Jan Phillip "Delay" Eißfeldt macht sich auf seinem neuen Album "Hammer & Michel" Sorgen über dicke Kinder und das Verschwinden von Subkulturen.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Interview
04/23/2014

Jan Delay: "Die Ideale gehen langsam flöten"

Jan Delay wendet sich mit "Hammer & Michel" der Liebe und den Rock-Rhythmen zu.

von Brigitte Schokarth

Begonnen hat er als Rapper mit der Band Absolute Beginner. Dann begeisterte Jan Delay mit Reggae, Soul und Funk. Anno 2014 ist der Hamburger beim Rock angekommen. Auf dem eben erschienen Album "Hammer & Michel" orientiert er sich am Gitarrensound der 70er und 80er, an AC/DC und Iggy Pop, an Queens Of The Stone Age und Slash – und bleibt dabei doch immer tanzbar. Im KURIER-Interview erklärt der 37-Jährige, wie er darauf kam, und warum er als erklärter Linker politische Botschaften lieber nur in ein, zwei ironischen Zeilen in Texte einbaut.

KURIER: Wie kamen Sie darauf, jetzt Rock zu machen?

Jan Delay: Ich mache ja mit jedem Jan-Delay-Album etwas Neues. Die letzten beiden waren eine Ausnahme. Da ging es mir darum, dass ich erst nach dem ersten eine super eingespielte Band hatte und wusste, wie ich das machen muss. Schon 2011 hatte ich aber bei den Konzerten Bock auf die Rock-Energie. Das haben wir mit meiner Band Disko No. 1 ausprobiert. Und weil wir es mit der Funk-band spielen, hat es immer noch diesen tanzbaren Groove, der uns sehr wichtig ist.

In dem Song "Liebe" bekunden Sie, Liebe für den Hass zu haben? Wie vereinbaren Sie das mit Ihrem linken Background?

Das soll nur zeigen, was allumfassende Liebe sein kann. Jesus und Gandhi haben ja auch Ähnliches gesagt. Bei mir ist natürlich klar, dass ich damit einen sympathischen Hass meine. Jenen, der Kreativität erzeugt. Aber den Platz, das alles genau zu erklären, habe ich in einem Text nicht. Das wäre für den Hörer auch ermüdend.

In "Dicke Kinder" geben Sie ,dummen Eltern‘ die Schuld an falscher Ernährung. Liegt das nicht auch an der Industrie?Sicher auch. Die sind schuld an der Massen-Tierhaltung und der Überproduktion. Und sie packen diese Tüten mit Fertiggerichten, die ohne Nährstoffe und voller Fett sind. Aber es sind die Eltern, die sagen, ich hab heute den ganzen Tag gearbeitet, ich hab keine Lust, Gemüse zu putzen, ich schiebe eine Tiefkühlpizza in den Ofen, denn die Kinder mögen das eh. Natürlich ist der Ausdruck "dumme Eltern" provokant. Aber die Konsumenten haben die Macht. Denn das Einzige, was Nahrungsmittel-Produzenten wirklich fürchten, sind Umsatz-Einbußen.

Sie sind in Ihren Texten auch gerne sarkastisch. Glauben Sie, dass man mit Provokation und Ironie mehr erreichen kann?

Das Provokante ist mein Naturell, weil ich Kunst mit Reibung für interessanter halte. Aber unterhaltsam zu sein, ist sehr wichtig. Das haben Dennis Lisk und ich schon mit den Beginnern gemerkt. Wir haben anfangs Texte gemacht, in denen in denen wir beschrieben, wie schlecht es den Menschen geht. Nicht auszuhalten, diese Gymnasial-Schläue. So etwas macht keinem Spaß. Und man erreicht damit nur die, die ohnehin den ganzen Tag solche Bücher lesen und das schon wissen.

Viel geiler ist, sich auf seine Kunst zu besinnen, mit Witz und Wortwitz zu rappen, und so unpolitische Leute zu begeistern. Und die kann man dann mit ein, zwei humorvoll eingestreuten kritischen Zeilen zum Denken und Umdenken bewegen.

Bilder: Jan Delay

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In dem Song "Scorpions-Ballade" betrauern sie, dass Freund und Feind heute viel schwieriger auszumachen sind. Woran, glauben Sie, liegt das?

Das weiß ich auch nicht so genau. Aber ich habe den Text schon vor längerer Zeit geschrieben, als ich ein Nazi-Fanzine mit 50 Cent am Cover sah. Wie geht denn das zusammen? All die Codes meiner Jugend, wie ,Ich bin links, gegen Kernkraft, gegen Bullen, höre Reggae und Rap!‘ gelten heute nicht mehr. Heute ist die CSU gegen Kernkraft und Faschisten hören Tupac Shakur. Die Subkulturen lösen sich auf und damit gehen langsam auch die Ideale flöten. Aber das darf nicht passieren.

Jan Delay in Wacken

Werdegang

Jan Phillip Eißfeldt wurde 1976 in einem besetzten Haus in Hamburg geboren. Als Sohn eines Kunstprofessors hörte er Bob Marley und Run DMC. Das Hausbesetzer-Umfeld gab ihm die politische Gesinnung. Mit 13 lernte er Dennis Lisk kennen und gründete mit ihm Absolute Beginner.

Erfolge

Mit "Bambule", dem Debüt-Album der Beginner, schaffte Jan Delay 1998 den Durchbruch. Sein erstes Solo-Album "Searching For The Jan Soul Rebels" erschien 2001.

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