Emily Beecham als Gentechnikerin in "Little Joe" von Jessica Hausner

© Festival de Cannes

Kultur
05/17/2019

Jessica Hausner in Cannes: Eine Pflanze, die glücklich macht

Jessica Hausner zeigte im Wettbewerb von Cannes ihren kühlen, formschönen Sci-Fi-Thriller „Little Joe“.

von Alexandra Seibel

Endlich eine Pflanze, die glücklich macht. Wer ihren Geruch einatmet, ist zufrieden mit der Welt – versprechen zumindest die Gentechniker, die sie in einem Gewächshaus züchten. Die neue Spezies heißt „Little Joe“ – benannt nach dem Sohn ihrer Erfinderin Alice – ist stechend rot und hat es gern, wenn man mit ihr spricht. Angeblich kann man sie genauso lieb haben, wie das eigene Kind.

Der pfeifender Ton auf dem Soundtrack verheißt allerdings nichts Gutes. Er wird sich noch zu schrillem Gekreische steigern. Der Horror ist bereits angelegt – nicht nur in der Musik (des japanischen Komponisten Teiji Ito), sondern auch in dem strengen, sterilen Farbregime der aseptisch konzipierten, glasklar leuchtenden Bildern.

„Little Joe“, ein kühl distanzierter, erstmals auf Englisch gedrehter Thriller der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner feierte im Wettbewerb von Cannes seine akklamierte Premiere. Die 46-jährige Wienerin schritt mit ihrer Hauptdarstellerin Emily Beecham strahlend über den roten Teppich und präsentierte ihre formschöne, ästhetisch makellose und leise ironische Sicht auf das Sci-Fi-Thriller-Genre.

„Little Joe“ ist vielleicht kein Fleischfresser, macht aber schmatzende Geräusche und verändert seine Umgebung: „Meine Frau ist auf einmal so nett zu mir. Das ist nicht meine Frau“, klagt der Ehemann einer Kandidatin, die an Little Joe geschnupert hat – und Hausners unterschwelliger Humor wird genau dann sichtbar, wenn das widerständig Emotionale auf das gesellschaftlich Konforme trifft.

Ist der Sohn der Gentechnikerin von der Pflanze infiziert oder einfach nur in der Pubertät? Verstehen wir unsere Umgebung nicht mehr, weil sie sich verändert oder fehlt uns einfach nur das Talent zum Glück?

Aber wer kann schon die Echtheit von Gefühlen beweisen, heißt es einmal. Und, noch viel entscheidender: „Who cares?“