Kultur
21.12.2017

"Jumanji – Willkommen im Dschungel": Sitcom im Dschungelcamp

Überraschend lustige Fortsetzung des Fantasy-Hits.

Nachdem sich Hollywood im Retro-Rausch der Remakes, Sequels und Prequels befindet, war es nur eine Frage der Zeit, wann der Fantasy-Hit " Jumanji" mit Robin Williams seine flotte Fortsetzung finden würde. Und nun ist es so weit, hurra. Eine Gruppe unbedarfter Schüler räumt die Rumpelkammer der Schule auf und findet ein magisches Videospiel. Einer der Burschen fummelt an der Konsole herum – flugs flutschen die Teenies ins Jumanji-Spiel und finden sich im Dschungel wieder. Der Witz (und der Unterschied zum Original) besteht darin, dass sich die Jugendlichen in Erwachsene transformieren – und dabei unerwartete Formen annehmen.

Der untergewichtige Klassen-Nerd verwandelt sich ausgerechnet in "The Rock" Dwayne Johnson und versteht die längste Zeit nicht, wie er seine Muskelpakete portionieren soll. Der coolste Sportler der Schule schrumpft auf die Größe des afroamerikanischen Comedian Kevin Hart zusammen und reagiert allergisch auf Kuchen.Eine der Teenagerinnen – eine mausige Außenseiterin – wird als eine Art Laura Croft wieder geboren und weiß nicht genau, wie sie ihren nabelfreien Kampfbauch zur Geltung bringen soll.

Alt und fett

Am schlimmsten aber trifft es die Handy-süchtige Highschool-Blondine Bethany: Sie verwandelt sich ausgerechnet in Jack Black – einen "old fat guy", wie sie fassungslos feststellen muss.

Allein dieser Gender-Switch gibt Anlass zu endlosen Scherzen: Bethany entwickelt eine unglaubliche Faszination mit ihrem neuen ... Penis, dessen exakte Handhabe sie sich von den Kumpels ausführlich erklären lässt – vor allem während der ersten Pinkelpause.

Die Handlung selbst bewegt sich zwischen einer etwas schwachbrüstigen Neuauflage von "Indiana Jones" und leicht verwechselbarer Video-Spiel-Action, bei der es immer neue Abenteuer-Levels zu erreichen gilt.

Dass die Fortsetzung trotzdem so verblüffend unterhaltsam ist, verdankt sich dem charmanten Schauspieler-Ensemble: Es agiert wie eine schlagfertige Sitcom-Truppe im Dschungelcamp. Die größte Komik entsteht dadurch, dass sich Jugendliche im Körper eines Erwachsenen zurechtfinden müssen, der so gar nicht ihrem Selbstbild entspricht. Jack Black als manierierte Teenagerin auf Handy-Entzug ist dabei mindestens genauso lustig wie "The Rock", der sich in Schockstarre vor seinen eigenen Muckis befindet. Und Kevin Hart ist ohnehin eine Klasse für sich und bellt seine Pointen wie ein kläffender Terrier.

Übrigens: Jeder der Spieler hat drei Leben – und Jack Black verprasst sein erstes gleich im Bauch eines Rhinozeros. Wie es dort drinnen war – und vor allem, wie er wieder herausgekommen ist – "das willst du nicht wissen."

INFO: USA 2017. 119 Min. Von Jake Kasdan. Mit Wayne Johnson, Jack Black.

KURIER-Wertung:

Familie als Minenfeld, in dem man vorsichtig auftreten muss

Das familiäre Terrain ist manchmal ein ziemliches Minenfeld. Da nützt es auch nichts, wenn man von Beruf Bombenentschärfer ist. Auch bei größtmöglicher Umsicht führt ein falscher Schritt zu gefährlichen Explosionen.

Mit dieser nicht ganz subtilen Metapher im Hintergrund, tastet sich Carine Tardieus sympathisch-witzige, wenngleich sehr gefällige Familientragikomödie an ihr Thema heran: Ein 45-jähriger Witwer (und Bombenentschärfer) namens Darwian erfährt, dass der Mann, der ihn aufgezogen hat, nicht sein leiblicher Vater ist. Er engagiert eine Privatdetektivin, die ihm flugs einen anderen Herren als Erzeuger vor die Nase setzt. Fasziniert tastet sich Darwian an den Alten und seine Lebensgeschichte heran. Gleichzeitig lernt er dessen Tochter – seine vermeintliche Halbschwester – kennen, die ihm allerdings mehr als brüderlich gefällt.

Etwas angestrengt auf knackige Pointen hingetrimmt, funktioniert "Eine bretonische Liebe" vor allem dank seiner profilierten Schauspieler und seines lakonischen Provinzmilieus. François Damiens als Darwian treibt seine Unscheinbarkeit in die Reinheit des Toren, Cécile De France bedient das Klischee der schroffen, aber sexuell forschen Französin. Milde Altersmelancholie verkleistert drohende Generationenkonflikte in einer Tragikomödie, die in jeder Sekunde ihrem Publikum zuflüstert: "Hab mich lieb."

INFO: F/BL 2017. 100 Min. Von Carine Tardieu. Mit François Damiens, Cécile De France.

KURIER-Wertung:

Finnischer Grantscherben versteht die Welt nicht mehr

Dass man rund um finnische Grantscherben komische Filme drehen kann, hat Aki Kaurismäki eindrucksvoll bewiesen. Der verschrobene Finne, der hier Kaffee mit Milch konsumiert und daneben für Stress in seiner Umgebung sorgt, ist dagegen eher tragikomisch.

Früher, so gibt der namenlose Alte zu verstehen, war die Welt noch in Ordnung. Da arbeitete man hart an der eigenen, nicht minder harten Scholle. Man redete wenig, und Männer und Frauen wussten, wo ihr Platz war. Als er nach einem Unfall zu seinem Sohn in die Stadt ziehen muss, versteht er die Welt rund um ihn nicht mehr. Der namenlose Alte nimmt sich – meist herrlich politisch unkorrekt – kein Blatt vor den Mund. Regisseur Dome Karukoski erzählt in einem sehr reduzierten Stil vom Altwerden, vom Alleinsein und davon, dass man Zuneigung auch wortlos und beinahe auch ohne Gesten ausdrücken kann. Ein Film über einen grantigen alten Mann aus dem Norden, auf den man sich einlassen muss – vielleicht ein passender Ausgleich für den weihnachtlichen Stress.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: FIN 2014. 98 Min. Von Dome Karukoski. Mit Antti Litja, Petra Frey.

KURIER-Wertung: