Helene Fischer

© KURIER/Gerhard Deutsch

Helene Fischer in Wien
10/25/2014

Helene Fischer: Große Gefühle für kleine Leute

Ist sie die Stimme für Millionen oder stimmen nur die Millionen? Ein Lokalaugenschein.

von Dieter Chmelar,

Der deutsche Schlager – im Lexikon zwischen Schlagbohrmaschine und Schlägerei angesiedelt – ist ja weit her-umgekommen. Ursprünglich als "Abfallprodukt" der eingängigsten Operettenmelodien vom kulturfern gehaltenen gemeinen Volk nachgesungen ("Gassenhauer"), entwickelte sich ein gelegentlich geniales Genre voll launiger Melodien und pfiffiger Texte. Soziologen erhoben: Je schlechter die Zeiten, desto Schlager die Musik. Fest steht die jeweilige Vertonung gesellschaftlicher Wunschvorstellungen – fremde Länder, schöne Frauen, tolle Träume. Im Idealfall erfüllte der Schlager beides: Witz und Wahrheit. "Ich hab das Fräul’n Helén baden sehn" (Raymond/Grünbaum, 1924) versexte (welch infantile Wort- und inflationäre Wertschöpfung!) glatt ganze Generationen, nach nackten weiblichen Waden lechzender Spechtler. Aber apropos Fräul’n Helén’" ... Nach zähem Rückzugsgefecht seit jenen Tagen, als "Schlagersänger noch Hundenamen trugen – Rex & Roy" (Alfred Dorfer über Gildo & Black) und unfreiwillige "Hymnen" auf Orgasmusprobleme entstanden, von "Oh, wann kommst du" (Daliah Lavi, 1970) bis hin zu "Dann kamst du"(Vicky Leandros, 1972), feierte der Industriezweig "Fantasie innerhalb einer Ok- tave" dank eines Fräuleinwunders fröhliche Urständ’ – nun auch in Wien: Fräul’n Helen’ Fischer!

"Am Boden geblieben"

Große Gefühle für kleine Leute – das schien der von jeweils 10.000 "Helenisten" unerhörte Untertitel des grandiosen Gastspiels der Sauber- und Zauberfrau ohne Kanten und Ecken, sieht man von der Geburt in Sibirien und der Liebe zu einer etwas simplen TV-Figur ab (Goldkehlchen &Silbereisen) – doch Achtung, auch im Sinn von Respekt: Den farbenfrohenFlorian hat sich die modisch stilsichere helle Bardin pipifein hergerichtet! "Schau mich bitte nicht so an" und "Nur wer den Wahnsinn liebt, kann mit dir leben" mögen ihr dabei durchaus eingefallen sein.
In der pickepackevollen Stadthalle also: "Atemlos" durch zwei Nächte. Wie ein (sehr attraktives) "Ungeheuer von Fit Ness" wickelt die zierliche Blondine einen makellosen, minutiös durchchoreografierten "Mein Herz läuft Marathon" ab. 250 zufällig (?) auserwählte Fans sind ganz in Weiß erschienen und dürfen, eingebettet ins Epizentrum der Bühne, Kulisse zum Normaltarif spielen. Für 80 Euro sieht und hört man drei Stunden oft nur in Nuancen unterscheidbare "Balladen", aber auch mundwerklich präzise und professionell inszenierte Covers unter Totaleinsatz tosender Technik. "Keiner ist fehlerfrei"? Doch: Sie.

"Sie ist am Boden geblieben", so der Tenor im Saal, selbst wenn sie per Riesenvogel zum "Titanic"- Titelsong knallkitschig abhebt.

Und jetzt noch "Tatort"

Aus legitimen handfesten ökonomischen Überlegungen bleibt Helene sich (oder der Millionenmasche) ironiefrei treu. Laut Bildzeitungspielt sie bald mit Til Schweiger im "Tatort". Sicher sei nur, so das Blatt, dass sie "nicht singen" wird. Sprich: "Ein kleines Glück".
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