Tilda Swinton bekämpft Zombies mit dem Samurai-Schwert: „The Dead Don’t Die"

© Frederick Elmes / Focus Features/UPI

Kultur
06/09/2019

Interview mit Jim Jarmusch: "Vampire sind mir lieber"

Der US-Regisseur Jim Jarmusch spricht über seine große Sorge um die Umwelt und seinen Hass auf Zombies und Trump.

Jim Jarmusch hat eine Tragikomödie mit Zombies gedreht. In „The Dead Don’t Die“ (Kinostart: Donnerstag) kriechen die Untoten aus den Gräbern und erschrecken drei Provinzpolizisten. Bill Murray, Kollege Adam Driver und Chloë Sevigny tun ihr Möglichstes, um die Kleinstadt zu schützen, stoßen jedoch bald an ihre Grenzen.

Jim Jarmusch, der bereits mit 15 Jahren graue Haare bekam, hat auch im Alter von 66 seinen Touch of Cool nicht verloren. Der „Down by Law“-Regisseur zählt zu den hervorragendsten Vertretern des amerikanischen Independent-Kinos und ist berühmt für seinen lakonischen Humor. Außerdem liebt er Kritiken, in denen seine Filme verrissen werden.

KURIER: Herr Jarmusch, sind Sie ein Horror-Fan? Zuerst haben Sie mit „Only Lovers Left Alive“ einen Vampir-Film gedreht, jetzt liefern Sie mit „The Dead Don’t Die“ einen Zombie-Film.

Jim Jarmusch: Ehrlich gesagt, nein. Ich bin ein Film-Fan, aber kein Horror-Filmfan. Und unter den Horror-Filmen mag ich die Zombie-Filme am allerwenigsten. Wenn ich die Wahl zwischen Vampiren und Zombies hätte, würde ich mich für die Vampire entscheiden. Vampire sind sophisticated, elegant und erotisch, und sie können sich in Wölfe oder Fledermäuse verwandeln. Zombies hingegen sind einfach nur verblödete Deppen, die als Untote durch die Gegend wackeln.

Äh...warum haben Sie dann einen Film über Zombies gemacht, wenn Sie sie so daneben finden?

Eigentlich ist es die Schuld von Tilda Swinton (lacht). Sie spielt ja in „Only Lovers Left Alive“ eine Vampirin und hat mich danach immer wieder gefragt, wann wir endlich unseren Zombie-Film drehen werden. Es gibt natürlich auch großartige Zombie-Filme, und George Romero (Regisseur von „Die Nacht der lebenden Toten“, 1968) war ein echter Meister des postmodernen Zombie-Genres. Außerdem bieten sich die Untoten auf so vielen Ebenen als Metapher an, dass ich letztlich nicht widerstehen konnte.

Apropos Metapher: In „The Dead Don’t Die“ spielt zuerst die Umwelt verrückt, bevor die Toten aus den Gräbern steigen. Wie wichtig war Ihnen diese Thematik?

Ich finde, der Klimawandel ist die größte Herausforderung für unser menschliches Überleben. Die Vorstellung, dass manche diese Tatsache ignorieren, beunruhigt mich zutiefst. Ich habe große Sympathie für alle jungen Leute, die heute auf die Straße gehen und für das Wohl unserer Umwelt kämpfen. Dabei zähle ich selbst zu den Umweltsündern: Ich fahre ein Auto mit fossilen Brennstoffen, fliege mit dem Flugzeug, trinke Wasser aus Plastikflaschen und mache Zombie-Movies. Ich bin also ganz klar kein Aktivist, aber ich bewundere all jene, die sich engagieren. Meiner Ansicht nach leidet unsere Gegenwart schwer an einem Mangel an Empathie, vor allem bei Politikern. Wir werden von gierigen Konzernen kontrolliert und stehen einem sterbenden Planeten gegenüber. Diese ökologische Krise ist wirklich dramatisch.

Ihr Film wurde in Cannes als Anti-Trump-Film angekündigt. Was halten Sie davon?

Ich schere mich einen Dreck um Trump. Trump ist einer von den vielen narzisstischen, mächtigen Menschen, die keinerlei Empathie empfinden. Darauf reagiere ich in „The Dead Don’t Die“. Und ja, einer meiner Figuren (Steve Buscemi als rassistischer Republikaner, Anm.) trägt eine rote Baseballkappe wie Trump. Aber zu behaupten, mein Film handle von Trump ist eine echte Beleidigung. Freunde von mir hassen Trump zutiefst und verbringen dadurch mehr Zeit mit ihm als mit irgendetwas anderem. Das verstehe ich nicht. Trump ist ein Typ aus dem Reality-Fernsehen, ein Lügner und ein Blödmann. Ich habe keine Lust, mich mit ihm zu beschäftigen.

Wie hat eigentlich Iggy Pop reagiert, als Sie ihm eine Rolle als Zombie angeboten haben?

Er meinte: „Ein Zombie? Okay, cool.“ Er ist ein alter Freund von mir, den ich sehr bewundere. Aber ich konnte meine Schauspieler nicht gut bezahlen. Wir hatten wenig Budget und wenig Zeit. Es regnete andauernd und wir mussten lange Pausen machen. Dann bekam ich eine Lungenentzündung und hätte mich eigentlich ins Spital legen müssen. Es war wirklich ein schwieriger Dreh, schwieriger noch als für meinen Film „Dead Man“. Doch damals war ich halb so alt und widerstandsfähiger.

Weil Sie Ihre anderen Filme erwähnen: Tilda Swinton spielt eine Samurai-Kämpferin und erinnert an die Rolle von Forest Whitaker in Ihrem „Ghost Dog“. Flirten Sie ein bisschen mit dem eigenen Filmwerk?

Auf keinen Fall. Es gibt Schauspieler, mit denen ich immer wieder zusammenarbeite, und womöglich gibt es auch Themen, die sich durch meine Filme ziehen. Aber ich würde mich nie bewusst selbst zitieren. Im Gegenteil: Ich schau mir meinen Film einmal im Kino mit Publikum an, das nicht weiß, dass ich da bin. Dann nie wieder. Nostalgisch in Erinnerungen schwelgen, ist nicht mein Ding.

Adam Driver, Kylo Ren aus „Star Wars“, spielt eine Hauptrolle, und es gibt in Ihrem Film einen Witz darüber. Stimmt es, dass Sie noch nie einen „Star Wars“-Film gesehen haben?

Absolut. Ich werde ohne „Star Wars„ in mein Grab sinken. Es reicht mir schon, dass ich alles über diese Filme weiß – ohne je einen gesehen zu haben!

Lesen Sie Filmkritiken?

Nur die wirklich wüsten Verrisse. Ich liebe sie. Ich arbeite Jahre lang an meinen Filmen, sie sind wie meine Kinder. Wenn sie jemand dann so richtig hasst, ist das total interessant für mich. Das will ich unbedingt lesen.