Kultur
27.01.2012

"Jackpot": Theater-Niete für Kammerspiele

Kritik - Mit dem Stück "Jackpot" von Réjane Desvignes ziehen die Wiener Kammerspiele eine brachial-komische Theater-Niete.

Gute Schauspieler – so sagt man – können einem das Telefonbuch vorlesen, und es wäre dennoch packend. Insofern verfügt das Theater in der Josefstadt über sehr gute, ja exzellente Schauspieler, im konkreten Fall Schauspielerinnen. Denn ohne Hilde Dalik, Sona MacDonald, Alexandra Krismer und Silvia Meisterle wäre die Uraufführung von Réjane Desvignes’ "Jackpot" vermutlich unerträglich.

Komödchen

Dalik, MacDonald, Krismer und Meisterle aber machen selbst aus diesem dummen Komödchen noch etwas. Und das ist wirklich ganz große Kunst. Worum es geht? Eigentlich um nichts. Vier Freundinnen treffen einander im Park, eine muss kurz weg, lässt ihr Baby bei den anderen, und schon beginnt ein Reigen aus Sticheleien und Lästereien, der nach der Rückkehr der vierten Dame (und dem temporären Verlust eines Babys) in eine handfeste Schlägerei mündet.

Zu den von Regisseur Igor Bauersima (von ihm stammt auch das Baum-Bühnenbild) noch zusätzlich überzeichneten "Charakteren": Es gibt die blonde, strohdumme Sekretärin (hinreißend mit diesen Klischees spielend: Hilde Dalik), die toughe Fernsehmoderatorin (herb: Alexandra Krismer), die vielfache und wieder schwangere Mutter (betulich: Sona MacDonald) und die lebensfrohe Experimentalphysikerin (gut gelaunt: Silvia Meisterle).

Und es gibt eine so genannte "Handlung" mit moralischem Anspruch (Achtung: Neid ist was Böses), die bis zum völlig überzogenen und ebenso unglaubwürdigen (Happy-)End auf Brachial-Humor und Pointen im Bereich der Schenkelklopfer-Mentalität setzt.
Regisseur Bauersima, der bei Schnitzlers "Traumnovelle" das Publikum in den Schlaf wiegte, macht diesmal das Gegenteil und überdreht alles. Besser wird das Ganze dadurch aber nicht.

KURIER-Wertung: ** von *****

Fazit: Viel Lärm um fast gar nichts

Stück: Ein aufgeblähtes, letztlich moralinsaures Herumgetue um wenig bis gar nichts. Etliche Pointen sind unfassbar platt.

Regie: Igor Bauersima (auch Bühnenbild) verstärkt sämtliche Klischees noch zusätzlich, will durch Überdrehtheit von der inhaltlichen Leere ablenken. Leider erfolglos.

Spiel: Hilde Dalik, Alexandra Krismer, Sona MacDonald und Silvia Meisterle sind brillant.

Hilde Dalik: "Es ist schön, die Menschen zum Lachen zu bringen"

Sie ist eine große Komödiantin, liebt aber auch die leisen, tragischen Töne: Seit 2006 stellt Hilde Dalik als Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt ihre immense Wandlungsfähigkeit unter Beweis.

Aber was liegt ihr näher, Komödie oder Drama? "Das kann man kaum vergleichen", sagt Dalik. "Komödie ist fast schwerer zu spielen, weil die Pointen da ganz genau, mit höchster Präzision serviert werden müssen. Ich finde es viel anstrengender, in einem lustigen Stück zu spielen, Da hat man meist keine Atempausen."

Spaß machen Dalik komische Rollen aber schon. "Es ist schön, die Menschen zum Lachen zu bringen. Allzu viel zum Lachen gibt es in der Realität ohnehin nicht."

Daher hofft Dalik auch, dass die ORF-Erfolgsserie "Die Lottosieger" weitergeht. Dalik spielt darin bekanntlich die Friseurin Elfi und meint: "Die dritte Staffel ist jetzt abgedreht. Sollte es zu einer vierten kommen, bin ich gern wieder dabei."

Film und Fernsehen liebt Dalik. "Ich kann gar nicht sagen warum, aber es macht mir einen ganz großen Spaß, vor der Kamera zu stehen." Vielleicht auch deshalb weil sie eigentlich Filmregisseurin werden wollte? "Mag sein. Davon habe ich damals geträumt. Aber es ist so schwierig, in diese Branche hineinzukommen. Immerhin bin ich einem ähnlichen Metier gelandet." Lachender Nachsatz: "Sollte mir aber jemand die Chance geben wollen, Regie zu führen, egal, ob am Theater oder beim Film – ich bin bereit."

Bereit wäre Dalik auch für die eine oder andere Wunschrolle. "Ich liebe alles von Tschechow, überhaupt von den russischen Autoren. Da gibt es wunderbare Frauenrollen, bei denen man viel zeigen kann. Und eines Tages würde ich wahnsinnig gern die Blanche DuBois in ,Endstation Sehnsucht‘ spielen, aber da habe ich ja noch ein bisschen Zeit. Außerdem: So unterbeschäftigt bin ich an der Josefstadt auch wieder nicht."