Kultur
27.11.2018

Ina Regen ist auf der Suche nach dem Innen-Drinnen

Die "Wie a Kind"-Sängerin hat im ausverkauften Porgy & Bess ihr Debütalbum präsentiert.

 

„Wir leben in einer Zeit, in der es stark darum geht, über die Sozialen Medien Perfektion nach außen zu tragen. Der Druck, immer alles richtig zu machen, ist groß.“

Das sieht Ina Regen als Grund dafür, dass ihr Song „Wie a Kind“ Ende vorigen Jahres so viele Leute berührt und sie selbst über Nacht ins Rampenlicht der österreichischen Musik-Szene gehoben hat: „Der Song zeigt Verletzlichkeit“, erzählt die 34-Jährige Oberösterreicherin im Interview mit dem KURIER. „Man glaubt, so perfekt sein zu müssen, wie die Erfolgreichen im Fernsehen oder auf Instagram. Es ist aber ganz natürlich, dass man manchmal zweifelt und mit seinen eigenen Entscheidungen hadert, weil das Leben einfach nicht so ist, dass immer alles perfekt sein kann. Man richtet sich so viel nach äußeren Maßstäben, dass das Innen-Drinnen verloren geht.“

Dem Überraschungshit „Wie a Kind“ hat Regen, die bürgerlich Regina Mallinger heißt, jetzt das Album „Klee“ folgen lassen, bei dem auch die anderen Songs in eine ähnliche Kerbe schlagen wie „Wie a Kind“.

„Ich singe darüber, was es heißt, Mensch zu sein“, sagt die Musikerin, die als Musical-Sängerin begann, dann Jazz studierte, Solistin einer Brassband war und als Backgroundsängerin arbeitete.

„Es geht bei mir viel um die vielen Überraschungen, die das Leben bietet und die unterschiedlichen Wege zum individuellen Glück. Der Titel ,Klee’ hat deshalb gut gepasst, weil mir der Gedanke gefällt, dass ein vierblättriges Kleeblatt eigentlich ein Gendefekt, also eine Abartigkeit ist, gleichzeitig aber ein Glückssymbol!“

Lebenstraum

Es hat gedauert, bis Regen es wagte, sich den Lebenstraum zu erfüllen und die eigenen musikalischen Visionen zu verwirklichen, anstatt nur anderen dabei zu helfen. Ein prägendes Ereignis dabei war der Tod der Mutter eines nahestehenden Menschen, den sie in dem Song „Und dann gehst“ verarbeitet: „Da wurde mir klar, wie kostbar jeder Tag ist, dass ich mein Leben voll auskosten will und viel zu viel Zeit mit Zögern und Zweifeln verbringe.“

Der zweite Auslöser war eine Marokko-Reise, die ihr Selbstbewusstsein und Kraft gab: „Auf dem Trip waren wir vier Mädchen. Im Vorfeld haben alle gesagt, das ist gefährlich, in so einem Land braucht ihr unbedingt einen Mann, der mitfährt, sonst werdet ihr nur belästigt. Aber das Gegenteil war der Fall. Wir sind auf so viel Hilfsbereitschaft gestoßen. Zum Beispiel, als wir eine Autopanne hatten: Drei Männer haben uns zu nächsten Tankstelle geschleppt, und wir dachten zuerst, oh je, die können jetzt alles mit uns machen. Aber ich habe mich dann bewusst dazu entschlossen, positiv zu bleiben und auch dieser Situation gewachsen zu sein. Die haben uns dann nicht nur abgeschleppt, sondern auch noch zum Essen eingeladen.“

Regens Resümee daraus: Wenn man Offenheit ausstrahlt, kommt das zurück. Und: „Reisen, Erfahrungen in fremden Ländern, sind eine großartige Horizonterweiterung. Deshalb kommt Fernweh bei mir oft vor. Ich will in meinen Songs vertreten, dass es wichtig ist, über Grenzen zu schauen – seien es Ländergrenzen, oder persönliche und kulturelle Grenzen.“