© Raphael Moser

Musik
10/23/2019

Hunney Pimp rappt Liebesgeschichten à la Bonnie und Clyde

Die heimische Musikerin Hunney Pimp rappt, singt und schmachtet sich auf dem Konzeptalbum "Chicago Baby" im Dialekt durch die 60er-Jahre.

von Marco Weise

Manchmal können Geschenke den Horizont erweitern und nachhaltig beeinflussen. Bei Hunney Pimp führte etwa eine CD, die sie zum zwölften Geburtstag von ihrer Schwester überreicht bekam, zwei große Leidenschaften zusammen: Musik und Sprache. Der Grund dafür war ein Song des US-Rappers Eminem. „Diese Nummer hat mich umgehauen, weil ich gemerkt habe, dass ich plötzlich Singen und Texten miteinander verbinden kann. Ich habe als Teenager gerne geschrieben. Und Musik war in unserer Familie schon immer ein Thema. Wir haben sehr viel mit meinem Papa gesungen“, erinnert sich die 29-Jährige, die ihren bürgerlichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, im KURIER-Gespräch.

Eminem war aber nur der Büchsenöffner für jene Rap-Welt, in die sie danach immer weiter vorgedrungen ist. Zuerst nur als Beobachterin im Hintergrund, denn selbst zu rappen, hat ihr einige Überwindungskraft gekostet: „Ich habe mich am Anfang einfach unsicher gefühlt, vor Publikum – insbesondere Männern – zu rappen. Deswegen finde ich Räume, in denen sich Frauen ausprobieren können, so wichtig, wie zum Beispiel die Plattform Femme DMC.“

In Wien wagte die in der Nähe von Braunau aufgewachsene Künstlerin unter dem Pseudonym Maddah Rah ihre ersten Gehversuche als Solo-Künstlerin. Nun will sie als Hunney Pimp richtig durchstarten.

Dialekt

Unter diesem Alter Ego veröffentlicht sie am Freitag ihr neues Album. Es nennt sich „Chicago Baby“ und ist ein Konzeptalbum. Die Rapperin stellt nämlich im Internet zu jedem ihrer acht neuen Songs ein Video bereit, die zusammen einen Film ergeben. In diesem inszeniert sich Hunney Pimp als edle Gaunerin, mit der man sich am besten nicht anlegt. Es ist eine Bonnie-&-Clyde-Geschichte, in der sie den Bogen zwischen Mafia-Ästhetik und Kitsch, zwischen dem Guten und Schlechten auf dieser Welt spannt.


„Es geht aber auch um eine Romanze, die sich nach und nach als Lüge entpuppt. Anfänglich sieht man ja alles durch die rosarote Brille, aber mit Fortdauer einer Beziehung merkt man, dass das eigene Bild nicht der Realität entspricht“, fasst sie ihre jüngsten Liebesturbulenzen zusammen, die auch Auswirkungen auf die Musik hatten: Hunney Pimp verpasste sich für „Chicago Baby“ mit ihrem Produzenten Melonoid einen Neuanstrich. Aktuelle Hip-Hop-Trends wurden dafür nicht aufgegriffen. Stattdessen setzt man auf einen gefälligen Genre-Mix aus Pop, Jazz, Swing, Soul, Oldschool-Rap und Reggae. „Die Idee war es, alten mit neuen Sound zu kombinieren. Einiges geht gar in eine Ella Fitzgerald-Richtung“ – dargeboten im Dialekt oberösterreichischer Prägung. „Einige Menschen finden es schiach, wenn ich auf Dialekt rappe. Aber das stört mich nicht, denn ich mache das aus Überzeugung. Es ist nichts gekünstelt, alles kommt direkt aus meinem Herzen.“

Tipp: Hunney Pimp präsentiert am 8. 11. ihr Album live in der Roten Bar im Volkstheater Wien.

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