Raoul Haspel: Druckgrafiken als Antwort auf Street Art

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Foto: Atelier Raoul Haspel / Alexandra Thompson Raoul Haspel neben seinem Werk "The good people".

Raoul Haspel über den Armin-Wolf-Geldschein, Corporate Art und sein nächstes Kunst-Projekt.

Groß geworden in einer Künstlerfamilie, fand Raoul Haspel schon sehr früh zu seiner kreativen Ader. Heute hat sich der 33-Jährige nicht nur der bildenden Kunst, sondern auch der Corporate Art verschrieben. Der KURIER traf den Erschaffer des Armin-Wolf-Geldscheins zum Gespräch:

KURIER: Sie haben vor kurzem mit dem Armin-Wolf-Geldschein für Aufsehen gesorgt, wie kam es dazu?
Raoul Haspel:
Das war ein kleines Spiel mit Social Media. Zum einjährigen Jubiläum seiner Facebook-Fanpage hat Armin Wolf den original vietnamesischen Geldschein mit 100.000 gepostet und gesagt "es wäre nett, wenn er zum Jubiläum 100.000 Likes hätte". Das habe ich sehr lustig und irgendwie auch etwas eitel gefunden. Deshalb habe ich in den Geldschein sein Gesicht, seinen Namen, meine Unterschrift und so weiter eingebaut und als er dann die 100.000 Likes erreichte, habe ich ihm das Bild gemailt. Ich wollte auch sehen, was sich da für Dynamiken erzeugen lassen.

Wie waren die Reaktionen darauf?

575576_562602053751668_1503633472_n.jpg Foto: Atelier Raoul Haspel Der Armin-Wolf-Geldschein. Von ihm habe ich eine total liebe Email erhalten. Er hat meine Collage auch sofort auf seine Facebook-Seite gestellt. Das wiederum hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst und der Traffic auf meiner Seite hat sich daraufhin für eineinhalb Monate verzehnfacht.

Was macht Ihre Kunst besonders?
Ich bin in zwei Welten zu Hause, da ist einmal die bildende Kunst wo mein Hauptaugenmerk auf Stencils und Installationen liegt und dann gibt es da noch die Corporate Art. Zweiteres sind Kunst- und Design-Projekte für Unternehmen, wo ich die herkömmlichen Funktionen des Marketing mit den hochsensiblen Schnittflächen von angewandter und bildender Kunst verwebe. Auch der Armin-Wolf-Schein kombiniert diese beiden Welten.

Was inspiriert Sie?
Reisen! Einfach weg zu sein und die räumliche Distanz schärfen meinen Blick. Aber natürlich sind auch die Eindrücke, die ich unterwegs sammle, wichtig für mich.

Wird es auch einmal eine Ausstellung geben?
Ja, klar. Ich arbeite gerade an einem Projekt mit Originaldrucken auf hauchdünnen Betonschichten, wie man am Beispiel „The good people“ sieht. Bei dieser Arbeit verschmilzt das Gesicht von Putin mit dem Kopf von Abraham Lincoln. Die Arbeiten erinnern an Stencils, eine Technik, die eigentlich aus der Street Art kommt.

Was für einen Hintergrund haben die Motive auf den Betonschichten?
Das sind meistens gesellschaftspolitische und gesellschaftskritische Ansätze. Ich möchte die Interpretationsmöglichkeiten bei dieser Serie aber lieber offen lassen.

Sie haben zuvor die Street Art erwähnt, wird man Ihre Kunst auch einmal auf der Straße finden?
Ist nicht ausgeschlossen, aber das ist mir schon ein bisschen zu ausgelutscht. Jemanden wie Banksy nachzueifern wäre mir auch zu einfach. Ich möchte eher meinen eigenen Weg finden und mit den Druckgrafiken eine Antwort auf Stencils und Street Art geben. Wie bei meiner geplanten Ausstellung, wo ich die für Street Art charakteristischen Oberflächen in sterile Ausstellungsräume bringe.

Wie entscheiden Sie, wo Sie ausstellen?
Ich habe bei einer Reihe von Gruppenausstellungen mitgewirkt, das werde ich vermutlich aber nie wieder. Bei Entscheidungen, wie der Location und den Menschen, die ich erreichen möchte, mache ich keine Kompromisse mehr.

www.corporateart.at

(KURIER) Erstellt am
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