Horror in beklemmender Plattenbau-Umgebung: Charly Hübner hat als Hausmeister einiges zu tun  
 

© Sky Deutschland AG und Sky Deuts/Reiner Bajo

Kultur
10/28/2020

Horror-Serie "Hausen" auf Sky: Ein Plattenbau, der Seelen frisst

Der Schauspieler Charly Hübner über seine Rolle als Hausmeister im Horror-Haus. "Hausen", ab Donnerstag auf Sky.

von Marco Weise

Rechtzeitig zu Halloween startet auf dem Bezahlsender Sky die deutsche Horror-Serie „Hausen“, in der einen gleich zu Beginn eine bleierne Trostlosigkeit und Finsternis durchdringt: Man begleitet ein mutterloses Vater-und-Sohn-Gespann durch die Gänge ihres neuen Zuhauses – es ist ein trister und abgefuckter Plattenbau. Eigentlich will man hier nur eines: nämlich schnell wieder weg. Aber Jaschek Grundmann (Charly Hübner), der Vater, ist gekommen, um zu bleiben: Er tritt den schweren Job als Hausmeister an. Das Problem: Es spukt hinter den Fertigteilbetonplatten.

Die achtteilige Serie „Hausen“ ist eine eigenwillige wie fesselnde Variante des Horror-Genres. Denn es fließt kaum Blut, es gibt keinen Schlächter, keine Untoten, keinen Psycho-Clown, sondern eine seltsame, ölige Substanz, die aus Rohren und Ritzen quillt. Und die im Stande ist, von Menschen Besitz zu ergreifen.

KURIER: Herr Hübner, Sie spielen den Hausmeister Jaschek Grundmann. Was ist das für ein Typ?

Charly Hübner: Er ist in erster Linie die Ansprechperson für Probleme jeglicher Art – von der kaputten Eingangstür bis zur tropfenden Heizung. Er ist Junge und Mädchen für alles, die Vertretung der Hausverwaltung. Ein guter Hausmeister sorgt für Ordnung, versucht, im Chaos eine Struktur zu schaffen. Meine Figur, der Grundmann, scheitert aber, weil er zu sehr mit sich selbst hadert. Wenn er versucht, den Stromkasten zu reparieren, dann schraubt er eigentlich in seinem eigenen Gehirn herum.

Die Bewohner des Hauses wirken traumatisiert. Was ist da passiert?

Diese Frage habe ich mir auch gestellt: In welchem Zustand ist man in der Lage, in so ein Haus zu gehen, und nichts mehr infrage zu stellen, sondern sich einfach mit der Situation abzufinden – bis zum Rest seines Lebens? Man hat dabei aber auch das Gefühl, dass dieser Plattenbau der letzte Ort ist, wo zumindest Leben stattfindet. Denn draußen scheint gar nichts mehr möglich zu sein. So als wäre die Geschichte im Post-Atom-, im Post-Pandemie-Zeitalter, in der Post-Apokalypse angesiedelt, wo die Menschen froh sind, dass man zumindest noch in so einem Bau eine Wohnung beziehen kann.

Die Atmosphäre ist düster, kalt und depressiv. Wie war das bei den Dreharbeiten?

Es war nass, kalt, dunkel. Wir haben oft früh morgens, als es noch finster war, mit den Dreharbeiten angefangen, und erst am Abend, als er bereits wieder finster war, damit aufgehört. Wir waren oft den ganzen Tag in dunklen Räumen – ohne Tageslicht.

Mit welchem Monster haben es die Bewohner zu tun?

Es ernährt sich von der inneren Sorge, den Schuldgefühlen der Hausbewohner. Der brüchige und baufällige Plattenbau wird von diesem Ungeist aber auch gestützt und zusammengehalten. Er bietet Menschen, die mit sich selbst im Unreinen sind, ein Zuhause, frisst sie gleichzeitig aber auch langsam auf.

Für was steht die schwarze Flüssigkeit, die das Haus durchdringt, noch?

Für das seelische Gift. Für eine körperliche wie soziale Verwahrlosung. Es ist ein Sinnbild für liegengebliebene Menschen. Sie saugt Menschen aus, wenn sie nicht die Kraft aufbringen, sich davon zu lösen. Nur wer es schafft, sich dagegen aufzulehnen, die Verbindung zu kappen, kann dieses Monster besiegen. Es ist wie das Abhängigkeitsverhältnis zu einer Droge.

Sie sind Metal-Fan. Konnten Sie sich bei der Musik zur Serie einbringen?

Ich habe mich zu Beginn der Dreharbeiten mit Regisseur Thomas Stuber unterhalten. Denn anfänglich habe ich immer an eine Stimmung denken müssen, die die Band Rammstein in ihren Videos und Shows transportiert. Es geht darin immer um eine Zeit-danach-Ästhetik. Stuber hat aber den The National-Gitarristen Bryce Dessner mit der Musikauswahl beauftragt. Eine gute Entscheidung, was ich nach den ersten drei Folgen, die ich bislang gesehen habe, sagen kann.

Wurden bei der Serie viele Spezialeffekte erst nachträglich am Computer hinzugefügt?

Nein, es wurde vieles Vorort aufgebaut und daher war das für die Schauspieler auch haptisch gut erlebbar. Die schwarzen Wände, der Heizungskeller, die Wände haben gelebt. Es wurde viel mit Schaumstoff gearbeitet, es hat aus den Rohren wirklich herausgetropft. Das haben die Bühnenbauer, die Kulisse errichtet. Die dafür eigens zusammengemischte schwarze Flüssigkeit war sehr seifig, gleichzeitig unfassbar klebrig - man brachte sie nur schwer wieder von der Haut.“

Sind Sie ein Horror-Fan?

Ich habe immer gerne Horror-Filme gesehen, weil es eine Überhöhung von der Realität ist. Es erlaubt, komplizierte Sachen einfacher darzustellen. Dass man dabei auch einmal ordentlich die Sau rauslassen kann, ist für einen Schauspieler natürlich eine tolle Sache.

Vor was haben Sie Angst?

Ich habe eine Schlangenphobie. Die Unberechenbarkeit dieser Tiere macht mich fertig. Zuerst sind sie sehr träge und langsam und dann schnappen sie blitzschnell zu. Vor diesen Viechern habe ich wirklich panische Angst.

 

"Hausen": Zu sehen gibt es die achtteilige Eigenproduktion von Sky ab Donnerstag (29. 10.) auf den diversen Kanälen und Plattformen des Bezahlsenders. Regie führte Thomas Stuber. Mit: Charly Hübner, Tristan Göbel, Lilith Stangenberg

Charly Hübner: Der 47-jährige Wahl-Hamburger ist  einer der meist beschäftigten Theater-, Film- und Fernsehschauspieler in Deutschland. Seine Spezialität sind Antihelden-Rollen, die der  baumlange Hübner (er ist 1,92 Meter groß) mit viel Wucht, Leben  und Charakter ausfüllt.   

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