Kultur
10.02.2017

Jahrhundert-Tenor Nicolai Gedda verstorben

Begeisterte u.a. mit Mozart- und Puccini-Interpretationen

Er war der ideale Tamino in Mozarts "Zauberflöte", begeisterte als Belmonte in Mozarts "Entführung aus dem Serail" oder als Don Ottavio im "Don Giovanni". Er setzte Maßstäbe als Rodolfo in Puccinis "La Bohème", als Cavaradossi in "Tosca", als Herzog in Verdis "Rigoletto", als Alfredo in "La Traviata" oder als Gounods "Faust". Und er zählte zu jenen Künstlern, die auch die Operette in ungeahnte Höhen führten: Nicolai Gedda. Wie erst jetzt bekannt wurde ist der lyrische Jahrhundert-Tenor am 8. Jänner 2017 im Alter von 91 Jahren verstorben.

Geboren wurde Nicolai Gedda am 11. Juli 1925 in Stockholm. Von 1928 bis 1936 lebte Geddas Familie in Leipzig, wo sein russischer Stiefvater Kantor an einer russisch-orthodoxen Kirche war. Dort begann er auch seine musikalische Ausbildung. 1936 kehrte die Familie nach Stockholm zruück. Hier studierte Gedda am Konservatorium und gab 1952 als Chapelou in Adolphe Adams Oper "Le postillon de Lonjumeau" sein Bühnendebüt an der Königlich Schwedischen Nationaloper.

Aktiv bis ins hohe Alter

Sehr rasch wurde Nicolai Gedda aufgrund seiner hellen, sehr flexiblen Stimme, die bis ins hohe Alter einen jugendlichen Schmelz behielt, einer der gefragtesten Tenöre des 20. Jahrhunderts. Gedda sang an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt wie etwa der Pariser Oper, der Mailänder Scala, dem Royal Opera House Covent Garden, der Metropolitan Opera New York und natürlich auch an der Wiener Staatsoper.

In Wien debütierte Gedda am 30. Mai 1962 als Tamino anlässlich der Festvorstellung zur Eröffnung des Theaters an der Wien in ebendiesem Haus unter der Leitung von Herbert von Karajan.

Im Haus am Ring gab er in Folge u. a. den Sänger im "Rosenkavalier" von Richard Strauss, Don Ottavio, Herzog, Faust, Rodolfo, Cavaradossi, Gustaf III. ( Verdis "Un ballo in maschera") und Alfredo, den er auch bei der "Traviata"-Premiere 1971 sang.

Insgesamt gestaltete Gedda an der Staatsoper neun verschiedene Partien in 37 Vorstellungen. 1989 wurde er zum Kammersänger ernannt; seinen letzten Auftritt hatte Nicolai Gedda am 2. Juli 2001 mit einem umjubelten Liederabend.

Gedda, der auch als Konzert-,Lied-und Oratoriensänger begeisterte, ist neben Plácido Domingo übrigens jener Sänger mit der umfangreichsten Diskografie. Man kann Geddas Vermächtnis also nachhören.

Der ORF würdigt Nicolai Gedda am Sonntag um 9.35 Uhr in ORF 2 sowie um 19.15 Uhr auf ORF III mit dem Film „Ritter des hohen D - Der Tenor Nicolai Gedda“ von Michael Beyer.