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Kultur
07/01/2019

Keine neuen Knollennasen mehr: Cartoonist Mordillo ist tot

Der Argentinier Guillermo Mordillo war einer der weltweit bekanntesten Zeichner.

von Peter Temel

Der argentinische Cartoonist Guillermo Mordillo ist tot. Wie die spanische Tageszeitung El Pais am Sonntag berichtete, starb er am Wochenende im Alter von 86 Jahren in Mallorca. Dort hatte Mordillo ein Haus, wo er viel Zeit verbrachte.

Menschen und Tiere mit Knollennasen waren sein Markenzeichen. Guillermo Mordillo erlangte Weltruhm mit seinen Figuren. Immer mit einem humoristischen Augenzwinkern. Das Rundliche zeigt sich auch bei den Planeten und Hügeln, auf denen seine Figuren sitzen, sowie bei den Herzen, die über den Liebespaaren schweben. 

Mordillo wurde am 4. August 1932 als Sohn spanischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. In den ersten Jahren als Künstler schlug er sich unter anderem als Zeichner für Glückwunschkarten durch - was ihn frustrierte. "Der glücklichste Tag in meinem beruflichen Leben war der Tag, als in meinen Job verlor", sagte er einmal.

 

Durchbruch Ende der 1960er Jahre

Nach Stationen unter anderem in Lima, New York und Paris gelang ihm Ende der 60er-Jahre der Durchbruch: mit der Veröffentlichung seiner Cartoons in Paris Match und dann auch im Stern und anderen führenden Magazinen rund um die Welt. Selbst in China fand Mordillo viele Fans. In den 70er-Jahren galt er als meistveröffentlichter Zeichner weltweit.

Immer wieder ließ sich Mordillo von Städten inspirieren, als Hommage an Dresden zeichnete er die Frauenkirche in seinem Stil. Große, rundliche Mordillo-Figuren tummeln sich auch in Zeichnungen mit dem Schiefen Turm von Pisa, Big Ben in London und dem Roten Platz in Moskau.

Früher brauchte er zum Arbeiten immer Musik. Ab dem 80. Lebensjahr bevorzugte er die Stille. In Medien publizierte er zuletzt kaum mehr. Über Kalender, Puzzles, Bücher für Groß und Klein, T-Shirts, Plüschtiere und Uhren fanden seine drolligen Figuren aber weiterhin viel Verbreitung.

Schwer getroffen hatte den Freigeist 2015 der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo. "Es gibt eine Zeit davor und danach (...) Es ist gefährlicher geworden, zu zeichnen", sagte er danach bei einer Ausstellungseröffnung im Karikaturenmuseum Krems.

"Ich hörte nicht mehr auf zu zeichnen"

Warum er überhaupt mit dem Zeichen anfing? Als Fünfjähriger sah er im Kino Schneewittchen. "Ich hörte nicht mehr auf zu zeichnen", sagte er über sich selbst. Mordillo blieb bis ins hohe Alter produktiv: Um fünf Uhr morgens saß er schon am Zeichentisch, fast täglich beendete er ein Bild, immer von Hand. Den Computer brauchte er nur, um die Bilder hochzuladen. 

Seit mehreren Jahren arbeitete er zudem in Zusammenarbeit mit einer deutschen Produktionsfirma an einem Zeichentrick-Film seiner Figuren. Die Hauptperson in "Crazy Island" ist eine Giraffe - Mordillos beliebtestes Tier in seinen Zeichnungen -, die einen Tausendfüßler als Gegenspieler hat. Erstmals sollten seine Figuren in dem ursprünglich für 2019 angekündigten 3D-Film auch sprechen.

"Reine Philosophie"

"Was er mit seinen Bildern betreibt, ist reine Philosophie", sagt Hugo Maradei, Direktor des Humor-Museums von Buenos Aires. "Man kann sich anmaßen, universal zu sein, aber nicht jeder kommt wie Mordillo überall an." Vor einigen Jahren erläuterte Mordillo den Sinn seiner Arbeit so: "Jeder muss immer wieder lachen und sich fröhlich und glücklich fühlen, es gibt zu viel Leid in der Welt."