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Mein Freund Harvey
06/15/2013

Hase in der Schüssel

Kritik: "Mein Freund Harvey" im Wiener Volkstheater. Nur phasenweise unterhaltsam.

von Anna Gasteiger

Der Junggeselle Elwood P. Dowd hat ein Problem. Sein bester Freund Harvey ist ein unsichtbarer Hase. Ein „Puka“, ein Wesen aus der keltischen Mythologie; fast zwei Meter groß, weiß und von angeblich einnehmendem Wesen. Das geht nicht, das gehört sich nicht, finden Elwoods Schwester und Nichte, und deshalb soll Elwood in die Nervenklinik eingeliefert werden. Dass in einem ersten Schritt nicht er, sondern Schwester Veta dort landet, gehört zum komödiantischen Plot.

„Mein Freund Harvey“ von Mary Chase, 1944 in New York uraufgeführt, wurde dank seiner unpolitischen, humanistischen Haltung ein Nachkriegsphänomen und erfuhr 1950 eine erfolgreiche Verfilmung mit James Stewart in der Hauptrolle. Mehrere deutsche Fernsehadaptionen mit u. a. Heinz Rühmann und Harald Juhnke folgten.

Im Volkstheater hat Katrin Hiller die Komödie nur phasenweise unterhaltsam auf die Bühne gebracht. Inge Maux legt als aufgeregte Schwester Veta im lila Wallegewand ein paar große Auftritte hin. Till Firit setzt als liebenswürdiger Spinner, der bedenkenlos Fremde zum Abendessen einlädt und jeder Zufallsbekanntschaft eine Visitenkarte in die Hand drückt, auf weniger dramatische Effekte. Claudia Sabitzers Myrtle Mae, Vetas Tochter, ist sehr schrill angelegt; Andrea Bröderbauer verschränkt als Oberschwester Kelly hübsch die langen Beine. Wenig nuanciert auch der Rest des Personals: Ronald Kuste und Johanna Mertinz als etwas wirres Psychiater-Ehepaar, das allmählich Sympathie für Elwoods Wahn entwickelt, während der handfeste Dr. Sanderson (Matthias Mamedof) standhaft handfest bleibt.

Treiben

Das Bühnenbild von Friedrich Eggert ist wenig einfallsreich: Ein stilisierter Salon mit Sofa, Liege und Telefontischchen lässt sich in das Empfangszimmer jener Klinik umwandeln, in die Elwood eingeliefert werden soll. Gute zwei Stunden lang wogt das komödiantische Treiben darin hin und her – mit Höhen, Tiefen und vor allem auch Längen.

Bis seine Protagonisten sich wort- und gestenreich auf die liebe Moral des lieben Stückes geeinigt haben: Es ist besser, einen Sprung (Hasen) in der Schüssel zu haben, als den Taxifahrer anzugranteln.

KURIER-Wertung: *** von *****

Bewertung: Die Volkstheater-Inszenierung des1950 mit James Stewart verfilmten US-Erfolgsstückes ist nette Komödienunterhaltung ohne besondere Highlights.

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