Heller: "Magnifico" ist "in Geiselhaft"

André Heller wollte seine Show, die von einem magischen Einhorn handelt, ab November auch in Wien zeigen.
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André Heller zeigt sich im KURIER-Gespräch vom Ende der Pferde-Show überrumpelt: "Irgendetwas muss sehr, sehr schief gegangen sein."

Ich weiß auch nicht, was wir jetzt tun können." André Heller bezeichnet sich im KURIER-Gespräch als "völlig überrascht" von den Umständen der Absage seiner Pferdeshow "Magnifico". Der deutsche Veranstalter der groß angelegten Produktion hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass er Insolvenz angemeldet hat. Das Wien-Gastspiel und alle weiteren Spielorte der Show sind damit gestrichen.

"Magnifico" ist "nun in Geiselhaft des Konkursverwalters", sagt Heller. Und dass er von der Entwicklung überrumpelt wurde: "Mit mir wurde vorab nicht gesprochen." Die nun insolvente Magnifico Circus GmbH & Co. KG "hat uns immer im Glauben gelassen, dass die Show wiederkommt."

"Hätten in Wien 100.000 Zuseher gehabt"

Die Show rund um ein magisches Einhorn hatte bereits mit Terminverschiebungen zu kämpfen: Nach der Premiere in München wurden im März weitere Spielserien in deutschen Städten verschoben, auch das Wien-Gastspiel wurde auf Ende November verlegt. Damals hieß es, die Zelte würden Hellers Anforderungen nicht entsprechen. "Deshalb haben wir die Show gestoppt."

Aber "Magnifico" fand dann nicht mehr in den Galopp zurück, nicht einmal in den Trab: Seitdem ist laut Heller "nichts geschehen". Künstler hätten keine Folgeverträge erhalten, die neuen Zelte seien nicht in Auftrag gegeben worden. "Irgendetwas muss sehr, sehr schief gegangen sein", sagt Heller. Es habe "etwas Menschenverachtendes", dass man die Künstler ohne Verträge so lange warten ließ.

Anwälte

Für Heller selbst gehe es bei der Insolvenz um einen "hohen fünfstelligen Betrag". Ob er diesen vor Gericht einfordern werde, wisse er derzeit noch nicht: "Wenn es Sinn macht, ja. Aber wenn nichts zu holen ist, werden wir nicht auch noch zusätzlich Anwaltskosten auf uns nehmen." Die Begründung, das Publikumsinteresse sei zu gering gewesen, sei "absurd": In Wien "hätten wir 100.000 Zuseher gehabt", ist Heller sicher.

Distanzierung

Sein Management distanziert sich nun von der wirtschaftlichen Seite der Produktion: So wird betont, dass Heller als künstlerischer Leiter "zu keinem Zeitpunkt in die Geschäftsgebarung der Magnifico Circus GmbH & Co. KG involviert war".
Er habe dem Produzenten Marcel Avram "vertraut" und glaubt nun, dieser habe "bereits seit Monaten Finanzschwierigkeiten gehabt". Aber "mein Mitleid mit mir selbst hält sich in Grenzen", sagt Heller. Am meisten beunruhige ihn dagegen, dass die Kartenkäufer auf Grund der Insolvenz womöglich ihr Geld nicht zurückerstattet bekommen, wie Ö-Ticket am Mittwoch wissen ließ. "Das ist doch das Mindeste", so Heller.
Bei der deutschen Pressebetreuung der Show konnte man kurz nach Bekanntwerden der Insolvenz dem KURIER auf Anfrage keine näheren Details dazu geben.

Es sei ihm "bekannt, dass das Leben gelegentlich eine Geisterbahn mit merkürdigen Verwerfungen" ist, sagt Heller. Aber "ich habe innig gehofft, dass mir solche Dinge nicht mehr passieren."

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(kurier) Erstellt am
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