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Kultur
09/27/2020

Stell dir vor, John Lennon würde noch leben, was würde er heute tun?

Vor 80 Jahren kam der spätere Beatles-Gründer zur Welt, vor 40 Jahren wurde er ermordet.

von Guido Tartarotti

Der Gedanke ist reizvoll: Stell dir vor,  John Lennon würde noch leben, was würde er heute tun?

Würde er für „Black Lives Matter“ demonstrieren, würde er gemeinsam mit Greta Thunberg Pressekonferenzen geben,  würde er eine Maske mit dem Beatles-Apfel tragen? Was fiele ihm zu Trump ein oder zum Brexit?

Hätte er den Literaturnobelpreis gewonnen oder wäre er doch eher Kandidat bei „Dancing With The Stars“ oder, noch schlimmer, im „Dschungelcamp“? Wäre er auf Twitter und Instagram?

Würde er es zulassen, dass Boris Johnson zu seinem 80. Geburtstag am 9. Oktober ein Stadion, ein Einkaufszentrum oder einen Kreisverkehr nach ihm benennt?

Wäre er vielleicht sogar mit Paul und Ringo auf Welttournee (eher nicht, solange George Harrison tot ist)?

Oder würde er zurückgezogen mit Yoko seinen Bio-Garten bestellen, atonale Symphonien für Klavier, Rasenmäher und vier Zucchini komponieren, avantgardistische Origami-Kunstwerke aus veganem Käse falten?

Das Reizvolle daran: Jeder dieser Gedanken ist auf seine Weise völlig absurd und gleichzeitig realistisch. John Winston Ono Lennon wäre alles zuzutrauen.

Vor 80 Jahren wurde er in Liverpool geboren, vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1980, raubte sein verwirrter Fan Mark David Chapman Lennon das Leben, seiner Familie den Ehemann und Vater – und der Welt einen einzigartigen Musiker und kritischen Denker. Dass Lennon nach wie vor tot ist, muss als Skandal gewertet werden.

Julia

Nach der Trennung seiner Eltern wuchs Lennon bei seiner Tante Mimi auf. Seine Mutter Julia starb 1958 bei einem Autounfall – gerade, als es ihm gelungen war, wieder engeren Kontakt zu ihr aufzubauen. Der Verlust der Mutter beschäftigte ihn künstlerisch und privat sein Leben lang.

1956 gründete John Lennon die Gruppe The Quarrymen, aus denen bald die Beatles wurden, die bis heute berühmteste und erfolgreichste Band der Geschichte. Im September 1969 erklärte er seinen Bandkollegen Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, dass er die Gruppe verlassen werde – was deren Ende bedeutete.

Als Songschreiber war Lennon einzigartig, seine Lieder haben oft eher karge, aber magische Melodien. Während Paul McCartney virtuos mit der Harmonielehre spielt, kümmert sich Lennon nicht um die Regeln, wechselt Tonarten, wie es ihm gefällt, etwa in „Strawberry Fields Forever“. In „All You Need Is Love“ springt er zwischen Vier- und Dreivierteltakt hin und her. Und Songs wie „Happiness Is A Warm Gun“ sind aus Teilen verschiedener Stücke zusammen geklebt.

Als Solokünstler hatte er weniger Hits als die anderen Ex-Beatles, dafür aber einen unsterblichen: Das einzige atheistische Kirchenlied der Welt, „Imagine“.

Lennon war aber auch eine politische Figur. Seine Aussage, die Beatles seien „größer als Jesus“, sorgte für einen Skandal. Mit seiner zweiten Frau, der japanischen Künstlerin Yoko Ono, veranstaltete er Pressekonferenzen im Bett, um für den Frieden zu demonstrieren. In den Siebzigerjahren geriet er sogar ins Fadenkreuz des FBI, das seine wunderbar freien Gedanken zu Recht fürchtete.

Glück

Von John Lennon sind dutzende knackige Zitate überliefert, manche zynisch, manche hellsichtig, manche poetisch. „Je mehr ich erlebe, umso weniger weiß ich sicher“. – „Wie immer steht hinter jedem Idioten eine großartige Frau.“ – „Würde jeder nach Frieden verlangen  statt nach einem neuen Fernseher, dann gäbe es Frieden.“

Zum Thema Glück sagte er einmal: „Als ich fünf Jahre alt war, sagte mir meine Mutter, dass Glück der Schlüssel des Lebens ist. Als ich in die Schule kam, wurde ich gefragt, was ich einmal werden wolle.  Ich schrieb: ,Glücklich’. Da sagten sie mir, ich hätte die Aufgabe nicht verstanden. Und ich antwortete, dass sie das Leben nicht verstünden.“

Sein vielleicht schönster Satz stammt aus dem Song „Beautiful Boy“, den er für seinen Sohn Sean geschrieben hat: „Das Leben ist das, was sich ereignet, während du damit beschäftigt bist, Pläne zu machen.“

 

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