© Carinthischer Sommer/Ferdinand Neumüller

Kritik
07/28/2021

"Jeanne d’Arc“ in Villach: Klänge, die unter die Haut gehen

Johannes Kalitzkes „Jeanne d’Arc“ als Filmoper beim Carinthischen Sommer (Von Helmut Christian Mayer).

„Komm Nacht, gieß„ deine Stille aus wie Honig…“: Ganz schlicht und gefasst beginnt Johannas Schlussgesang. Ein tröstlicher Nachtgesang der Hoffnung, der, wie die gesamte Rolle, von Michaela Selinger mit wunderbar nuancenreichen, intensiv geführtem Mezzo gesungen wird. Derweil durchlebt die Schauspielerin (Maria Falconetti) im sehr berührenden Stummfilm aus 1928 von Carl-Theodor Dreyer mit weit aufgerissenen Augen kahl geschorenem Kopf an den Pfahl des Scheiterhaufens gefesselt, ihre letzten Minuten. Und plötzlich hört sie auf zu weinen und beobachtet die Tauben, die sich am Kirchturm niederlassen: So emotional aufwühlend ist aber nicht nur das Finale der Filmoper „Jeanne d’Arc, sondern der gesamte Abend im Villacher Congress Center.

Denn hochexpressiv sind die Stimmungen, die durch ausdrucksstarke und hochkomplexe Klänge erzeugt werden. Es ist eine facettenreiche Palette, immer wieder angereichert mit Elektronik und geschickt ausgeführten Zitaten aus der Musikhistorie, die Johannes Kalitzke in seinem nunmehrigen sechsten Musikdrama vorsetzt.

Trotz seines Kontrastreichtums von Grellheit, Atonalität, Ruhe fügt und verdichtet sich die ganz eigene, aber doch sehr zugängliche Tonsprache mit gewaltigen Steigerungen, viel Schlagwerk und Ostinati letztlich zu einem packenden, musikalischen Ganzen.

Und genauso werden die extrem diffizil zu spielenden Passagen unter der präzisen Stabführung des deutschen Komponisten vom ungemein konzentriert musizierenden Kärntner Sinfonieorchester umgesetzt.

Grausame Hinrichtung

Die Musik dieser Kirchen-Filmoper unterlegt wie eine illustrierende Filmmusik meist punktgenau die Handlung des Stummfilms, der sich bei der Geschichte der Johanna auf Szenen des Prozesses und der grausamen Hinrichtung beschränken. Nach der konzertanten Uraufführung von 2020, einem Auftragswerk des Carinthischen Sommers, hat nun die Librettistin Kristine Tornquist selbst drei Szenen inszeniert, wobei diese sehr statisch und mehr angedeutet vor drei drehbaren Häuschen direkt auf Ebene des Publikums ausgefallen sind.

Auch die kleineren Rollen sind mit Johanna Krokovay (Mutter) und Klemens Sander (Vater) sowie den vier rein singenden Solisten der St. Florianer Sängerknaben sowie dem Philharmonia Chor Wien tadellos besetzt. Viel Applaus!

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