© APA/dpa/Melanie Zanin

Gespräch
01/24/2020

Kiffer im Streit mit der Antilopen Gang

Danger Dan spricht über im KURIER-Interview über das „Lied gegen Kiffer“, Morddrohungen und die Lust, dagegen zu sein

von Brigitte Schokarth

Immer wieder hat sich die Antilopen Gang in ihren Raps mit Neonazis angelegt, bekam deshalb sogar Morddrohungen. Aber all das, sagt Daniel „Danger Dan“ Pongratz, sei nichts im Vergleich zu dem Shitstorm, den das Trio gerade mit seinem Song „Lied gegen Kiffer“ erlebt.

„Es ist so amüsant, wie da jetzt unglaublich viele Kiffer aus ihren Löchern gekrochen kommen und sich mit ihren Kommentaren bei YouTube blamieren, weil wir sagen, Kiffen ist schlecht“, erzählt der 36-Jährige im KURIER-Interview. „Mich erinnert das an John Cages ,4.33’. Da hat er für ein Orchester ausnotiert, dass 4.33 Minuten lang kein Ton gespielt wird. Das Stück wurde erst durch die Geräusche des Publikums vollständig. Genauso macht diese enorme Publikumsreaktion auch unser ,Lied gegen Kiffer’ vollkommen.“

Es könnte aber schon auch ironisch gemeint sein, wenn Danger Dan, sein Bruder Tobias „Panik Panzer“ Pongratz und Koljah Podkowik in dem Songs alle Klischees über Kiffer bemühen. Allerdings: „Koljah und ich haben unsere Jugend verkifft. Und wir haben sehr viele Freunde, die später nicht damit aufgehört haben. Deshalb können wir gut beobachten, was da passiert.“ Die Frage, was an dem Lied ernst und was Ironie ist, lässt Daniel Pongratz trotzdem offen: „Das haben sich die Leute schon vor zehn Jahren bei unserem Song ,Fick die Uni’ gefragt. Auch damals war es uns ein Fest, alle darüber im Unklaren zu lassen.“

 

Als Vorbote des heute erscheinenden Antilopen-Gang-Albums „Abbruch Abbruch“ hat der Shitstorm jedenfalls die perfekte Ankündigungsarbeit geleistet. „Lied gegen Kiffer“ ist aber wohl das kontroversiellste Stück der Platte. Denn obwohl ihr Titel auf wütende Kommentare zur politischen Weltlage schließen lässt, sind die Songs eher persönlich.

„Bang Bang“ behandelt den Druck um den ersten Sex, „2013“ das Schicksalsjahr, in dem sich das vierte Bandmitglied Jakob Wich das Leben nahm und erst danach die Karriere in Fahrt kam. Und „Abraxas“ ist die Geschichte befreundeter Kneipenbesitzer, die Selbstmord begingen, als das Lokal pleite machte.

„Ich finde auch in solchen Storys steckt viel Politisches und Soziales“, sagt Pongratz. „In ,Bang Bang’ zum Beispiel in Bezug auf die Geschlechterrollen und Modelle, die man in der Hip-Hop-Szene mit Formen der Männlichkeit hat. Und ,Abraxas’ thematisiert die Gentrifizierung.“

 

Panisch

Der Rapper hat aber ohnehin ein Problem damit, dass ihn Fans häufig darauf ansprechen, wieder so einen politischen Song wie „Beate Zschäpe hört U2“ oder „Baggersee“ zu schreiben, mit denen die Antilopen Gang bekannt wurde. Seine Reaktion darauf: „Diese Songs haben wir ja schon geschrieben. Und der Ruf ,Abbruch Abbruch’ ist sicher auch ein bisschen an uns selbst gerichtet. Er ist auf jeden Fall eine panische Reaktion auf das, was uns umgibt und was aus uns geworden ist. Sowohl als Gesellschaft, als auch als Band.“

Pongratz ist schon stolz auf das, was aus der Band geworden ist. Zum Beispiel auf den Platz 1 in den Album-Charts, den ihr voriges Werk „Anarchie und Alltag“ erobern konnte. Auch das Image der Linksradikalen stört ihn nicht, denn „es gibt durchaus Stempel, die ich noch schlimmer fände“.

Was ihm nicht gefällt, ist, darauf reduziert zu werden. „Wir als Band sind immer sehr gut darin, zu sagen, was wir nicht wollen. Aber es fällt uns schwer, einen positiven Gegenentwurf zu entwickeln. Darauf haben wir auch gar nicht so richtig Lust. Wir fühlen uns in der Rolle der Kritiker sehr wohl. Schade ist nur, dass deshalb viele andere Facetten der Band untergehen. Wenn wir zu einem Interview eingeladen werden, verlangt man von uns eine politische Expertise, die wir nicht haben. Wir sind keine Rechtsextremismusforscher, sollen uns aber ständig dazu äußern.“

 

Dazu kommen die Drohungen der Neonazis. Aber die, sagt er, seien jetzt lang nicht mehr so schlimm wie sie einmal waren. Unterschwellig, aber unmissverständlich waren damals auch Morddrohungen darunter.

Aber: „Darüber will ich nicht jammern. Denn wir haben uns selbst dafür entschieden, uns mit denen anzulegen. Es gibt aber Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder der sexuellen Orientierung ins Fadenkreuz der Neonazis geraten und es sich nicht aussuchen können. Wenn du als Flüchtling einer Unterkunft in Freital in Sachsen zugewiesen wirst, hast du mit den Neonazis ganz andere Probleme, als ich, wenn ich ein Lied gegen sie ins Internet stelle.“

INFO

Die Antilopen Gang tritt im Rahmen ihrer "Abbruch Abbruch"-Tour am 19. Februar in der Wiener Arena auf.

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