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Kultur
04/04/2019

Heroin und Erdbeermilchshakes: Zum 25. Todestag von Kurt Cobain

Am 5. April 1994 starb die Grunge-Legende. Für eine ganze Generation Teenager blieb die Welt stehen.

von Elisabeth Hofer

Einen Erdbeermilchshake. Nichts Anderes verlangte Kurt Cobain, als er in Rom am 5. März 1994 nach 24 Stunden im Koma die Augen aufschlug. Der Nirvana-Frontman wusste noch nicht, dass CNN in der Nacht das Programm unterbrochen und seinen Tod nach einer Überdosis Drogen verkündet hatte. In einer Pressekonferenz teilte der behandelnde Arzt später mit, nicht Suchtmittel, sondern die Kombination von Alkohol und Beruhigungsmittel hätten das Koma verursacht. Genau einen Monat später war Cobain wirklich tot und für eine ganze Generation Teenager blieb die Welt stehen.

Ein Elektriker fand Cobains Leiche in dessen Haus in Seattle. Er hatte sich eine Überdosis Heroin verabreicht und sich mit einer Selbstladeflinte in den Kopf geschossen. Neben ihm eine Notiz, die mit einem Zitat von Neil Young - dem „Godfather of Grunge“ - endete: "It’s better to burn out than to fade away" (Es ist besser auszubrennen, als zu verblassen.) Cobain war nur 27 Jahre alt.

Cobain als Werther

Die Nachricht über den Tod der Grunge-Legende ging um die Welt. Diesmal stimmte sie – und löste eine Woge der Trauer und des Entsetzens unter Nirvana-Fans aus. Wenig später begingen drei kanadische Teenager Suizid, indem sie Auspuffgase in ihr Auto leiteten. Cobains Tod habe sie in eine tiefe Krise gestürzt, hieß es in ihrem Abschiedsbrief.

Schon zu Lebzeiten war der Sänger und Gitarrist eine Ikone für viele Heranwachsende und eine Leitfigur des Grunge bzw. Seattle-Sound, einer Mischung aus der Ästhetik des Punk und Hard-Rock- Gitarrenriffs. Das Rolling-Stone-Magazine rankt Cobain auf Rang 54 der 100 besten Songwriter aller Zeiten. Seine Band Nirvana schrieb vor allem mit ihrem zweiten Studioalbum Nevermind Musikgeschichte - es wurde rund 30 Millionen Mal verkauft. Darauf befinden sich Hits wie Smells Like Teen Spirit, Come As You Are, In Bloom oder das Bowie-Cover The Man Who Sold The World.

Mit Nevermind in die Charts

Cobain hatte Nirvana 1987 zusammen mit seinem Schulfreund, dem Bassisten Krist Novoselić gegründet. Als Schlagzeuger holten die beiden zunächst Aaron Burckhard an Bord. Mit ihm gab es aber schon bald Differenzen, da er sich mehr dem Metal zuwandte als Cobain und Novoselić. Ein reger Wechsel an Schlagzeugern begann.

1989 erschien das Debutalbum Bleach beim Underground Label Sub-Pop. Das Album war gut, hatte aber keinen Hit. Nirvana spielte in Bars, oft nur vor zehn Besuchern. Der Durchbruch gelang der Band zwei Jahre später. Nevermind stieg in die Charts ein, in wenigen Wochen wurden über eine Million Exemplare verkauft. Es folgten zahlreiche Tourneen und ein weiteres Album: In Utero (1993).

Heroin gegen Magenschmerzen

In der Zwischenzeit hatte Cobain im Satyricon Club in Portland Hole-Sängerin Courtney Love kennengelernt. Die beiden heirateten 1992, wenig später wurde Tochter Frances Bean geboren. Während Nirvana immer bekannter wurde und immer höhere Erlöse einspielte, ging es dem Frontman körperlich und psychisch immer schlechter. Seine Magenschmerzen nahmen zu und wurden sein ständiger Begleiter. Im März 1994 musste die In-Utero-Tour deshalb abgebrochen werden. Die Ärzte konnten aber weder eine Ursache, noch eine geeignete Therapie finden. Cobain behandelte sich also selbst - Drogenkonsum verschaffte ihm Schmerzlinderung.

Trotz mehrmaliger Versuche und Aufenthalten in Entzugskliniken kam er vom Heroin nicht mehr los. Von seinem eingangs erwähnten Krankenhausaufenthalt im Rom floh er und tauchte unter. Seine Frau gab eine Vermisstenanzeige auf – drei Tage später dann die Nachricht von Cobains Tod.

Überreste gestohlen

Bis zum heutigen Tag ranken sich Legenden und Verschwörungstheorien darum, wie Cobain wirklich gestorben ist. Nicht zu wenige Menschen, auch aus dem Umfeld Cobains, gehen davon aus, dass es sich um keinen Selbstmord handelte, sondern um ein lange geplantes Mordkomplott. Befürworter dieser Theorie führen an, dass Cobain mit einer so hohen Dosis Heroin im Blut gar nicht mehr fähig gewesen wäre, sich zu erschießen. Außerdem seien auf der Waffe keine Fingerabdrücke gefunden worden. Dahinter stecken soll Ehefrau, Courtney Love, von der Cobain sich angeblich trennen wollte und die um ihr Vermögen fürchtete.

So bewegt und tragisch die Lebens- und Sterbegeschichte des melancholischen Jahrhundert-Musikers ist, so absurd ist schließlich die Geschichte seiner letzten Ruhestätte. Cobains Leiche wurde eingeäschert, Courtney Love will Teile davon verstreut, und den Rest in einem Bankschließfach eingelagert haben. Tatsächlich dürfte es aber anders gewesen sein. 2008 wurde bekannt, dass die physischen Überbleibsel von Cobain aus einer Tasche in ihrem Kleiderschrank gestohlen wurden. Eine Geschichte, die Cobain gefallen hätte. Was musikalisch von ihm geblieben ist, können Kinder der 80er und 90er Jahre im Schlaf auswendig mitsingen. Wahrscheinlich ihr Leben lang.

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