Kultur
26.08.2015

Gefälliger "Techno für Leute von 8 bis 88"

Paul Kalkbrenner will nach Europa auch die USA erobern – belanglose Weichspüler-Sounds sollen es richten.

Alles anders gemacht haben will Paul Kalkbrenner bei seinem siebten Studioalbum, das mit „7“ betitelt wurde, damit man es auch außerhalb des deutschen Sprachraums versteht. Deutschland, Österreich, die Schweiz und das restliche Europa habe der Berliner nämlich schon zur Genüge beackert. Nun müsse etwas Größeres her, merkt Kalkbrenner an – und meint damit den Rest der Welt.

Die Chancen für den globalen Siegeszug stehen für den Produzenten von elektronischer Musik ganz gut, denn die Nachfrage nach EDM, kurz für Electronic Dance Music, ist seit rund zwei Jahren ungebrochen. Ein Genre, das House, Techno und Pop vereint, sich durch simple Melodien, eingängige Vocals und gefällige Rhythmen charakterisiert. Besonders am US-amerikanischen Markt spielt dieser kommerzielle Sound derzeit eine gewichtige Rolle, schütten Veranstalter von Partys und Festivals enorm viel Geld über jene Szene aus, in der David Guetta, Tiësto, Steve Aoki oder Avicii als Superstars gehandelt werden.

Von diesem weltweiten EDM-Hype hat Paul Kalkbrenner aber bislang nur auf dem europäischen Festland profitiert, was sich mit seiner neuen Platte ändern soll. Um dieses Ziel – Erfolg am US-Markt – zu erreichen, nahm sich Kalkbrenner bei der Produktion von „7“ mehr Zeit als sonst: „Die beiden letzten Platten habe ich in dreieinhalb, im Fall von ’Icke wieder’ in zweieinhalb Monaten (...) aus meinem Fundus zusammengelötet“, gesteht er.

Dieser Mehraufwand im Studio ist hörbar – das Klangbild ist vielschichtiger und mit mehr Liebe zum Detail ausstaffiert. Kalkbrenner bezeichnet das Ergebnis als „Techno für Leute von 8 bis 88“. Als Musik, die „im Club, beim Autofahren, bei verregneten Montagen“ funktioniert. Und gut zu einer Tasse Milch mit Honig passt. Denn auf der Platte, die aktuell die europäischen Charts stürmt, finden sich schmusige Weichspüler-House-Nummern.

Der Bass klopft zwar gewohnt druckvoll durch die Tracks, aber die Synthesizer-Melodien gehen kaum in die Tiefe und bieten keine Reibfläche – das geht runter wie Öl. Besonders schmalzig ist „A Million Days“: Dem im Original von R&B-Sänger Luther Vandross unter dem Titel „Never Too Much“ veröffentlichten Stück hat Paul Kalkbrenner jeglichen Charme genommen – vom souligen, funky Groove ist nur mehr eine leere Hülle übrig geblieben. Mit dem Erfolg in Übersee könnte es somit klappen.

KURIER-Wertung: