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Kultur
07/27/2019

Johann Kresnik: Ein Berserker der die Tanzwelt prägte

Der österreichische Choreograf und Querdenker Johann Kresnik starb mit 79 Jahren. Ein Nachruf.

von Peter Jarolin

Vor zwei Wochen noch saß er im Wiener Volkstheater, angriffslustig wie immer und mahnend. Er, Johann Kresnik , der vielfach geschmähte, angefeindete, mit Morddrohungen konfrontierte, vom Skandalregisseur zum Kultstar gewordene Choreograf.

„Wir müssen wütend sein und es bleiben“, rief Kresnik anlässlich der ImPulsTanz-Premiere seines Klassikers „Macbeth“. Da gab und gibt es (denn seine Arbeiten leben immer noch und werden es weiterhin) so genannte „Blutbadewannen“, in denen sich die Menschheit – so sagte Kresnik – begierig suhlt.

Kresnik, 1939 als Sohn eines Bergbauern geboren, war eine Einzelerscheinung in der Theaterwelt, ein hoch angesehener Regisseur und Choreograf, dem manche bis zuletzt trotz vieler Preise mit Skepsis gegenüberstanden.

Nie kuschen

Die Biografie? Kresnik wurde 1939 als Sohn eines Bergbauern geboren und war eine singuläre Erscheinung in der Theaterwelt, ein Berserker, ein Kämpfer. Einer, der stets die richtigen Worte, auch auf der Bühne fand. Zeitenwende? Kuschen? Fehlanzeige! Nicht mit Hans, wie ihn seine Freunde nannten, dafür war er (auch sich selbst) zu gut.

Als Dreijähriger musste er mit ansehen, wie sein Vater, ein Wehrmachtssoldat, von Partisanen erschossen wurde. Nach der Hauptschule und Tanzausbildung flüchtete der junge Tänzer 1960 vor dem Bundesheer-Einberufungsbefehl nach Bremen. 1962 ging er nach Köln und arbeitete dort als Solotänzer mit großen Choreografen wie George Balanchine, John Cranko und Maurice Bejart.

Das klassische Ballett ließ er alsbald hinter sich. Das am Bremer Tanztheater von ihm entwickelte „Choreografische Theater“ versuchte, Sozialkritik in oft schockierende Bildersprache zu gießen.

„Das Theater ist meine Waffe“, erklärte Kresnik seinen künstlerischen Impuls einmal. Zwischen 1979 und 1989 leitete Kresnik das Tanztheater in Heidelberg. Hier und auch später nach seiner Rückkehr nach Bremen benutzte er Biografien realer Figuren, um ihren Mythos zu demontieren. Dazu gehören Arbeiten wie „Sylvia Plath“, „Pasolini“, „Ulrike Meinhof“, „Frida Kahlo“, „Nietzsche“, „Francis Bacon“. und irgendwie auch „Macbeth“, für den er noch eine letzte Auszeichnung bekam.

Sein Werk und seine Worte werden bleiben. „Ich betrachte mich als gescheitert, wenn sich niemand über meine Stücke aufregen würde“, sagte Kresnik. Das wird nie passieren.

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