Kultur
14.01.2013

Hans Staudacher wird 90

Der Meister der informellen Malerei in Österreich, Hans Staudacher, wird am Montag 90 Jahre alt.

Der Seismograf arbeitet immer“, sagt Hans Staudacher. Während der Maler in seiner Jubiläumsausstellung der Wiener Galerie Hilger zwischen seinen großformatigen Gemälden sitzt und spricht, grimassiert und gestikuliert er, bis ein Schmerz in seinen rechten Arm fährt. Seit einem Sturz in der Straßenbahn vor zwei Wochen, erzählt Staudacher, tut ihm dieser „Seismograf“ weh – doch das ändert nichts daran, dass es in dem 90-Jährigen mit der Markenzeichen-Mütze und dem verschmitzten Blick unentwegt heftig weiter bebt.

Mit den Aufzeichnungen seiner inneren Beben ist Staudacher zu einem der wichtigsten österreichischen Malern der Nachkriegszeit geworden: Seit den frühen 50er-Jahren kennt man seine schnell gemalten, abstrakten Bilder, in denen feine Kalligrafien und großzügige Pinselstriche, Worte, Ziffern und bisweilen auch eingeklebte Fotos und Objekte einander überlagern. Wie viele Werke es insgesamt sind, weiß auch Staudacher nicht: „Es wollten viele ein Buch machen und alles katalogisieren. Aber da müsste ich dann immer dabei sein.“

Mann der Aktion

Auch wenn Staudacher seine Arbeit als Maler abgeschlossen hat, ist er kein Verwalter, sondern ein Mann der Aktion. „Malerei war mein Lebensvollzug“, sagt er. „Das Malen war mein Weg, um mich zu bestätigen, um zu wissen, ob ich noch Kraft habe. Ich hätte auch turnen können oder Ski fahren.“

In der Skination Österreich hätte der gebürtige Kärntner mit Letzterem gewiss schneller Anerkennung erlangt: Gern erzählt er, wie ihn ein Besucher einer Ausstellung einmal mit den Worten „das kann mein kleines Kind auch“ zu einem Mal-Duell herausforderte. „Er hat die Farbe aus der Tube gedrückt wie eine Zahnpasta“, sagt Staudacher, der selbst oft ohne den Umweg eines Pinsels Farbe auf die Leinwand brachte. „Nach zwei Jahren ist er dann wieder gekommen – er hat Respekt gekriegt und drei Bilder gekauft.“

Dass es die Malerei des sogenannten „Informel“ in Österreich schwer hatte, merkte Staudacher auch, als er 1959 eine Ausstellung des Franzosen Georges Mathieu – damals der unumstrittene Star des Genres in Europa – in der Wiener Galerie nächst St. Stephan hängte. „Man hat mir oft gesagt, dass ich der Mathieu von Österreich bin“, erinnert sich Staudacher, der Mathieu während seiner Paris-Aufenthalte ab 1954 studierte. „Doch er war Multimillionär, ich nicht.“

Hans Staudachers Durststrecken am Kunstmarkt sind heute freilich längst vorbei – nicht zuletzt aufgrund seiner enormen Produktivität. „Ich würde gerne noch malen, Material hätte ich genug“, sagt Staudacher, in dessen Atelier noch viele ungesehene Werke lagern. Dass „die Kraft zum Tubenausdrücken“ fehlt, lässt den Jubilar dennoch nicht verzagen: „Wir sehen uns zum Hunderter“, sagt er zum Abschied.

Impressionen von Staudachers Arbeit

Impressionen von Staudachers Arbeit

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INFO: Ausstellungen: Bis 22. 2., Galerie Hilger, Dorotheergasse 5, 1010 ; 19. 1.–23. 2. Galerie Freihausgasse Villach; 24. 1.– 2. 3., Galerie Gerersdorfer, Währinger Straße 12, 1090; ab 26. 2. Galerie 3, Klagenfurt