Laurence Rupp spielt  in „Vier“, „Landkrimi Niederösterreich“, einen Mann, der mit seinem Lebenspartner ein Haus renoviert

© ORF/ORF/Film AG/Julia Dragosits

ROMY
03/22/2021

Interview mit Laurence Rupp: Von Paul Celan zum Actionhelden

Der Wiener Schauspieler Laurence Rupp ist als beliebtester Darsteller für „Barbaren“ und „Vorstadtweiber“ für eine ROMY nominiert

von Alexandra Seibel

Zuletzt sah man Laurence Rupp als Kleinganoven Leo in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ – und als Groß-Kämpfer Arminius  in der Schlachten-Serie „Barbaren“, der erfolgreichsten deutschsprachigen Produktion auf Netflix. Im Sommer dreht Laurence Rupp die zweite Staffel. Derzeit arbeitet der 1987 geborene Wiener an einer Serie für Sky namens „Souls“ und wird noch in diesem Jahr in dem ORF-Landkrimi „Vier“ zu sehen sein.

KURIER: Herr Rupp, Sie wurden als beliebtester Schauspieler in den Serien „Barbaren“ und „Vorstadtweiber“ für eine ROMY nominiert. Haben Sie sich gefreut?

Laurence Rupp: Ja, sehr. Ich verfolge die ROMY-Verleihung schon seit ein paar Jahren, und das ist meine erste Nominierung. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, dass ich da gesehen wurde.

Sie haben auf Instagram eine Liebeserklärung an Romy Schneider in dem Film „Der Swimmingpool“ gemacht. War das nur ein Wortspiel auf den ROMY-Preis oder hat Sie der Film wirklich so beeindruckt?

Ja, das hatte schon Hand und Fuß. „Der Swimmingpool“ war der erste Film mit Romy Schneider, den ich bewusst wahrgenommen habe. Damals war ich 15 oder 16 und sehr beeindruckt. Auch von Alain Delon, den ich davor nicht gekannt hatte.

Sind Sie eigentlich mit Kino und Filmen aufgewachsen?

Ja, bin ich. Mein Vater ist Produktionsleiter beim Film und hat uns Kindern seine Begeisterung für Film und Geschichten weitergegeben. Wir haben sehr viele Filme geschaut und gingen auch viel ins Kino. Außerdem durften wir schon ganz früh die ganz „schlimmen“ Filme ansehen. Bei meinen eigenen Kindern bin ich nicht so freizügig (lacht). Deswegen lieben sie auch den Opa so, weil sie dort alle Filme anschauen dürfen, die sie zu Hause nicht sehen können.

Geht Ihnen während des Lockdowns das Kino ab oder sind Sie schon längst auf die Couch übersiedelt?

Absolut nicht. Natürlich sind die Streaming-Angebote sehr angenehm und komfortabel, können aber in meinen Augen das Kino nicht ersetzen. Ich mag diesen Vorgang: Sich mit anderen Leuten – auch wenn ich sie nicht kenne – als Gruppe in einen Raum zu begeben und sich dort auf eine Geschichte einzulassen. Das Licht fährt herunter, der Sound beginnt – das alles hat etwas, was man zu Hause einfach nicht kriegen kann. Und das vermiss ich wahnsinnig. Das Theater natürlich auch. Auch da geht man gemeinsam auf eine Reise. Zu Hause vor dem Fernseher macht man diese Reise allein. Also ja, ich vermisse das Kino sehr.

Weil Sie das Theater erwähnen: Sind Sie noch am Berliner Ensemble?

Nein. Dort war ich ein Jahr und habe dann noch ein bisschen als Gast weitergespielt. Jetzt bin ich wieder frei. Ein fixes Engagement wäre bei den Dreharbeiten für „Barbaren“ gar nicht möglich gewesen. Das hätte kein Intendant mitgemacht, mich für sechs Monate nicht zu sehen.

Haben Sie das Theater also gerade hinter sich gelassen?

Nein, gar nicht, aber ich habe es bis jetzt noch leider nicht geschafft, Film und Theater unter einen Hut zu bekommen. Ich glaube, ein Ensemble-Engagement habe ich jetzt mal für eine Weile hinter mir gelassen, aber ich würde sehr gerne wo ein Stück als Gast machen.

Sie haben Ihre Schauspielkarriere in einer Folge von „Kommissar Rex“ begonnen. Haben Sie da gleich Feuer gefangen?

Ja, ich bin mit elf Jahren zum ersten Mal vor der Kamera gestanden. Das hat Spaß gemacht, aber ich habe mir damals nicht gedacht, dass ich unbedingt diesen Beruf ausüben möchte. Der Gedanke kam mir erst später.

Sie wollten ursprünglich gar nicht Schauspieler werden?

Nein. Lieber Pilot. Oder Augenchirurg (lacht). Nachdem mein Vater Produktionsleiter beim Film war, kannte ich dieses Gewerk ein bisschen. Als Kind fand ich dieses Gefühl ungut, dass der Papa einmal ganz viel Geld hat und dann wieder gar keins, weil er gerade keinen Job hat. Als Kind und Jugendlicher war das nicht ganz zu begreifen. Ich wollte daher einen Beruf mit einem regelmäßigen Einkommen haben, bei dem ich abgesichert bin. Deswegen erschien mir ein künstlerisches Leben nicht vorstellbar. Erst, als ich in meinem ersten Kinofilm „In 3 Tagen bist du tot“, mitspielte, habe ich Blut geleckt. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben, an dem ich beschlossen habe, dass ich diesen Beruf machen möchte.

Sie waren eigentlich schon recht gut im Schauspielgeschäft, als Sie sich an das Max-Reinhardt-Seminar beworben haben. Warum wollten Sie die Ausbildung nachholen?

Die Entscheidung, auf das Seminar zu gehen, war ein bisschen Jux und Tollerei. Ich wollte einfach wissen, wie weit ich komme. Als sie mich dann tatsächlich aufgenommen haben, war ich kurzfristig überfordert, weil ich eigentlich an der Boku Umwelt- Bioressourcen-Management studierte. Doch dann habe ich die Herausforderung angenommen. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass das Theater die Mutter der Schauspielkunst ist, und ich verspürte den Drang, das kennenzulernen. Für mein subjektives Empfinden war das wichtig: Sagen zu können, ich habe die Schule gemacht und ich kann mich jetzt mit Fug und Recht „Schauspieler“ nennen.

In Ruth Beckermanns Film „Die Geträumten“ lesen Sie Briefe von Paul Celan und wirken zart und sensibel. In Ihren Rollen danach – als Elite-Polizist in „Cops“, als Kämpfer Arminius in „Barbaren“ oder als Kleinkrimineller Leo in „Vorstadtweiber“ – tragen Sie Muskelpakete und verkörpern einen gänzlich anderen Männertypus. Kam da ein Wendepunkt?

Lustigerweise war es in letzter Zeit bei meinen Rollen oft gefordert, dass mein Körper sehr muskulös und gut trainiert aussieht. In meiner Rolle als Leo in „Vorstadtweiber“ sieht man noch die Trainingsnachwirkungen von „Cops“, beziehungsweise sieht man schon die Vorbereitungen für die „Barbaren“. Ich habe mich nicht für Leo, sondern für die „Barbaren“ aufgepackelt. Es hat aber auch zu der Figur des Leo sehr gut gepasst: Er ist jemand, der ins Fitness-Center geht und Spaß an Körperkult hat.

Macht Ihnen die körperliche Seite Ihrer Arbeit als Actionheld Spaß?

Oh ja, es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir das keinen Spaß macht. Ich war immer schon ein sehr körperlicher Mensch, bewege mich gerne und mache sehr gern Sport. Sich dann gezielt körperlich auf eine Rolle vorzubereiten, ist für mich das absolute Non plus Ultra. Für „Barbaren“ hatte ich einen Pferdetrainer, einen Stunttrainer und einen Schwertkampftrainer. Das war ein bisschen wie ein Bubentraum, der wahr geworden ist: Einen Ritter spielen zu dürfen und in die Ritterschule zu gehen. Ich ging nicht nur in die körperliche Ritterschule, sondern hatte auch Latein und bekam Gelehrtenunterricht. Es war Ritterschule, wie man sich das vorstellt.

Was war schwieriger: Schwertkampf oder auf Latein sprechen?

Beides. Es ist total gut vergleichbar, weil man einfach Auswendiglernen muss. Es geht dabei um stupides, langes Wiederholen. Und je öfter man wiederholt, desto besser kommt es in den Körper und in das Langzeitgedächtnis. Ich bin mit körperlichen Sachen recht geschickt, deswegen fiel mir das grundsätzlich leichter. Am Latein habe ich mir die Zähne ausgebissen und manchmal auch die Nerven weggeschmissen. Schauspieler kennen das Gefühl: Du lernst, und eine Stunde später willst du es wiederholen und hast das Gefühl, du hast diesen Text noch nie zuvor gehört. Es ist alles weg. Und umso fremder die Sprache ist, umso öfter passiert das. Hinzu kam, dass meine Lateinprofessoren sehr genau waren und großen Wert auf richtige Betonung legten. Das war schon sehr knifflig, hat aber auch Spaß gemacht. Da braucht man halt Sitzfleisch.

Hatten Sie ein Vorbild für Ihre Rolle als Arminius?

Mein absoluter Hero in Sachen Römer ist Russell Crowe als Maximus in „Gladiator“. Gleich beim ersten Treffen mit der Maskenbilderin habe ich gesagt, dass ich gerne genau die Frisur von Russell Crowe als „Gladiator“ hätte. Es war dann zwar nicht exakt der gleiche Haarschnitt, aber ich habe mir seine Frisur ein bisschen geborgt.

Barbaren“ war die erfolgreichste, deutschsprachige Serie auf Netflix. Empfinden Sie das als Life-Changing-Moment Ihrer Karriere oder sieht das von außen größer aus, als es sich von innen anfühlt?

Ja, genau. Ich kann da jetzt nur von mir sprechen, aber es war immer schon so: Sobald ich ein Ziel, das ich mir gesteckt habe, erreiche, habe ich mich auch schon wieder daran gewöhnt und nehme es als gegeben hin. Und dann frage ich mich sofort: Okay, wie geht es weiter? Zuerst schien es mir gar nicht vorstellbar, an so einer großen Sache wie der der Netflix-Produktion teilzunehmen und noch dazu die Nummer eins zu sein. Aber danach kam sofort das Gefühl: Was ist der nächste Schritt? Auch wenn es von außen so aussieht, als wäre es Life- und Game-Changing, fühlt es sich von innen nicht so an. Es herrscht ja auch Corona und ich konnte die Früchte dieser Arbeit vielleicht auch noch gar nicht so richtig ernten. Aber natürlich bin ich wahnsinnig stolz auf die Rolle.

Was wäre denn jetzt für Sie der nächste Schritt?

Ich hatte immer das Ziel, mich im deutschen Film- und Fernsehbereich zu etablieren. Das ist mir bis vor den „Barbaren“ nicht wirklich gelungen, weil immer das Dialektproblem im Vordergrund stand und mein österreichisches Sprechen in Deutschland nicht als Hochdeutsch anerkannt wurde. In unserer global vernetzten Welt erscheint mir das absurd. Da muss man nicht mehr erklären, warum jemand, der in Berlin lebt, eine österreichische Sprachfärbung hat. Aber egal. Ich finde jedenfalls, dass die Deutschen sehr gutes Kino, vor allem aber auch ziemlich gutes Fernsehen machen. Ich denke da an Serienarbeiten wie Dominik Grafs Mini-Serie über die Russenmafia „Im Angesicht des Verbrechens“ oder Christian Schwochows Dreiteiler „Mitten in Deutschland“ über deutschen Rechtsextremismus. Diese Serien haben Event-Movie-Charakter mit Tiefgang. Das können die Deutschen gut. Ich glaube, durch „Barbaren“ bin ich jetzt bei vielen auf den Schirm gekommen. Mal schauen, wohin sich das alles entwickelt.

Gibt es schon konkrete Angebote beziehungsweise neue Projekte?

Im Moment mache ich gerade eine spannendes Sky-Serie für Deutschland , die „Souls“ heißt und in der ich einen Piloten spiele. Daran arbeite ich bis Juni, dann starten die Dreharbeiten zur zweiten Staffel „Barbaren“. Sonst ist noch nichts geplant.

Apropos Staffel: In der letzten Staffel von „Vorstadtweiber“ stirbt ihre Figur Leo. Wollten Sie das oder wollte es das Drehbuch?

Ich musste aussteigen, weil der Dreh zu „Barbaren“ startete. Die Serienmacher sind mir sehr entgegen gekommen und haben mir keine Steine in den Weg gelegt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich ab Folge fünf weg muss. Der Rest kam aus der Feder von Drehbuchautor Uli Brée. Da habe ich mich nicht eingemischt (lacht).

Sind Sie jemand, der beim Spielen auch gerne an Grenzen geht?

Ja. Es ist natürlich sehr davon abhängig, wie gut man sich bei der Regie aufgehoben fühlt und wie notwendig eine extreme Szene erscheint. Was beispielsweise Sexszenen betrifft: Wenn ich meinen Penis oder meinen Popo in die Kamera halte, frage ich mich vorher, inwieweit diese Szene etwas über die Figur erzählt. Einfach nur Sex um des Sex willen zu zeigen, finde ich nicht erstrebenswert. Aber grundsätzlich bin ich schon jemand, der gerne an Grenzen geht und es mag, wenn ich etwas spüre – auch, wenn es weh tut. Wenn ich das Gefühl habe, es geht um etwas, treibt mich das an.

Als nächstes sind Sie in dem Landkrimi „Vier“ im ORF zu sehen. Das klingt, als würden Sie darin wieder einen komplett anderen Typus Mann als zuletzt verkörpern, oder?

Ja. Und das hat Riesenfreude gemacht. Ich spiele einen Mann, der mit seinem Lebenspartner, gespielt von Manuel Rubey, aufs Land zieht und dort ein Haus renoviert. Im Zuge dessen finden sich drei Babyleichen. Der Kriminalfall ist bald gelöst, aber es wird klar, dass meine Figur ein großes Geheimnis hat.

Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseurin Marie Kreutzer?

Super. Die Zusammenarbeit mit Marie Kreutzer hat mir unglaubliche Freude gemacht. Ich habe mich wieder wie ein Kind gefühlt, dass dazu angehalten wird, zu spielen – und dafür auch noch bezahlt wird. Das war ein tolles Gefühl. Das passiert auch nur alle drei bis fünf Jahre, dass man Projekte macht, die einen wieder so richtig an den Beruf glauben lassen. Die Begegnung mit Marie Kreutzer hat mich nachhaltig bewegt. Da weiß man dann wieder, warum man Schauspieler geworden ist.

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