© Hannele Fernström

Kultur
10/08/2021

José González verpackt humanistische Ideen in Folk-Song-Perlen

Der Musiker ließ seine Beschäftigung mit effektivem Altruismus in das neue Album "Local Valley" einfließen

Es ist kein Widerspruch für José González, wenn er sein eben erschienenes Solo-Album „Local Valley“ damit beschreibt, dass er in den Song-Texten den Blick mehr denn je nach außen richtet, diese Songs aber trotzdem ihn selbst so klar reflektieren wie nie zuvor.

Der mit der Band Junip bekannt gewordene Indie-Folk-Sänger liefert mit diesem vierten Longplayer wieder seinen gewohnten Sound, der auf akustischen Gitarren und makellosem Fingerpicking basiert und von verträumten, verführerischen Melodien bestimmt ist.

Thematisch allerdings lässt der Schwede – wenn auch äußerst poetisch und ohne je aufdringlich zu klingen – seine persönliche Beschäftigung mit humanistischen Themen und Philosophien einfließen.

„Ich habe als Teenager das Buch ,Die Befreiung der Tiere‘ von dem Philosophen Peter Singer gelesen und bin seither fasziniert von seiner Art, solche Themen klar dazustellen“, erklärt González im KURIER-Interview. „Auch wie er über Glück und Leid denkt, ist einzigartig. Und der Schluss ist, dass es eine Verpflichtung gibt zu helfen, wenn wir das ohne riesigen Aufwand können – nicht nur anderen Menschen, sondern allen fühlenden Wesen.“

Darauf geht González in Songs wie „Visions“ oder „Swing“ ein. Seit dem letzten Album hat sich der 43-Jährige auch intensiv mit Werken von Philosophen und Denkern wie Daniel Dennett, Alain de Botton oder Åsa Wikforss beschäftigt, kritisiert deshalb in „Head On“ Leute, „die ihren eigenen Gewinn vor den der Gesellschaft stellen“ und in „Tjomme“ Dogmatiker, die blind althergebrachte Ideologien verfolgen.

„Es gibt dabei keine politische Agenda“, sagt er. „Zumindest nicht in einem klassischen links-rechts Spektrum. Meine Songs haben aber eine kristallklare humanistische Botschaft, die sich gegen Dogmen wendet und für die Vernunft starkmacht macht.“

Das Interesse an Weltanschauungen hat González von seinen argentinischen Eltern, einem Psychologen und einer Biochemikerin. Sie waren in ihrer Heimat politisch aktiv und flohen nach Göteborg, als 1976 die rechtsextreme Militär-Junta die Macht übernahm.

Viel mehr als das, sagt er, habe ihn aber die Beschäftigung mit effektivem Altruismus beeinflusst.

„Auch das sind Ideen, auf die ich über Peter Singer gekommen bin. Ich gebe zehn Prozent von allem, was ich einnehme, an Benefizorganisationen, die dahingehend geprüft wurden. Organisationen, die in Bezug auf globale Gesundheit und Katastrophenhilfe tätig sind, oder Forschungen in Bezug auf die nukleare Aufrüstung oder die Gefahr anstellen, dass künstliche Intelligenz der Menschheit auch schaden kann.“

Vor fünfzehn Jahren schon, als die Idee von effektivem Altruismus aufkam, begann González, sich dafür zu interessieren: „Da geht es darum, wie der Dollar, den du spendest, am besten eingesetzt wird. Wenn du ihn zum Beispiel einer Organisation gibst, die gesundes Frühstück für Polizisten kauft, ist das zwar nett für die Polizisten. Aber mehr bewirkt er, wenn du ihn zum Beispiel für Moskitonetze ausgibst, mit denen du unnötige Todesfälle verhindern kannst.“

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