent beobachtet wirst? Und für die Band gilt das auch.

In wiefern?

Wir sind miteinander viel ehrlicher geworden. Und bescheidener. Wir können wertschätzen, wie wunderbar das ist, was wir machen: Wir schrieben Songs in unserem Studio in Nashville, das ein altes Lagerhaus für Lacke und Farben war – auf unseren mickrigen Instrumenten mit diesen läppischen Texten. Jetzt sind wir in Berlin und werden deshalb interviewt! Es gab Zeiten, da waren wir diesbezüglich sehr arrogant.

Woher kam die Macho-Attitüde?

Vielleicht daher, dass wir in einer Familie mit vielen Männern aufgewachsen sind. Schon als Teenager waren wir extrem wetteifernd, egal ob es um Sport oder Mädchen ging. Als wir anfingen, waren wir so arrogant: Wir sind mit unseren langen Haaren, den Schnurrbärten und den Glocken-Hosen in Nashville in Clubs gekommen, und die Leute fielen um vor Lachen. Aber wir waren so überzeugt von uns, dass wir uns geprügelt haben, wenn sie uns deshalb verarschten.

Dass Macho-Gehabe im Rock Usus ist, spielte keine Rolle?

Wir Rockmusiker rennen in Frauen-Kleidern rum und führen uns auf wie die härtesten Kerle. Keine Ahnung, warum das Sinn machen soll. Aber anfangs waren wir als Musiker völlig unsicher. Da waren so viele Bands, die so viel besser waren. Sie hatten hunderte Konzerte gespielt. Wir nur drei. Wir dachten, die fressen uns bei lebendigem Leib, also lass uns wenigstens gebührend auftreten, haben auf dicke Hose gemacht. Währenddessen haben wir aber viel gelernt. Jetzt gibt es viele der Bands, die uns damals Angst gemacht haben, gar nicht mehr. Und wir denken: Wow, wir haben es geschafft! Wir haben die Leute lange genug abgelenkt – bis wir wirklich spielen und Musik machen können.

Wie war die Arbeit mit Produzent Markus Dravs, der gerne alles in Frage stellt?

Wir haben ihn ja geholt, dass er uns fordert und herausfordert. Wenn du dein siebentes Album machst, ist es notwendig, die Arbeitsweise auf den Kopf zu stellen. Es gab viele Momente, wo er sagte, das ist schlecht, mach’ das anders, wir zuerst ganz anderer Meinung waren, sich dann aber herausstellte, wie gut das war.

Ein Beispiel?

Er brachte mich dazu, sehr tief zu singen. Hoch zu singen fällt mir aber leichter und ich habe es immer auch als mein Kapital gesehen, Töne zu erreichen, die sonst wenige Männer erreichen. Aber dadurch, dass ich tiefer singe, kommt bei "Walls" die Ehrlichkeit in den Texten besser heraus. Und es gibt viel mehr Ehrlichkeit in den Songs.

Warum können Sie jetzt ehrlicher sein als früher?

Früher habe ich in Texten oft Dinge gesagt, die später passiert sind, die prophetisch waren. Darüber, dass man etwas verliert, oder wie verletzlich man sein kann. Oft dachte ich, wow, das was ich damals in dem Song gesagt habe, passiert genau jetzt! Das hat mir Angst gemacht. Aber die Jungs und meine Frau (Anm: Das Model Lily Aldridge) haben mich bestärkt, dass ich ehrlich sein muss.

Sie haben in Los Angeles aufgenommen und sind mit Familie dorthin gezogen. Warum das?

Wir wollten die Vibes vom ersten Album rekreieren, wo wir in Clubs herum gehängt sind und uns mit Kokain zugedröhnt haben. Mit Familie war das natürlich jetzt nicht mehr so. Für die Frauen war es aber schwierig, wenn man heimkommt und geistig noch total in dem Song von vorhin steckt. Man lebt dann wie in einer anderen Welt. Wir hatten einen Gartentisch, der war immer voll mit meinen Notizen zu Texten. Die waren überall im Haus, und meine Frau hat versucht, wenigstens ein bisschen Ordnung zu schaffen. Wir sind auf Dates ausgegangen – nur, um in die Realität zurück zu finden. Eine total verrückte Zeit. Aber sie weiß mittlerweile ja auch, dass ich immer verrückt bin, wenn wir ein Album machen.

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