Kultur
05.12.2011

"Happy Feet 2": Musical mit Ölpest

Matt Damon und Brad Pitt sprechen (und vor allem: singen) zwei Mini-Krebse und machen die Kleintiere zu den großen Stars im neuen "Happy Feet 2".

Heute also: der Krill. Was ist es und warum befassen wir uns mit ihm? Der Krill ist - man muss es zugeben - ein recht schlichter Krebs, der dazu da ist, gefressen zu werden.
Cinematografisch (aber auch im Bauch von Walen) führte der Krill bisher ein schnödes Schattendasein. Aber das wird sich mit "Happy Feet 2" (ab Freitag im Kino), der Film-Fortsetzung der steppenden Pinguine, zweifellos ändern.

Dort sind nämlich die Kleinst-Tiere große Stars. Auch, weil im Original Matt Damon und Brad Pitt diese sprechen dürfen: ein Grund mehr im übrigen, sich den Film auf Englisch anzuschauen. Als Will und Bill (deutsch synchronisiert von Sven Hasper und Olaf Reichmann) stellen sie nämlich ernsthaft ihre Existenz am Ende der Nahrungskette in Frage und rebellieren in aberwitzigen Dialogen gegen das Dasein als gleich aussehende Kleintiere und besingen das auch.

"Ja, Matt Damon konnte singen. Aber Brad Pitt hat von vornherein ganz klar gesagt, dass er das nicht kann", erklärt Regisseur Georg Miller, "Brad meinte dann aber irgendwann: 'Wir befinden uns in einem Bereich, wo es eigentlich keine Schamgrenzen mehr gibt. Ich versuche es einfach.'"

Gut so. Die beiden sind als komisches Paar antarktisch witzig und schwer Nebenrollen-oscarverdächtig. Aber gibt es den überhaupt für Kleinkrebse? Wie auch immer. George Miller, Schöpfer von Filmen wie "Ein Schweinchen namens Babe", hat für das Original "Happy Feet" 2006 ohnehin den Oscar bekommen. Die Popsongs schmetternden und tanzenden Pinguine haben längst Kultstatus. Inzwischen heißt nicht nur jede zweite Podologie-Praxis "Happy Feet" (Podologie ist die Wissenschaft der Füße). Auch jener echte Pinguin, der sich aus der Antarktis nach Neuseeland verschwommen hatte, stieg prompt als "Happy Feet" zum Medienstar auf.

Jodeln

Im neuen Film wird diesmal nicht nur getanzt und gerappt: Nein, die Pinguine jodeln und singen auch modernisierte Arien (aus "Tosca") und rühren damit zu Tränen. So röhrt etwa P!ink als P!NGuinmutter ihrem Sohn einmal ein betörendes, selbst geschriebenes Wiegenlied entgegen. Sie singt es unten im Tal, eingekesselt und dem Verhungern preisgegeben; während der Sohn oben, auf der Spitze des Eisbergs, um ihr Leben bangt. "Ich sage immer, dass diese Story gleichermaßen für den Erwachsenen im Kind und das Kind im Erwachsenen gedacht ist", erklärt Regisseur George Miller, "Der Film bezieht sich auf die uralte Maxime, dass man sich selbst treu bleiben und Mut beweisen muss: Man soll der Welt mit Respekt begegnen, aber auch sich selbst".

Die Welt, sie ist in "Happy Feet 2" kein Ort schneereiner Idylle, der mit Respekt begegnet wird. Die Klimakatastrophe mit schmelzendem Eis spielt hier ebenso eine Rolle wie Öl verseuchtes Gewässer. Der Tanz der Pinguine auf den Eisbergen, er scheint ein Tanz auf dem Vulkan zu sein. Man singt und steppt fröhlich dem drohenden Weltuntergang entgegen. Einer der Krills (Brad Pitt) spricht das gegen Ende auch aus, wenn er erstmals versucht, selbst zu tanzen: Tanz, meint er, sei doch nur eine Art der Ablenkung, animatorisch verlangte der Film im übrigen einiges ab: vor allem die Darstellung des Krill, weil dieser in riesigen Schwärmen auftritt.

Präzise ausgedrückt sind es 603.000 winzige Krebse, die im Film zu sehen sind. Und weil wir schon bei Massenauftritten sind: Insgesamt wurden 16 Millionen Figuren in jeweils 600 Einstellungen animiert. Was soviel bedeutet, dass jeder Künstler im Team für fast eine Million (!) Filmfiguren zuständig war .

Filmkritik & Trailer

"Happy Feet 2", putzig wie das Original, vereint Erderwärmung und Herzerwärmung
Was dem verlorenen Sohn aus der Bibel recht ist, kann einem Pinguin-Baby nur billig sein. Das war schon im Original von "Happy Feet" so: Da konnte der Sohn nicht singen, dafür aber tanzen. Diesmal kann er nicht tanzen, weshalb er fliegen lernen will.

Wenn dann noch das Eis schmilzt, wenn die ganze, von Eisbergen eingeschlossene Pinguin-Population von Vater und Sohn gerettet werden muss und Pink ihr Wiegenlied in die Lüfte schickt - dann strömet, ihr Freudentränen, fließet, ihr Glücksgefühle und klingelt, ihr Weihnachts-Kinokassen. Auch wenn die Dramaturgie nicht immer aufgeht, ist George Millers "Happy Feet 2" im besten Sinn eigenwillig. Ein putziges Musical, in dem unterschwellig und seltsam düster Ölpest und Weltuntergang mitswingt.

KURIER-Wertung
: **** von *****

Der Echte: Pinguin als Medienstar

Kein Happy End gab es für den echten "Happy Feet": Jener Kaiserpinguin, der nach dem Film benannt wurde, war am 20. Juni an einem Strand nördlich von Neuseelands Hauptstadt Wellington aufgetaucht, gut 3000 Kilometer von seiner eisigen Heimat entfernt. Den Sand hielt er für Schnee, fraß davon und drohte zu verenden. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt, im Zoo von Wellington vier Mal operiert, danach mit Fisch-Shakes wieder aufgepäppelt. Für seine Heimreise ist er mit einem Sender ausgestattet worden, sodass seine Fans im Internet die Rückschwimmung verfolgen konnten. Leider verschwand er mitten am Weg samt Sender spurlos.

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