© Sepp Gallauer

Kultur
09/15/2012

Horváth mit Happy End? Das geht!

Kritik: Das Theater in der Josefstadt eröffnet die Spielzeit mit "Kasimir und Karoline". Eine grandios grausame Inszenierung.

von Michaela Mottinger

Es ist offensichtlich das Stück der Stunde, Ödön von Horváths mitten in der Weltwirtschaftskrise von 1929 uraufgeführtes Drama "Kasimir und Karoline". Drei Inszenierungen des Werks gibt es in Wien im September.

Den Anfang machte das Theater in der Josefstadt mit einer Arbeit von Regisseur Georg Schmiedleitner, der seine Schauspieler zu einer sehr gelungenen Ensembleleistung animierte.
Harald Windisch und Katharina Straßer verkörpern die beiden Titelrollen. Er, der gerade gekündigte, ang’fressen-melancholische Chauffeur. Sie, ganz lebenslustige Wiesn-Braut, die sich am Münchner Oktoberfest amüsieren will. Achterbahnfahren und ein Eis essen!
Und dabei ein paar seltsamen Sexbesessenen in die Arme läuft. Schon lange nicht mehr spielte die Straßer so gut. Zwischen Naivität und der Berechnung, einen "besseren Herren" zu ergattern, taumelnd, lässt sie sich von den Männern wie eine Puppe über die Bühne zerren.
Physische Gewalt dominiert Schmiedleitners Inszenierung. Sentiment findet keinen Platz. So kalt und klar wie die Text-Interpretation ist dazu der an Seilen baumelnde Leuchtkubus von Bühnenbildner Harald Thor, in und um den geturnt wird.

Windisch und Straßer sind ein schönes Paar, nur getoppt vom "unschönen". Thomas Mraz als Kleinkrimineller Merkl Franz und die aus der Karenz zurückgekommene, wunderbare Gerti Drassl als seine Erna dominieren das Geschehen.

Sie zeigen exemplarisch vor, wie man bei Horváth die Grausamkeit mit der Groteske verbindet. Jeder Blick, jede Geste, jedes ins Gesicht geschüttete Maß Bier sitzt.

Allzu Unmenschliches

Als Trio infernal sorgen Friedrich Schwardtmann als Faktotum, Herbert Föttinger als notgeiler Speer und Heribert Sasse als "Saubär" Rauch dafür, dass einem die Lacher im Hals stecken bleiben.

Zynisch-hinterhältig lassen der Herr Landgerichtsdirektor und der Herr Kommerzienrat das allzu Unmenschliche durchschimmern. Nehmen mit zackigem Armheben vorweg, was kommen wird.
Ein Kabinettstückchen, angeleitet vom furios agierenden Sasse, wie sie ekelhaft schmierig die Welt, die ohnedies ihnen gehört, mit Macht manipulieren wollen.
Bleibt Peter Scholz als biederer Brillenträger Schürzinger. Opportunist ist sein Zuschneider immer noch, aber auch sooo lieb. Kein Wunder, dass Karoline zum Schluss mit ihm in eine lichtere Zukunft aufbricht. Erna hingegen fällt verliebt dem Kasimir um den Hals. Ihren Franz haben sie ja verhaftet.
Horváth und Happy End? Schmiedleitner mag’s halt.
Kein Vorwurf deswegen.

KURIER-Wertung: **** von *****

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