Heiße Stierkampf-Diskussion bei Sommerkino

Mari Paz Vega, derzeit die einzige Matadorin der Welt, hatte u.a. Pedro Almodovar zu seinem Film "Sprich mit ihr" inspiriert.
Foto: espressofilm

Stierkampfgegner sorgten für erhitzte Gemüter bei der Eröffnung der Sommerkino-Reihe "espressofilm". Gezeigt wurde die Doku "Ella es el matador".

Am Ende, kurz vor Mitternacht, waren die langen Reden und die technischen Probleme längst vergessen, die Stimmung aufgeheizt, die Messer flogen tief: Die Österreich-Premiere der amerikanischen Stierkämpferinnen-Doku "Ella es el matador" (She is the Matador) hatte zum Auftakt der Wiener Sommerkinoreihe "espressofilm" die Gemüter erhitzt, die unkritische Darstellung der umstrittenen Massenunterhaltung in der vorwiegend spanischsprachigen Welt rief die lokalen Stierkampf-Gegner auf den Plan. Und Moderatorin Heidelinde Neuburger-Dumancic musste sich beim anschließenden Publikumsgespräch mit Co-Regisseurin Celeste Carrasco sogar vorwerfen lassen, dass sie ihre Gage als "Blutgeld" betrachten solle.

Durch die emotionalen Reaktionen eines Teils des Publikums wurde eine konstruktive Diskussion über den Dokumentarfilm leider verunmöglicht, dabei hätte eine kritische Auseinandersetzung durchaus Sinn gemacht. Wurde das Werk von den einen als erhellender Film über Frauen verteidigt, die sich trotz zahlreicher Hindernisse ihren Traum verwirklichen, in einer Männerdomäne Fuß zu fassen (der aktuelle Vergleich mit dem Frauenfußball wäre nahe gelegen), blieb es für andere gänzlich unverständlich, weshalb gerade die Tötungsszenen in der Arena tänzerisch überinszeniert in den Mittelpunkt gerückt wurden. Mari Paz Vega, derzeit die einzige Matadorin der Welt, hatte u.a. Pedro Almodovar zu seinem Film "Sprich mit ihr" inspiriert.

Autakt zu Open-Air-Kurzfilmreihe

Nichtsdestotrotz durften sich die Veranstalterinnen, die den Kurzfilmsommer zum zweiten Mal im Hof des Volkskundemuseums in Wien-Josefstadt organisierten, schlussendlich noch über einen geglückten Abend freuen. Zuvor war die Lichtperformance auf der Rückwand des Hofes zwar nur einigen Teilen des Publikums überhaupt aufgefallen, waren die Auftaktreden etwas zu lang geraten, musste der ohnehin schon verzögerte Filmstart wegen eines kaputten Beamers noch einmal ein wenig verschoben werden und sorgten einige Regentropfen trotz angenehmer Abendtemperaturen für Sorgenfalten auf so mancher Zuschauerstirn - aber am Ende klappte dann doch alles und war für genügend inhaltlichen Gesprächsstoff gesorgt.

Am Programm von "espressofilm" stehen im Juli und August jeweils donnerstags und freitags nun noch 15 Termine mit Kurzfilmprogrammen von Partnerfestivals sowie Personalen zu u.a. Barbara Albert und Arash T. Riahi. Warum der Kurzfilmsommer jedoch wieder mit einem Langfilm gestartet wurde, erschloss sich auch dieses Jahr nicht wirklich.

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(apa / tem) Erstellt am
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