Kultur
25.03.2017

Karl Hodina gestorben: Realist des Wienerlieds

Nachruf auf den Maler, der das Wienerlied in die Gegenwart führte

Der Wienerlied-Sänger und Maler Karl Hodina ist am Freitagabend gestorben. Nach dem Besuch eines Fußballspiels brach er zusammen und konnte nicht mehr reanimiert werden. Er wäre im Juni 82 Jahre alt geworden.

Hodina kam 1935 in Wien zur Welt. Er brachte sich selbst das Malen bei und wurde zu einem der hoffnungsvollsten Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ende der Sechzigerjahre zwang ihn eine schwere Augenkrankheit, seinen Beruf als Lithograf aufzugeben.

Als Musiker gründete Hodina in den Fünfzigerjahren das Vienna Modern Jazzquartett. Ab 1970 entdeckte er das Wienerlied für sich und wurde zu dessen wichtigstem Vertreter der vergangenen Jahrzehnte.

Seine Lieder wurden Gassenhauer, vor allem "Herrgott aus Stan". Viele Texte schrieb sein Freund, der Journalist Walter Pissecker – etwa "I lassert Kirschen fia di wachsen".

Hodina, ein Virtuose auf dem Akkordeon und erfahrener Jazzer, schaffte das Kunststück, das Wienerlied in die Gegenwart zu führen, seine Lieder berührten, waren aber niemals kitschig.

Programm-Tipp:

ORFIII-Spezial: In memoriam Karl Hodina (Sonntag, 22 Uhr; Wh. am 29. März).

Ein von Rudolf Klingohr gestaltetes, stimmungsvolles Porträt, das ganz private Einblicke in die Welt des Karl Hodina gibt. Das Multitalent erzählt von Schlüsselerlebnissen und wie diese den Weg für die Musik und Kunst beeinflussten.
Der Film von Klaus Hundsbichler zeigt einen Virtuosen am Akkordeon, der auf großen Jazzbühnen genauso zu Hause war wie in einem Heurigenlokal mitten in Ottakring.

Hinweis: Der Artikel wurde um 19.47 aktualisiert. Hodina musste wegen eines Augenleidens den Beruf als Lithograf aufgeben. In einer früheren Version stand fälschlicherweise, dass er die Malerei aufgeben musste. Dies wurde korrigiert.