Anna Netrebko wurde bejubelt.

© REUTERS/EDGARD GARRIDO

Nachtkritik
06/20/2016

Jubel für Netrebko

Sie singt erstmals an der Wiener Staatsoper Puccinis Manon Lescaut

von Gert Korentschnig

Ja, das war einer der selten magischen Momente, die man als Opernliebhaber erleben darf: Das Finale von Giacomo Puccinis "Manon Lescaut" bei der Wiederaufnahme des Werkes an der Wiener Staatsoper mit Anna Netrebko in der Titelpartie. Wie die Sopranistin auf der Bühne ihr Leben aushaucht, mit welcher Dramatik, welcher Intensität und gleichzeitig Sensibilität sie das Verdursten in der Wüste gestaltet, ist phänomenal. Dafür wurde sie am Ende bejubelt, wie es einer großen Künstlerin gebührt.

Dass die Wüste diesmal eine Shopping Mall ist, ist der Inszenierung von Robert Carsen geschuldet, die bei der Premiere noch absurd und unlogisch wirkte, dank Netrebko aber funktioniert. Wie sich nämlich Netrebko auch als Shopping Queen benimmt, wie sie sich im zweiten Aufzug vor Fotografen räkelt und das Scheinwerferlicht genießt, ergibt eine schöne Studie einer Diva. Auch dafür gebührt der Opern-Queen Applaus.

Puccinis Manon ist ideal für ihre Stimme, Netrebko besticht in der Höhe und mit Ausdruckskraft, dann wieder mit zartesten, fein gezeichneten Passagen. Sie modelliert eine starke Frau, die aber im Prinzip nur auf der Suche nach Zuneigung ist und am Ende zerbricht.

Marcello Giordani ist der Des Grieux an ihrer Seite, und er ist ein adäquater Bühnenpartner, was einem großen Kompliment gleichkommt. Mit viel Italianità, heldischen Spitzentönen und schönen Phrasierungen überzeugt er ebenso wie in seiner Darstellung als Alt-Rocker. Nicht auf diesem Niveau agiert David Pershall als Lescaut, Wolfgang Bankl ist als Geronte de Ravoir glaubhaft und sehr gut besetzt.

Marco Armiliato steht am Pult des Wiener Staatsopernorchesters und schafft nach etwas dröhnendem, nicht wirklich strukturiertem Beginn doch noch eine mitreißende, kraftvolle Interpretation. Das wird bei den kommenden Aufführungen bestimmt noch besser.

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