© KURIER/Franz Gruber

Interview
10/18/2015

"Die Liebe ist unberechenbar"

Rod Stewart spricht über verwüstete Hotels, Privilegien von Sängern und seine Ängste.

von Brigitte Schokarth

Ich dachte lange, dass ich als Songwriter nicht gut genug bin." Deshalb konzentrierte sich Rod Stewart seit 2001 auf die Interpretation von Klassikern. Bis er seine Autobiografie "Rod" schrieb und durch die Erinnerungen begann, sehr persönliche Songs zu schreiben. Auch wieder für die kommenden Freitag erscheinende CD "Another Country".

KURIER: Sie haben das Album nach einem Song über Soldaten in Kriegsgebieten benannt . . .

Ich bin kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und unterstütze seit vielen Jahren Kriegsveteranen. Ich denke immer wieder: "Wie muss das wohl sein, wenn Soldaten in Kabul oder sonstwo, weit weg von ihren Kindern und der Frau, jeden Tag aufs Neue für unsere Freiheit ihr Leben aufs Spiel setzen?"

Sie sind bekannt als Ladykiller, der den Rockstar-Lebensstil voll ausgekostet hat, für Songs wie "Do Ya Think I’m Sexy". Ist das für Sie nicht ein recht ungewöhnliches Thema?

Songs wie "Batman Superman Spiderman" über meinen vierjährigen Sohn hätte ich mich früher tatsächlich nicht zu schreiben getraut. Dafür hätte ich mich geniert, weil das nicht zu meinem Image gepasst hätte. Aber ich war in meinen Zwanzigern. Da darf man saufen und vögeln. Und als Sänger bist du nun mal der, der die Mädchen bekommt. Jeder Gitarrist wird Ihnen das bestätigen. Das muss man ausleben. Manche von uns brauchen dafür halt länger als andere.

War das, was Sie heute das "Umgestalten von Hotelzimmern" nennen, auch etwas, das Sie ausleben mussten?

Das lag daran, dass wir mit den Faces in den Hotels in Amerika sehr schlecht behandelt wurden. Sie wollten uns dort nicht haben. Deshalb wurden die Zimmer nicht geputzt, und der Zimmerservice hat immer ewig gebraucht. Dort ein bisschen herumzuwüten, war unsere Rache. Deshalb bekamen wir von Holiday Inn Hotelverbot. Aber da haben wir dann halt als Fleetwood Mac eingecheckt. Die waren berühmter und gern gesehen.

Einer der Bonus-Songs ist "In A Broken Dream". Da geht es darum, alles zu haben, aber unglücklich zu sein. Ist der authentisch?

Der ist nicht von mir. Den habe ich 1960 aufgenommen, als ein Freund eine Band hatte, deren Sänger furchtbar war. Er bat mich, an dessen Stelle ein Demo aufzunehmen. Ich wurde mit Fußmatten für meinen Sportwagen bezahlt und hab das wieder vergessen. Bis vor sechs Monaten, als A$AP Rocky ihn gesampelt und damit einen Hit hatte. Der Song ist uralt. Ist Ihnen der Unterschied in meiner Stimme aufgefallen?

Ja, natürlich.

Das liegt an der Schilddrüsen-Sache: 2000 dachte man, dass ich Schilddrüsen-Krebs habe. Das stimmte nicht, das Geschwür war gutartig. Aber ich musste operiert werden, was meine Stimme stark verändert hat.

Sie sind im Jänner 70 geworden. Haben Sie nach wie vor den selben Spaß am Business?

Sogar mehr. Denn jetzt muss ich nicht mehr arbeiten. Ich habe ein paar Pennys gemacht und bestimme selbst, wann ich auf Tour gehe. Und das tue ich immer nur dann, wenn meine Kinder Ferien haben. Aber ich liebe das Singen, es hält mich jung.

Was hält Sie sonst noch jung?

Ich trainiere viel, denn meine größte Angst gilt meiner Gesundheit. Da bin ich paranoid, ich lass mich permanent durchchecken. Aber ich habe auch Glück. Ich habe noch dichtes Haar und gute Wangenknochen – wie meine Frau mir immer wieder sagt.

Wäre "The Voice" eine Option, wenn Sie jetzt starten müssten?

Vielleicht. Das ist eine gute Chance, ich habe so viele talentierte Leute gesehen, die es nie geschafft haben. Ich glaube aber, ich würde vorher ins Pub gehen müssen.

Ihre Tipps für junge Musiker?

Ich glaube, dass es eine Lehrzeit braucht, in der man in stinkenden Vans die Autobahnen auf und abfährt und durch die Clubs tingelt, um ein guter Performer zu werden. Ansonsten: Hingabe und entsprechender Einsatz. Als ich jung war, wollten wir nicht unbedingt reich werden. Und ganz sicher nicht berühmt. Aber es war, als würde da eine Flamme in meiner Brust brennen: Ich wollte nichts anderes als singen.

Einer der neuen Songs ist "Love Is". Was ist die Liebe für Sie?

Sie ist wunderbar. Und unberechenbar. Ich habe immenses Glück, dass ich eine entzückende Frau habe, in die ich immer noch verliebt bin. Denn früher hatte ich nur körperliche Beziehungen, aber keine Liebe. Das war damals zwar alles, was ich wollte, aber es ist auf Dauer nicht wirklich erfüllend.

Zur Person

Roderick Stewart wurde am 10. 1. 1945 in London geboren. 1962 begann er als Straßensänger, tourte später mit Long John Baldry und war mit seinem Freund Ron Wood (heute Rolling Stones) in der Jeff Beck Group und bei den Faces.

Den Durchbruch als Solist hatte er 1971 mit „Maggie May“. Seither hat er an die 100 Millionen Platten verkauft . In den Nuller-Jahren feierte er als reiner Interpret mit der „The Great American Songbook“-Serie sensationelle Erfolge in den USA. Er hat acht Kinder und lebt mit seiner dritten Frau Penny Lancaster in Los Angeles.

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