Als "Inbegriff von Glück" bezeichnete Herbert Grönemeyer die Stimmung bei seinem Wien-Konzert.

© KURIER/Franz Gruber

Kritik
06/02/2016

Herbert Grönemeyer im Wiener Burgtheater: Zauberhafter Triumphzug

Fast drei Stunden spielte der Deutsche in der exquisiten Location - und keine Sekunde davon war langweilig.

von Brigitte Schokarth

„Das war ein zauberhafter Abend!“ So verabschiedete sich Herbert Grönemeyer nach seinem fast dreistündigen Konzert Mittwochabend im Wiener Burgtheater. Denn genau das war es – ein Abend, den weder der Künstler noch sein Publikum je vergessen werden.

Zwar hatte der 60-Jährige kein Spezial-Programm - etwa eine Unplugged-Show oder ein Set mit einem kompletten Album - in das Haus am Ring gebracht. Er spielte das, was er auf der „Dauernd Jetzt“-Tournee schon seit fast zwei Jahren spielt. Außergewöhnlich wurde das Konzert durch die Örtlichkeit: Immer schon, sagte Grönemeyer, wollte er im Burgtheater spielen - seitdem er vor dem Rathaus aufgetreten war und das Burgtheater ihm zu Ehren in den Farben von Bochum erleuchtet war. Oder sogar früher. Jetzt war es soweit. Und Grönemeyer wusste den Moment zu nutzen, zu zelebrieren, zu glorifizieren.

Er und seine Band zogen alle Register. Es fehlte keiner der Hits. weder "Männer", "Land unter", noch "Alkohol" oder "Mensch". Auch nicht „Flugzeuge im Bauch“, das er, wie er zugab, immer loswerden wollte, was aber nicht gelang. So spielte er es eben in einer neuen, jazzigen Version, akustisch und mit Kontrabass. Die ihm seit den Anfangstagen treue und nach so vielen Jahren perfekt eingespielte Band sorgte für den musikalischen Variantenreichtum. Sie legte lebenslustige Latin-Rhythmen, vorwärtstreibenden Rock, tanzbaren Pop und sehnsüchtig verträumte Keyboard-Kaskaden unter den typischen Gröni-"Gesang", der permanent zwischen Nuscheln und mächtigem Schmettern auserwählter Vokale pendelt.

Dazu gab es selten Gehörtes wie "Fisch im Netzt" und das ganz neue „Jeder für Jeden“, das Grönemeyer mit dem Newcomer-DJ Felix Jaehn als EM-Song der deutschen Fußball-Mannschaft aufgenommen hat.

Nahverhältnis

Viel Humor und Selbstironie bewies der Musiker, der 1984 das erste Mal in Österreich auftrat und seither ein inniges Nahverhältnis zum Wiener Publikum aufgebaut hat, in seinen Moderationen. Aber auch Herz und Haltung, wenn er - etwa vor dem Song „Roter Mond“ über die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer -unsentimental und unaufdringlich für Menschlichkeit und Empathie plädierte.

Am Ende gab es nichts, was dem Konzert fehlte. Es gab Momente zum Tanzen und zum Singen, zum Lachen und – unter anderen mit dem Song „Der Weg“ über den Tod seiner ersten Frau - etwas zutiefst Berührendes. Und natürlich „Ich hab dich lieb“, einen Song, den Grönemeyer nur in Österreich spielt.

Okay, einen winzigen Schönheitsfehler gab es doch: Wenn die gesamte Band gemeinsam losrockte, war die sensible Akustik im Burgtheater überfordert, der Sound nicht optimal.

Egal. Wenn Musiker derart viel Herz und Freude in ihre Auftritte legen, stellt sich das immer über technische Perfektion. Deshalb fand Grönemeyer - erschöpft aber strahlend - am Ende des triumphalen 31-Song-Marathons noch andere Worte für die Qualität dieses Abends. „Wunderbar“ oder „leiwand“ war der, „herzlich und liebevoll“. Und: „Für mich der Inbegriff von Glück“.

Nicht wenige Besucher im ausverkauften Burgtheater haben es am Heimweg wohl genauso ausgedrückt.

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