Julia Koschitz: „Beziehungskomödien sind zu Unrecht in Verruf“

© ARD Degeto/Torsten Jander

Interview
04/24/2021

Julia Koschitz: „Beziehungskomödien sind zu Unrecht in Verruf“

Julia Koschitz über die TV-Komödie "Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht" (heute, 20.15 Uhr, ARD), einen Serien-Dreh für Sky und über ihre Beziehung zu Österreich.

von Peter Temel

Loslassen ist ohnehin schon schwer – noch mehr, wenn der Tod des geliebten Partners nicht amtlich bestätigt ist. Der Parfümeurin Klara (Julia Koschitz) geht es in der neuen ARD-Komödie „Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ genau so. Beim Amt, wo sie wöchentlich vergeblich vorstellig wird, um endlich die Für-Tot-Erklärung ihres Mannes entgegenzunehmen, lernt sie Ulf Magnus Lundin (Heino Ferch) kennen, ein gefeierter Schmonzetten-Autor, der wiederum seine Frau verloren hat.

Eigentlich sind Schmonzetten gar nicht Klaras Ding, aber das gemeinsame Schicksal schweißt die beiden zusammen. „Sie trifft auf einen Leidensgenossen, das kann unglaublich verbinden“, sagt Julia Koschitz im Interview. „Plötzlich tritt ein Mensch in ihr Leben, dem sie nicht erklären muss, wie es ihr geht.“

Lundin veranstaltet eine „Farewell Party“, um einen möglichst heiteren Abschied von seiner Frau zu zelebrieren. Nicht wissend, dass diese (Sabine Waibel) in Wahrheit quietschlebendig ist, und nach einem Selbsterfahrungstrip in Übersee nun wieder in Hamburg weilt, und das ausgerechnet im Zusammenspiel mit dem vermissten Gatten Klaras (Roman Knižka).

„Die beiden müssen nicht nur erfahren, dass sie belogen und betrogen wurden“, sagt Koschitz, „sondern, dass sie einem Menschen nachtrauern, mit dem sie längst auseinandergedriftet waren. Und dass sie eher ihrer Vorstellung einer Beziehung nachtrauern, als dem Partner selbst.“

Für eine romantische Komödie im Hauptabend ist das eine recht ungewöhnliche Konstellation. Die bittersüße Romanze (Regie: Dirk Kummer), die Koschitz und Ferch erstmals Seite an Seite in einer Komödie zeigt, betrachtet sie als „fast ein Märchen, mit satirischer Note“. „Ich finde, dass Beziehungskomödien zu Unrecht in Verruf stehen“, sagt Koschitz, „es gibt wunderbare Beziehungskomödien, die sehr intelligent geschrieben sind.“

Im vorliegenden Fall von Uli Brée („Vorstadtweiber“), der auch hier sein feines Händchen für Komödien beweist. Denn das durchtriebene Pärchen, das sich durch vorgetäuschten Unfall bzw. Selbstmord aus der Affäre gezogen hat, gerät nun selbst in eine Beziehungskrise.

Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht

Horror

Klara sagt, sie sei „mehr für härtere Sachen, Horror, Psycho“. Auch Koschitz, die durch die Krankenhaus-Comedyserie „Doctor’s Diary“ bekannt wurde, liebt die Abwechslung. Zuletzt drehte sie in Kärnten den feinen Teenie-Schocker „Das schaurige Haus“, der lockdownbedingt leider nur kurz in den Kinos lief. Dennoch erhielt Koschitz dafür eine weitere Nominierung für die ROMY-Publikumspreise. Dass auch Hauptdarsteller León Orlandianyi für eine Nachwuchs-ROMY nominiert wurde, freue sie sehr.

Mit Regisseur Daniel Prohaska hatte sie zuvor die Stadtkomödie „Geschenkt“ gedreht. Koschitz: „Ich fand es großartig, mit ihm zu arbeiten, außerdem mochte ich das Buch sehr gern.“

Überhaupt achte sie „sehr auf die Qualität der Bücher“, sagt die Schauspielerin. Initiativen wie zuletzt vom Drehbuchverband Austria, der mehr Sichtbarkeit und Mitsprache für Autorinnen und Autoren fordert, kann sie viel abgewinnen: „Aus einem guten Buch kann zwar ein schlechter Film werden, aber kaum andersherum. Ich bewundere alle, die eine Geschichte kreieren. Ich bin nur Interpretin von etwas, das schon da ist. Eine Autorin oder ein Autor hingegen fängt immer mit einem weißen Blatt Papier an.“

Wienerisch

Trotz vieler Engagements in Deutschland arbeitet Koschitz, die in München lebt, seit ein paar Jahren vermehrt wieder in ihrer Heimat Österreich, zuletzt etwa für den TV-Thriller „Im Schatten der Angst“, wo sie mit österreichischem Idiom zu hören war. „Es freut mich immer wieder, in Österreich zu arbeiten,“ sagt sie, „ich finde die Filmlandschaft grundsätzlich sehr spannend.“ Und sie finde „es reizvoll, nicht nur in Hochdeutsch zu spielen. Nicht, dass ich breite Dialekte beherrsche“, fügt sie lachend hinzu.

In Deutschland spreche sie ein neutrales Hochdeutsch, aber: „Mit meiner Mutter und meinem Bruder spreche ich das Österreichisch, das Sie bei ,Im Schatten der Angst’ gehört haben. Als was auch immer man das bezeichnen möchte, wirklich Wienerisch ist es ja auch nicht ...“

Derzeit drehe sie die „sehr spannende“ Serie „Souls“ für Sky. Im Zentrum der achtteiligen Dramaserie stehen drei Frauen, deren Leben aus den Fugen gerät, als der zehnjährige Jacob nach einem schweren Autounfall glaubt, sich an sein früheres Leben als Pilot einer verschollenen Passagiermaschine zu erinnern.

Im Schatten der Angst

Kinofan

Das Thema Serie sei für sie zwar interessant, aber Koschitz bezeichnet sich als Kinofan. Trotz Streaming-Boom und Corona-Krise macht sie sich keine Sorgen um die Zukunft des Kinos: „Sich aufzumachen und gemeinsam mit anderen eine Geschichte zu teilen ist einfach was anderes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich damit allein bin. Deswegen glaube ich auch nicht, dass das Kino sterben wird.“

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