Heimatlieder und Hassgesang: Der schwierige Umgang mit Rechtsrock

Members of Italian band Frei.Wild pose pose as the
Foto: Reuters/THOMAS PETER Hart am rechten Rand: Die Südtiroler Band Frei.Wild sorgte mit ihrer Echo-Nominierung für Unruhe in Deutschlands Musikszene.

Wo Rechtsrock anfängt und Heimatliebe aufhört, darüber streiten Experten seit langem.

Sie singen von Heimat und Vaterland: Die Querelen um die Nominierung der Südtiroler Band Frei.Wild für den Musikpreis Echo werfen wieder ein Licht auf den Umgang mit Bands, die in ihren Liedern mit nationalistischem Gedankengut spielen. Nach heftigen Protesten von mitnominierten Musikern wurde die Band schließlich von der Liste des Musikpreises Echo gestrichen.

Bis vor Kurzem habe er Frei.Wild "noch in der Grauzone verortet", sagt Thomas Kuban in den Salzburger Nachrichten. In seinem Buch "Blut muss fließen" hat er vor vor wenigen Monaten die Ergebnisse jahrelanger Recherchen im rechten Umfeld veröffentlicht. Mit der aktuellen CD befinde sich die Band aber "klar im Rechtsrock".

Bekannte Debatte

Die Debatte, wann etwas rechtsextreme Musik ist oder nicht, wann es um Heimatverbundenheit und wann um wirklich extremistische Texte geht, ist nicht neu.
Gruppen wie Böhse Onkelz haben Millionen Platten verkauft. Problematisch wird es für viele erst dann, wenn die Heimatverbundenheit in Nationalismus und offenen Fremdenhass umschlägt. Das ist kein Randphänomen in Deutschland: Bundesweit gibt es Hunderte rechtsextreme Rockbands, in denen Neonazis Schlagzeug oder Gitarre spielen. Sie nennen sich Blitzkrieg oder Macht&Ehre - und hetzen gegen Ausländer oder schwadronieren vom "Endsieg".

Nachwuchsrekrutierung

Nach Beobachtung des Verfassungsschutzes wird Musik für Rechtsextremisten zur Verbreitung ihrer Ideologien immer wichtiger. Erst vor einigen Tagen setzte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wieder Schulhof-CDs der NPD auf den Index. Die rechtsextreme Partei soll die CD im Landtagswahlkampf in Niedersachsen in einer Auflage von 20.000 Stück eingesetzt haben. Seit Jahren versuchen Neonazis so, ihr Gedankengut auf Schulhöfen zu verteilen und Nachwuchs zu gewinnen.

Mit dem Vertrieb von Musik und Kleidung verdient die Szene inzwischen jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Ein Musiksoziologe erklärte bei der Tagung, dass hetzerische Krawallmusik die Hemmschwelle zu Gewalttaten senken könne.

Schmaler Grat

Aber was ist Krawall und was harmlose Heimatliebe? Wie weit geht Meinungsfreiheit und was muss auf den Index? Darüber streiten Experten immer wieder. In einem Text von Frei.Wild heißt es: "Südtirol, sind stolze Söhne von dir. Unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her." Anhänger der Band können nicht verstehen, was daran rechtsextrem sein soll.

Die Musiker distanzieren sich von rechtsextremem Gedankengut - für viele jedoch nicht glaubhaft genug. "Frei.Wild vermitteln in ihren Texten eine Blut- und Bodenideologie. Das ist wirklich lupenrein rechtsextrem - da gibt es nichts misszuverstehen", sagt Torsun Burkhardt, Sänger der Electro-Punkband Egotronic.

Jugendsünden

Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger war in seiner Jugend Skinhead, engagierte sich in Südtirol bei den Freiheitlichen, die auch mit Haiders FPÖ kooperierten. Alles vorbei, sagt die Band. "Wir haben Leute verdroschen (...) keine Gefangenen gemacht. Wir haben gesoffen und geboxt, standen oft vorm Richter, keine Reue, haben darüber gelacht." Sieht so Distanzierung von der eigenen Vergangenheit aus? Schwierig. Die Band hat die Schuldigen jedenfalls bereits gefunden: "Die mediale Hetze zeigt Wirkung", kommentierte sie die Streichung von der Nominierten-Liste auf ihrer Facebook-Seite.

"Shitstorm" an falscher Adresse

Nach dem öffentlichen Statement von MIA wollten Frei.Wild-Fans zum Online-Gegenschlag ausholen – nur an der falschen Adresse: Statt der deutschen Electropop-Band Mia wurde die englische Sängerin M.I.A. unter anderem als "Zeckenband" und "Ignorante, rot lackierte Faschisten" beschimpft.

(APA/dpa / kob) Erstellt am
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