Kultur
25.12.2017

Hinter den Kulissen von Soko Donau

Einem Bauernhof im oberösterreichischen Almtal wird in der neuen Staffel eine besondere Rolle zuteil. Wir haben das Team rund um Dietrich Siegl und Stefan Jürgens einen Tag bei den Dreharbeiten begleitet.

Almtal-Chalet, Catering, Almsee – Michael Steinocher kann gar nicht mehr aufhören, zu schwärmen. Seit April dreht er mit seinen Kollegen Dietrich Siegl, Stefan Jürgens und Lilian Klebow die bereits 13. Staffel der beliebten ORF-Serie "Soko Donau". Drei Folgen pro Staffel spielen jeweils in Oberösterreich, nach Linz und Enns dreht das Team mit Neuzugang Steinocher, der Gregor Seberg alias Kommissar Helmuth Nowak ersetzt, nun im Almtal. Und dieser ist fasziniert von der Landschaft. "Die Gegend ist ein Highlight für mich, der Wald, die Flüsse, ein Wahnsinn. Nur das WLAN müssen sie noch ausbauen", sagt der Schauspieler grinsend, während sich Dietrich Siegl neben ihn auf die Holzbank setzt.

"Ja, das hier kommt meinem Lieblingsdrehort schon sehr nahe", sagt Siegl, der bereits seit zwölf Jahren Oberst Dirnberger spielt. Er sei ein Bergmensch, komme gerade vom Urlaub aus dem Schweizer Engadin zurück. Manchmal denke er sich auch: "Bist du wahnsinnig, für das zahlen die uns noch?" – obwohl er im Sommer bei gefühlten 45 Grad im dunklen Anzug seine Sünden auch wieder büßen müsse. "Aber das ist alles Jammern auf hohem Niveau, in Wahrheit sind das genau die Jobs, die sich 95 Prozent aller Kollegen wünschen", fügt Siegl hinzu. Hinter den beiden Schauspielern herrscht schon reges Getümmel. Produzenten, Regisseur, Maskenbildnerin, das Kamera- und Lichtteam – sie alle, meist in Gummistiefeln, bereiten die nächsten Szenen vor, die hier am Bauernhof in Almegg für die Folge "Die Bienenkönigin" gedreht werden.

Schon lange vor Drehbeginn hat sich der Ausstatter Thomas Vögel mit dem Tourismusbüro umgeschaut, wo in Oberösterreich die perfekte Kulisse für den Soko-Dreh zu finden ist. Dabei legt dieser nicht nur Wert auf eine faszinierende Landschaft, sondern auch auf die Infrastruktur. Immerhin müssen schwere Licht-Lkw das Set erreichen, ein Bauernhof am Berg ist somit als Drehort hinfällig.

"Will wer Most?", unterbricht die Gastgeberin Regina Holzinger das Gespräch. So früh noch nicht, verneinen die Schauspieler. Sie freut sich, dass sich um die 40 Personen auf ihrem Hof tummeln, durch Urlaub am Bauernhof sei sie es gewohnt, dass Fremde in ihrem Haus sind. Der Bauernhofalltag mit Kühen, Schweinen und Hühnern sei immer dasselbe, da tue die Abwechslung eines Drehs ganz gut. Ihre Tochter wird an diesem Nachmittag auch noch als Komparsin mitspielen und ist schon ganz aufgeregt.

Tierische Unterstützung

Schön langsam wird es ernst am Set. Regisseur Filippos Tsitos, der auch schon einige Tatort-Teile gedreht hat, setzt sich auf eine niedrige Holzkiste und blickt auf den kleinen Bildschirm direkt vor ihm. "Achtung, wir drehen, Ruhe bitte!", ruft er, kurz nachdem noch ein Traktor die Straße passiert hat. Jetzt ist nur noch das Rauschen des Baches zu hören, sonst ist es totenstill, kaum jemand traut sich auch nur zu bewegen.

Bei dieser Szene sperrt Brigitte Kren gerade die Tür des Bienenhauses zu. Sie spielt in einer Gastrolle die Frau des ermordeten Imkers. Zu Oberösterreich hat sie einen besonderen Bezug. Seit zwölf Jahren dreht sie hier die Serie "Vier Frauen und ein Todesfall", in Linz ist sie in die Schule gegangen, am Mondsee hatte ihre Familie ein Wochenendhaus.

"Es war lustig dort, ich war mit 14 in einen Buben vom Mondsee verliebt, das war meine erste Liebe", gesteht die Schauspielerin schmunzelnd. Als am Vortag am Almsee gefilmt wurde, hatte sie drehfrei und ist mit Hündin Rosi in der Alm baden gegangen.

Neben Rosi sind vor allem die Babykatzen die Stars am Set. In einer kleinen Nische zwischen den Holzstapeln balgen fünf kleine Katzen und genießen die Streicheleinheiten der Schauspieler. "Zu Hochzeiten hatte ich elf Katzen", erzählt Dietrich Siegl, derzeit lebt eine zugelaufene norwegische Waldkatze bei ihm zu Hause im Wienerwald.

Im Wandel der Technik

Bis Oberst Dirnbacher und seine Polizeikollegen Ribarski und Neuzugang Steinocher vor der Kamera stehen, schnappt die Regieklappe noch einige Male zu. Jede Szene wird mehrmals gedreht, in der Nahen, Halbnahen, Totalen – je nachdem ob Licht und Schärfe passen und wie viele Schauspieler an der Szene beteiligt sind. "Es gibt alles, vom One-Take bis zum Sieben-Take", sagt Steinocher. Nur bei der Knickerbocker-Bande, wo er als Kind den Axel gespielt hat, gab es auch manchmal 16 Takes, bis die Szene im Kasten war. Seitdem hat sich vieles geändert – vor allem bei der Technik. "Aus meinen 43 Jahren Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Geschwindigkeit verändert hat, jeder hat ein Walkie-Talkie im Ohr und redet Blödsinn", scherzt Siegl. Früher habe man an einem Tag 2,5 Schnittminuten gedreht, heute seien es neun bis elf Minuten – das gehe nur mit einem Zehn-Stunden-Arbeitstag.

Generell habe alles viel länger gedauert, die Lichtumbauten zum Beispiel, was dazu geführt habe, dass in den Pausen auch des Öfteren Alkohol konsumiert worden sei, worauf ein paar Schauspieler mit der Zeit ausgefallen seien. Davon ist heute nichts mehr zu merken. Die Umbauten zwischen den Szenen passieren in Windeseile, jeder Mitarbeiter am Set kennt seine Aufgaben. Kaum dreht man sich um, verändert sich die Filmkulisse hinter einem wieder zu einem komplett anderen Schauplatz.

Routiniers am Set

Damit alles so flink über die Bühne geht, ist es notwendig, dass das Team abgestimmt ist und sich aufeinander verlassen kann. Beim Besuch des Soko-Donau-Sets fällt dies als Erstes auf: Alle Crew-Mitglieder sind gut gelaunt, ständig hört man aus einer Ecke ein "Hallo", kleine Probleme wie ein klemmendes Türschloss werden provisorisch mit Öl-Spray gelöst, den jemand aus der Tasche hervorwühlt. "Die Lichtpartie muss gar nicht mehr miteinander reden, die schauen sich nur an und wissen, was zu tun ist – ohne viel rumzudoktern", meint Michael Steinocher und betont, selbst sehr offenherzig in dieses seit zwölf Jahren bestehende Team aufgenommen worden zu sein. Diese familiäre Ungezwungenheit ist in der Filmbranche eher ungewöhnlich.

"Man ist gezwungen, einen anderen Schmäh zu finden, weil der von einer Person abhängig ist. Aber da Michi auch Österreicher ist, ging das relativ schnell", antwortet Stefan Jürgens auf die Frage nach der Integration des neuen Darstellers. Außerdem sei ein frischer Wind in der alteingesessenen Gruppe auch eine positive Entwicklung, meint Jürgens, der den aus Deutschland stammenden Kommissar Carl Ribarski mimt. Und er verrät, dass in der neuen Staffel einige gewohnte Erzählweisen torpediert werden würden und der Zuseher ein bisschen Fantasie aufbringen müsse. "Es ist ein bisschen wild, was wir da treiben", kündigt der Schauspieler die neue Staffel an.

Dass der Zusammenhalt des Filmteams ein außergewöhnlich starker ist, bestätigt auch Wolfgang Zak. "Man merkt einen anderen Teamspirit als bei Kurzproduktionen", meint er. Mit seiner Firma ACI Gastronomie kümmert sich Zak um das Catering am Set – und das ist ein Rund-um-die-Uhr-Job.

Schon vormittags stehen überall am Drehort kleine Snacks zur Verfügung, zu Mittag tischt der Gastronom ein Buffett auf und nachdem er am frühen Nachmittag mit einem Bauchladen voller Süßigkeiten seine Runden gedreht hat, gibt es auch schon wieder Lammkeulen mit Erdäpfeln und Fisolen als "Imbiss für zwischendurch". "Die allergrößte Herausforderung bei 90 Drehtagen ist die Abwechslung, gerade wenn man mit saisonalen Lebensmitteln arbeitet", meint Zak. Er möge es, unterwegs zu sein, habe zuvor bei Christkindlmärkten und Festivals einen Stand gehabt und übe seinen Job mit Liebe aus. Das merkt auch die zu verköstigende Mannschaft am Set, die die vorzüglichen Speisen gleich zu Beginn des Drehtags lobt. "Um Gottes Willen, ich werde als Kugel zurückkommen", beschwert sich Regisseur Tsitos scherzend, bevor er wieder zurück auf seinen Regiehocker fällt und wie noch öfter an diesem Tag "Ruhe, wir drehen!" rufen wird.