james blake - frequency festival 2013 - florian wieser

© Florian Wieser

Interview
08/18/2013

James Blake: Eine intensive Nachtmusik

James Blake sprach am Frequency-Festival mit dem KURIER über den Hype und seinen Freund Brian Eno

von Brigitte Schokarth

Meine Musik gehört in die Nacht. Aber ich kann nicht viel machen, wenn Veranstalter das nicht verstehen.“ Vor seinem Auftritt beim FM4-Frequency-Festival am Samstag zeigte sich James Blake im KURIER-Interview besorgt darüber, am helllichten Tag auf die Bühne zu müssen.

Mit Recht. Sein einzigartiger Sound – diese zerbrechliche Stimme gepaart mit sehnsüchtigen Klavier-Klängen, die sich immer wieder in zischenden, ratternden Geräuschen verlieren – ist immer faszinierend. Aber in einem Club tatsächlich wirkungsvoller. Schließlich ist der Sound aus der Club-Kultur des Dubstep entstanden.

Blake, der Sohn des Colosseum-Gitarristen James Litherland, hatte klassisches Klavier studiert, alle Stufen der Ausbildung in Rekordzeit absolviert. Das spielt er im Interview herunter: „Es ist mir schon sehr leichtgefallen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich das Klavier gemeistert habe. Das ist ein Instrument, bei dem man auch nach 100 Jahren nicht ausgelernt hat.“

Hype

Nach der Schule studierte Blake an der Goldsmith University Musik, spielte Jazz und Blues. Und nach wie vor seinen geliebten Bach.

Aber: „Ich hatte immer das Gefühl, am falschen Dampfer zu sein.“ Zu Hause fühlte er sich erst, als er auf einer Geburtstagsparty einen Dubstep-Track von Digital Mystikz hörte. „Alle meine Freunde liefen von der Tanzfläche. Ich blieb und war fortan süchtig nach diesem Sound. Ich wollte sofort selbst solche Tracks machen, bin aber gescheitert. Es kam etwas ganz anderes raus, weil ich unwillkürlich mein eigenes Ding daraus machte.“

Das war der Sound des Debüt-Albums „James Blake“, das mit dem Feist-Cover „Limit To Your Love“ einen Hit produzierte und einen Hype um den blassen, großen, damals 22-Jährigen auslöste.

Gerade hat Blake sein zweites Album „Overgrown“ veröffentlicht, erteilt diesem Hype im Titel-Song eine deutliche Abfuhr: „Das Lied entstand, nachdem ich lange mit Joni Mitchell darüber gesprochen hatte, wie sie es geschafft hat, in diesem Business ein ganzes Leben lang relevant und fernab der Starwelt ausschließlich als Künstlerin anerkannt zu bleiben.“

In Joni Mitchell fand Blake eine gute Freundin. Auch mit Brian Eno, mit dem er für „Overgrown“ den Song „Digital Lion“ aufgenommen hat, ist er mittlerweile befreundet: „Ich habe ihn angerufen, weil ich wissen wollte, was er von meinen neuen Songs hält. Aber wir haben nicht lange über Musik gesprochen, waren schnell bei unzähligen anderen Themen. Drei Tage später kam er zu mir, und wir haben zusammen Musik gemacht.“

Fernbeziehung

In dem Song preist Blake gewisse Vorteile der digitalen Welt an. „Twitter ist Blödsinn. Aber Skype ist ein Segen – wenn man wie ich in einer Fernbeziehung lebt.“ Seine Freundin Theresa Wayman ist die Sängerin von Warpaint und lebt in Los Angeles, während Blake sich gerade in Süd-London ein Haus gekauft hat.

Dass die Sehnsucht in seiner Musik aus der Distanz zur „ersten großen Liebe“ resultiert, bestreitet er. „Das neue Album klingt doch ohnehin positiver. Natürlich ist eine Fernbeziehung niemals leicht. Aber ich bin jetzt viel zufriedener mit meinem Leben als beim ersten Album. Man sieht mir das zwar nicht an, aber ich bin glücklich.“

Tag 3 am Frequency-Festival

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